Autoversicherung: Vergleichsportale im Vergleich

Hunderttausende Autofahrer werden sich in diesem Herbst wieder vor die Computer setzen und in Vergleichsportalen nach einer günstigeren Autoversicherung suchen. experto.de hat fünf populäre Anbieter getestet – und ist auf zahlreiche Tücken gestoßen.

Bis zum 30. November müssen in der Regel Autoversicherungen gekündigt werden, um zum Jahresbeginn bei einem anderen Versicherer den neuen Vertrag abschließen zu können. Im Herbst haben die Vergleichsportale deshalb Hochsaison. Nach Branchenschätzungen werden pro Jahr bis zu einer Million KFZ-Versicherungsverträge über die Onlinedienste neu abgeschlossen.

experto.de hat fünf populäre Vergleichsportale getestet, und zwar:

  • Check24
  • Financescout
  • FSS-Online
  • Toptarif
  • Transparo

Insgesamt sind etwa ein Dutzend Anbieter im Internet zu finden, die aber teilweise die gleichen Daten nur unter anderem Namen liefern. Nicht berücksichtigt wurde die ebenfalls populäre Seite Geld.de aus Leipzig.

Geld.de ausgeschlossen
Der Grund: Ein Vergleich wird nur angezeigt, wenn persönliche Daten wie Name, Anschrift und Mailadresse genannt werden. Außerdem muss der Nutzer die "Datenschutzbestimmungen" akzeptieren. Er stimmt damit nicht nur zu, dass die Daten an Versicherungsgesellschaften weitergeleitet werden; der Nutzer erklärt zudem sein Einverständnis, dass er über "Neuigkeiten im Finanzbereich als auch über andere Bereiche" per Mail oder per Telefon informiert wird.

"Dass der Nutzer bei Geld.de einen solchen ungeschränkten Freibrief für Werbung abliefern soll, ist vollkommen inakzeptabel", sagt Gerd Bielenberg. Ein experto-Tester bekam nur einen Tag nach dem Vergleich bei Geld.de schon einen Werbeanruf. Wer Geld.de nutzen möchte, sollte nach Meinung von Bielenberg Fantasieangaben und eine Wegwerf-E-Mail verwenden (etwa von http://spoofmail.de).

Provisionen für Vermittlung
Für den Test wurden zwei Beispiele gebildet, und zwar für einen ledigen Alleinfahrer aus Hamburg sowie für ein Ehepaar mit zwei Kindern aus Düsseldorf. Die Details dazu sind in der Tabelle aufgeführt. Alle fünf getesteten Vergleichsportale fanden günstige Tarife, die bei den genannten Beispielen allesamt nahe beieinander liegen, obwohl die genannten Versicherer sich oft unterscheiden.

Die Erklärung dafür: Ein Vergleichsportal hat meist nur einen Teil der verfügbaren Tarife im Angebot. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass Versicherer keine Daten liefern wollen oder daran, dass nur mit bestimmten Versicherern Provisionsvereinbarungen geschlossen wurden. Die meisten Vergleichsportale haben den Status eines Versicherungsvermittlers und verdienen ihr Geld mit Provisionen.

experto.de verzichtet bei den getesteten fünf Vergleichsportalen darauf, Testnoten zu vergeben oder einen Testsieger zu erklären. Alle haben brauchbare Ergebnisse geliefert. Wichtiger erscheint es, die typischen Tücken aufzuzeigen, auf die experto.de gestoßen ist.

Versicherer: Durchweg präsentieren die Vergleichsportale Direkt- oder Online-Anbieter als die günstigsten Versicherungen. Das ist in Ordnung. Allerdings muss der Autofahrer dann damit leben, dass er keine Betreuung durch einen Außendienstler hat.

Versicherungsbeginn: Bei der Dateneingabe muss darauf geachtet werden, dass tatsächlich Jahresbeginn 2012 im Formular erscheint, nicht ein Datum in diesem Jahr. Wird z. B. versehentlich mit einem Versicherungsbeginn Oktober 2011 gerechnet, ist der Vergleich unbrauchbar. Die Tarife fürs nächste Jahr können völlig verschieden sein (im Schnitt wird es im nächsten Jahr um etwa vier Prozent teurer).

Selbstbehalte: Bei den Ergebnissen sollte der Nutzer kontrollieren, ob tatsächlich nur Tarife mit den gewünschten Selbstbehalten genannt werden. Check24 etwa nannte auf den Spitzenplätzen Tarife mit abweichenden Selbstbehalten und machte dies durch einen Hinweis deutlich. Was aber soll die Nennung, obwohl der Nutzer eindeutige Vorgaben gemacht hat?

Rabattklassen: Um die Angebote mit der aktuellen Versicherung vergleichen zu können, sollten die aktuellen Schadenfreiheitsklassen (SFB) verwendet werden. Werden die geringeren SFB des nächsten Jahres verwendet, kommt ein Ergebnis heraus, dass mit dem jetzigen Vertrag nicht vergleichbar ist.

Vertragsstrafen: Autofahrer können von einer Vielzahl von Sonderrabatten profitieren. Der Kunde sollte klären, welche Vertragsstrafen bei Rabatt-Verstößen möglich sind. Eine solche Vertragsstrafe droht zum Beispiel, wenn beim Alleinfahrer-Tarif sich doch die Freundin ans Steuer setzt und einen Unfall baut. Vorbildlich werden Vertragsstrafen bei Transparo ausgewiesen.

Werkstattbindung: Die Vergleichsportale haben durchweg "Werkstattbindung" für den Kaskoschutz voreingestellt. Das macht die Prämie günstiger. Wer bislang keine Werkstattbindung hatte und auch in der Zukunft selber entscheiden möchte, wo das Auto repariert wird, muss "ohne Werkstattbindung" auswählen.

experto empfiehlt: Investieren Sie die Zeit, um zwei oder drei Vergleichsportale abzufragen. Achten Sie darauf, jedes Mal exakt die gleichen Daten einzugeben, ansonsten werden die Ergebnisse unbrauchbar. Gerade junge Leute mit noch geringem Schadenfreiheitsrabatt können von einem Wechsel zu günstigeren Anbietern erheblich profitieren.

Und selbst wer nicht wechselt, kann sparen: Senden Sie einen Ausdruck des Vergleiches an ihren bisherigen Versicherer und bitten Sie um ein "Gegenangebot". In solchen Fällen sind laut Branchenkennern plötzlich sogenannte "Taschenrabatte" von bis zu 20 Prozent möglich.

Das soll der Nutzer bei Geld.de akzeptieren, wenn er einen Vergleich erhalten will:
Ja, bitte senden Sie mir ein unverbindliches und individuelles Angebot zu. Ich bin damit einverstanden, dass hierzu meine Daten an die betreffenden Versicherungsgesellschaften weitergeleitet werden. Als besonderen Service erhalte ich zusätzlich per E-Mail die Vergleichsübersicht zugesandt und werde über Neuigkeiten im Finanzbereich, als auch telefonisch über andere Bereiche informiert.

Veröffentlicht am 27. Oktober 2011
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