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MEGA-Cloudspeicher: 50 GB Online-Speicher kostenlos nutzen

Lesezeit: 7 Minuten King Dotcom und sein neuer Cloudspeicher-Dienst MEGA sind in allen Medien. Dieser Online-Speicher hat Highlights, die ihn höchst interessant machen: 50 GB kostenloser Speicher, keine Beschränkung der hochgeladenen Inhalte und Verschlüsselung. Dieser Artikel zeigt Ihnen die Vor- und Nachteile von MEGA im Vergleich mit Dropbox, SkyDrive und TelekomCloud.

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MEGA-Cloudspeicher: 50 GB Online-Speicher kostenlos nutzen

Lesezeit: 7 Minuten

Was MEGA eigentlich bedeutet und warum der Sitz des Unternehmens in Neuseeland ist

MEGA ist ein Akronym für "MEGA Encrypted Global Access". Der Dienst soll  Ihnen also weltweit Zugriff auf Ihre verschlüsselten Daten bieten. Die Server stehen in Neuseeland, hier ist auch die Wahlheimat von King Dotcom alias Kim Schmitz.

Der Maori-Name für Neuseeland ist "Aotearoa" und bedeutet so viel wie "Das Land der langen weißen Wolke", ein guter Ort für einen Cloud-Anbieter.

Mega-viel kostenloser Online-Speicher bei MEGA: 50 GB zum Nulltarif

Interessanter sind für die meisten Kunden aber wohl mehr die 50 GB kostenlosen Cloud-Speicher bzw. Online-Speicher, das ist doppelt so viel Gratisspeicher wie bei TelekomCloud der Deutschen Telekom, für deren Tochter DeTeMobil Kim Schmitz bereits vor rund 10 Jahren als Berater tätig war. 

Noch schwächer schneidet Microsoft SkyDrive mit nur 7 GB Gratisspeicher ab. Bei Dropbox erhalten Sie anfangs sogar nur 2 GB kostenlos, können allerdings durch verschiedene Aktivitäten wie die Werbung von neuen Nutzern und Kunden auch über 20 GB erreichen.

Hier steht es also 1:0 für MEGA gegen Dropbox, Skydrive und TelekomCloud sowie gegen nahezu die gesamte Konkurrenz im Cloudspeicher-Umfeld. Hier kann nur noch ADrive mithalten, wo Sie ebenfalls 50 GB kostenlosen Online-Speicher erhalten.

MEGA überträgt und speichert Ihre Daten verschlüsselt

Dabei werden die Daten bei der Übertragung zu MEGA (Upload) und beim Herunterladen (Download) mit AES 128 verschlüsselt. Auf den Servern von MEGA werden die Daten mit RSA 2048 verschlüsselt abgelegt.

Der Schlüssel liegt dabei laut MEGA in Ihren Händen. Die dabei verwendete UCE-Technologie (User Controlled Encryption, dt. "vom Benutzer kontrollierte Verschlüsselung") ist quelloffen, also Open Source.

Die offene Software hat den Vorteil, dass die Benutzer selbst auf Sicherheitslücken aufmerksam machen können – das ist auch bereits kurz nach dem Erscheinen von MEGA erfolgt und es wurden zwei Sicherheitslücken entfernt.

Allerdings sollten Sie bei Anwendung von MEGA wissen, dass Ihr Passwort der Schlüssel zu Ihren Daten ist. Vergessen Sie das Passwort, sind Ihre Daten verloren. Wählen Sie das Passwort zu leicht oder ein Keylogger nimmt es auf, kann ein Hacker Ihre Daten einsehen und stehlen.

Im Vergleich mit Dropbox und TelekomCloud punktet MEGA hier aber ein zweites Mal, denn bei beiden Konkurrenzangeboten werden die Daten nicht verschlüsselt abgespeichert – und Dropbox ist bereits mehrfach wegen Sicherheitslücken und Hacks auffällig geworden.

Es steht also bis jetzt 2:0 für MEGA gegen Dropbox und TelekomCloud. Allerdings lassen sich auch auf bei anderen Online-Speichern Daten verschlüsselt ablegen, zum Beispiel mit Hilfe von BoxCryptor. Es ist aus Sicherheitsgründen auch dringend zu empfehlen, dass Sie Daten in einem Cloud-Speicher nur verschlüsselt ablegen.

Anonymität bestimmt Ihr Handeln – was Sie bei MEGA hochladen ist Ihre Sache

Das Verschlüsseln der Daten hat aber neben der Sicherheit noch einen zweiten Vorteil für Sie als Nutzer: Niemand weiß, was Sie bei MEGA abspeichern und MEGA durchsucht Ihre Daten auch nicht.

Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, ist es jedoch nicht. So ist etwa von Microsoft SkyDrive her bekannt, dass die Daten der Benutzer regelmäßig auf Verstöße gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen durchsucht werden.

Wird Microsoft fündig, etwa in Form von Nacktbildern oder urheberrechtlich geschützter Medien, dann werden die Daten gelöscht oder das Konto geschlossen. Die Liste der Einschränkungen bei Microsoft ist lang.

Ähnliche Aktionen sind weder von Dropbox noch von TelekomCloud her bekannt, aber die Server von Dropbox stehen ebenso wie die von Microsoft in den USA und es besteht daher für die amerikanische Regierung durch den Patriot Act die Möglichkeit, auf diese Daten zuzugreifen.

Die Server von MEGA stehen dagegen in Neuseeland, hier gilt der Patriot Act nicht. Noch besser sind Ihre Daten rechtlich bei der TelekomCloud aufgehoben, denn hier stehen die Server nicht nur in Deutschland, sondern es gilt auch deutsches Recht und europäisches Recht. Das ist im Hinblick auf den Datenschutz und eventuelle Schadensersatzforderungen ein Vorteil für Sie.

Im Vergleich mit Dropbox und SkyDrive kann MEGA klar punkten und es steht 3:0. Das gilt wegen der Verschlüsselung auch im Vergleich zur TelekomCloud, auch wenn hier der rechtliche Heimvorteil gilt.

Wie groß dürfen die hochgeladenen Dateien bei MEGA sein?

MEGA hat keine Begrenzung bei der Dateigröße, es gibt allerdings je nach verwendetem Browser und der Rechnerausstattung durchaus Einschränkungen, die nichts mit MEGA zu tun haben.

Laut MEGA kann nur mit Google Chrome eine beliebig große Datei hochgeladen oder heruntergeladen werden.

Der Grund: Die anderen Browser laden die Dateien für den Upload und/oder Download erst in den Arbeitsspeicher und daher darf eine Datei nicht größer als dieser werden.

Haben Sie also einen älteren PC mit Windows XP und 1 GB RAM, dann können Sie mit dem Internet Explorer 8 auch nur Dateien deutlich unter 1 GB herunter- und raufladen (Windows und andere Anwendungen brauchen ja auch noch Arbeitsspeicher).

Wie sich der verwendete Browser bei MEGA auf die maximale Dateigröße auswirkt

Verwenden Sie Firefox, Internet Explorer 10 oder Opera, wird eine Datei vor dem Download in den Speicher geladen, kann also nicht größer als der freie Arbeitsspeicher sein. Das bedeutet bei einem aktuellen PC mit Windows 7 oder 8 und 4 GB Arbeitsspeicher eine Beschränkung auf etwa 3 bis 3,5 GB.

Setzen Sie den Internet Explorer 9 oder Safari 5 als Browser ein, gilt diese Grenze für den Download und Upload.

Die Dateigrößenbeschränkung durch den Browser kann in der Praxis bei großen Dateien zu Fehlern führen. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie laden ein 4 GB großes Video mit Ihrem Desktop-PC und Google Chrome in MEGA hoch.

Dann möchten Sie sich unterwegs das Video mit einem Notebook ansehen, das mit Windows XP läuft und 1 GB Arbeitsspeicher hat. Mit dem Internet Explorer 8 werden Sie die Datei nicht herunterladen können, mit Firefox dagegen schon.

Die maximale Dateigröße bei konkurrierenden Cloud-Speicher-Anbietern

Probleme mit der Dateigröße treten auch bei der Konkurrenz von MEGA auf, allerdings aus einem ganz anderen Grund: Entweder ist die Dateigröße wie etwa bei der TelekomCloud von vorneherein auf 2 GB beschränkt oder durch die geringe Menge an kostenlosen Speicher geht ohne kostenpflichtiges Konto einfach nicht mehr als zum Beispiel 2 GB bei Dropbox oder 7 GB bei Skydrive.

Auch ADrive hat eine Beschränkung auf 16 GB, auch wenn diese in der Praxis kaum Probleme bereiten dürfte.

Trotz der Einschränkungen bei der Dateigröße je nach verwendetem Browser und Rechner, kann MEGA hier wieder klar gegen die Konkurrenz punkten und diese bei optimalem Einsatz mit Google Chrome um Längen schlagen. Es steht also 4:0 für MEGA gegen den Rest der kostenlosen Cloud-Speicher-Welt.

Wie steht es um den MEGA-Zugriff per Smartphone und Tablet sowie bei Clients?

Doch die Siegesserie von MEGA endet zumindest zum Testzeitpunkt bei der Frage nach den Clients, also der Frage auf welchen Rechnern unter welchen Betriebssystemen sich MEGA anwenden lässt.

Zu MEGA gibt es im Gegensatz zur Konkurrenz überhaupt noch keine Clients, die Anwendung ist lediglich per Browser möglich. Selbst wenn sich MEGA so auf einem Android- oder iOS-Gerät nutzen lässt, bleiben dann noch die durch den jeweiligen Browser und die Arbeitsspeichergröße hervorgerufenen Einschränkungen.

Üblich sind mittlerweile bei Online-Speichern Clients für Android, iOS, MacOS X und Windows XP, Vista und 7. Einzelne Anbieter haben auch bereits Clients für Windows 8 oder noch für Symbian.

MEGA hat daher auch bereits Clients angekündigt, die sich bereits in der Entwicklung befinden sollen. Welche Betriebssysteme zuerst bedient werden und wann mit dem Erscheinen der Clients zu rechnen ist, hat das Unternehmen noch nicht bekannt gegeben.

In diesem Vergleichstest gibt es wegen der fehlenden Clients einen Punktabzug für MEGA, das aber immer noch 4:1 gegen Dropbox, Sky und TelekomCloud führt.

Lässt sich MEGA zum Synchronisieren und für Backups nutzen?

Die Browser-Anwendung von MEGA ist einfach zu bedienen, es gibt zudem eine Hilfefunktion. Sie werden sich also sofort oder spätestens nach ein paar Minuten in der MEGA-Oberfläche zurechtfinden.

Doch wenn Sie hier nach Backup- oder Synchronisationsfunktionen suchen, dann werden Sie diese bei MEGA nicht finden. Da es keinen Client gibt, sind auch solche Funktionen nicht vorhanden. Hier glänzt Dropbox und das ist einer der großen Vorteile dieses Dienstes.

Im Vergleich zu Dropbox muss MEGA also auch wieder einen Punkt lassen und es steht 4:2. Allerdings werden Sie die Backup- und Synchronisationsfunktionen auch bei Skydrive und TelekomCloud vergeblich suchen. Hier bleibt es daher bei 4:1.

Ein echtes Backup bietet zudem keiner dieser Cloud-Speicher, dazu sollten Sie zu einem echten Backup-Dienst greifen wie Easy Online Backup mit unbegrenzter Speichermenge und Dateigröße. Solche Dienste werden zwar nicht kostenlos angeboten, sind aber zu Preisen ab rund 5 € monatlich recht günstig und bei Bedarf an großen Speichermengen ein echtes Schnäppchen.

Was ist, wenn mir die 50 GB Cloud-Speicher nicht reichen?

Den verlorenen Punkt macht MEGA aber bei der maximalen Speichermenge schnell wieder wett. Reichen Ihnen die 50 GB nicht, können Sie auch 500 GB, 2 TB oder 4 TB Speicherplatz in den drei Bezahlangeboten Pro I bis Pro III erhalten. Diese Dienste kosten 9,99 €, 19,99 € und 29,99 € monatlich und enthalten auch einen Datentransfer von bis zu 1 TB, 2 TB bzw. 8 TB pro Monat.

Hier schneidet MEGA deutlich besser als die Konkurrenz bei den Online-Speichern ab, denn SkyDrive und TelekomCloud sind nur bis 100 GB erweiterbar. Dropbox hat für Teams auch Speicher ab 1 TB anzubieten, der dann aber mit Preisen ab 795 US-Dollar pro Jahr viel teurer als bei MEGA ist.

Strato lockt mit Gratisangeboten ist aber bei 5 TB rund fünfmal teurer als MEGA

Am ehesten vergleichbar mit MEGA ist das deutsche Unternehmen Strato, das bis zu 5 TB Online-Speicher anbietet, aber dafür dann auch 149 € monatlich verlangt. Lassen Sie sich hier nicht von den Gratisangeboten täuschen, die Verträge laufen über 24 Monate und nur die ersten 3 oder 12 Monate davon sind bei Strato kostenlos.

Suchen Sie viel Online-Speicher zum verhältnismäßig sehr kleinen Preis ist MEGA also mega-billig. Das gilt allerdings wiederum nicht im Vergleich mit Backup-Anbietern, denn hier erhalten Sie unbegrenzten Speicherplatz ja schon ab rund 5 € monatlich.

Benötigen Sie viel Speicherplatz nicht als Backup sondern rein zu Archivierungszwecken, ist Amazon Glacier derzeit eine sehr gute Wahl.

Es hängt also davon ab, wozu Sie den Speicher benötigen ob MEGA eine gute Wahl für Sie darstellt. Im Vergleicht zu Dropbox, SkyDrive und TelekomCloud punktet MEGA jedoch bei der maximalen Speichermenge auf jeden Fall und siegt daher in diesem Vergleich mit 5:2 bzw. 5:1 Punkten.

Können Sie King Dotcom, dem selbsternannten "König Kimble der Erste, Herrscher des Kimperiums" vertrauen?

Unabhängig von dem sehr guten Leistungsangebot von MEGA ist es jedoch auch eine Frage des Vertrauens, ob Sie bei diesem Dienst Ihre Daten speichern und ob es in diesem Fall auch persönliche Daten sind.

Kim Schmitz alias King Dotcom, der sich auch König Kimble der Erste nennt, ist ein bemerkenswerter wirtschaftlicher Aufstieg gelungen, in dessen Verlauf es allerdings auch zu rechtskräftigen Verurteilungen wegen Insiderhandel und Urheberrechtsverletzungen kam.

Megaupload, der Vorgänger von MEGA wurde von der amerikanischen Regierung wegen angeblicher Verletzung von Urheberrechten geschlossen. Die USA fordert von Neuseeland die Auslieferung von Kim Schmitz, um diesen in den USA vor Gericht zu stellen.

Kim Schmitz wird von den USA für einen Schaden von 500 Millionen US-Dollar durch angebliche Urheberrechtsverletzungen bei Megaupload verantwortlich gemacht.

Megaupload war jedoch außerordentlich beliebt, hatte auch bei Künstlern Fürsprecher und war zum Tausch von großen Dateien sehr gut geeignet – und das gilt auch für MEGA.

Die tägliche Datensicherung oder die Datenarchivierung ausschließlich bei MEGA abzulegen, ist jedoch keinesfalls zu empfehlen. Sie sollten immer noch eine zweite Kopie Ihrer Daten lokal haben. Das gilt nicht nur für MEGA, sondern sollte allgemein bei Online-Diensten so gehandhabt werden.

Bei MEGA kommt hinzu, dass dieser Dienst laut Banner auf der Webseite noch im Beta-Stadium ist und mit den Vereinigten Staaten von Amerika und der Musik- sowie Filmindustrie mächtige Gegner hat.

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