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Der Klügere kippt nach: Nützliche Anmerkungen zum Trinkverhalten

Lesezeit: 3 Minuten Die kürzeste Formel zum Thema ist die: oben rein, unten raus und dazwischen ein fließender Übergang. Diese einfache Dreiteilung müssen wir uns jedoch näher anschauen, denn so einfach ist die Sache dann doch nicht. Als Urologe sitze ich ja direkt an der Fehlerquelle. Trinken und Wasserlassen sind für mich laufende Themen. Kaum ein Urologenbesuch vergeht ohne die Empfehlung, ausreichend viel zu trinken.

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Der Klügere kippt nach: Nützliche Anmerkungen zum Trinkverhalten

Der Klügere kippt nach: Nützliche Anmerkungen zum Trinkverhalten

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Bedeutung des Wassers

Die Bedeutung des Wassers für unser irdisches Leben mag man daran ermessen, dass nicht nur die Erdoberfläche, sondern auch unser Körper zu etwa 70 Prozent aus Wasser besteht. Beim Menschen variiert der Wassergehalt allerdings je nach Alter stark: Bei einem Neugeborenen liegt der Anteil noch bei 70 bis 80 Prozent des Körpergewichts, während er im Laufe des Lebens immer weiter absinkt. Bei Menschen, die älter als 85 Jahre sind, liegt er bei nur noch 45 bis 50 Prozent.

Die Nieren

Die zentrale Rolle in der Regulation des Wasserhaushaltes spielen die Nieren. Sie filtern nicht verwertbare oder giftige Stoffe aus dem Blut und sorgen für die Ausscheidung mittels Harnbildung. Zudem kontrollieren sie den Sauerstoffgehalt des Blutes, denn sie produzieren das Hormon Erythropoetin, besser bekannt als EPO, das die Bildung der roten Blutkörperchen anregt. Nebenbei sorgen sie noch für einen augeglichenen Säure- und Salzhaushalt und regulieren über Urinproduktion und Hormone den Blutdruck. Unser gesamtes Blut fliesst 300-mal am Tag durch die Nieren, und ohne die Konzentrationsprozesse der Nieren würden wir 180 Liter Urin produzieren. Das entspricht in etwa einer vollen Badewanne.

Faustregel

Stellt sich also die grundlegende Frage, wie hoch der Tagesbedarf an Flüssigkeit bei einem durchschnittlichen Erwachsenen ist, um eine reibungslose Funktion dieser lebenswichtigen Organe zu gewährleisten. Schnelle Antwort: zwei Liter. In Amerika gibt es die 8-x-8-Regel, also acht Mal acht Ounces (zirka 30 ml) am Tag, womit man auf gut 1900 ml kommt. Da es eine solche Einheit bei uns nicht gibt, könnte man 10 Gläser oder Tassen zu je 200 ml empfehlen. Einen Teil der Flüssigkeit nimmt der Durchschnittsmensch auch durch feste Nahrung auf. Der tatsächliche Gesamtbedarf hängt jedoch auch von äußeren Faktoren ab: das Wetter, die Temperatur, die körperliche Belastung sowie die Ernährung. Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Alter. Insbesondere ältere Menschen müssen mehr trinken, da ihr Körper ja ohnehin schon einen deutlich geringeren Flüssigkeitsanteil aufweist.

Trinkprotokoll und Kneiftest

Machen Sie mal den Test und führen Sie über zwei Tage ein Trink-Protokoll. Nur so werden Sie sich Ihrer tatsächlichen Trinkgewohnheiten bewusst. Eine weitere Kontrollmöglichkeit ist der Kneiftest. Nehmen Sie Ihren rechten Handrücken, greifen Sie mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand eine Hautfalte und lassen Sie sofort wieder los. Wenn die Kneiffalte sich gleich zurückzieht, ist alles bestens. Bleibt die Falte jedoch länger stehen, ist das ein Zeichen dafür, dass es Ihnen an Flüssigkeit mangelt. Die Getränkeindustrie sagt zwar: Bitte nicht warten, bis der Durst kommt – Wer auf das Durstgefühl wartet, hat meist schon ein Flüssigkeitsdefizit. Ich sage: Der menschliche Körper hat im Laufe der Evolution zuverlässige Mechanismen entwickelt, um den Wasserhaushalt zu regulieren. Das Wichtigste ist, gut auf das Durstgefühl zu achten.

Mangelsymptome

Unser Körper scheidet täglich große Mengen an Flüssigkeit aus – nicht nur durchs Schwitzen. Sogar beim Atmen gehen täglich knapp 400 ml Flüssigkeit verloren! Da scheint es einleuchtend, dass dieser Verlust ständig ausgeglichen werden muss, denn wie ein Kamel auf Vorrat zu trinken, das funktioniert bei uns Menschen leider nicht. Der Mensch kann rund einen Monat ohne Nahrung überleben, aber höchstens eine Woche, ohne zu trinken.

Wasser ist Transportmittel für Blut, Harn und Schweiß sowie Lösungsmittel für fast alle Stoffe innerhalb einer Körperzelle. Es regelt zudem die Körpertemperatur durch Verdunstung (Schwitzen). Zwar hilft sich der Körper bei einem Flüssigkeitsdefizit bis zu einem gewissen Maß selbst und gleicht den Mangel durch Konzentrationsprozesse aus, doch die Fließeigenschaften des Blutes verschlechtern sich, Gehirnleistung und Konzentrationsfähigkeit lassen nach. Auch die Gefahr von Nierensteinerkrankungen, Harnwegsinfektionen oder Verstopfungen steigt an. Haut und Schleimhäute trocknen aus, wodurch Viren und Bakterien leichter in den Körper gelangen können. Anzeichen für einen Flüssigkeitsmangel sind: Kopfschmerzen, Übelkeit, Mundtrockenheit, Durstgefühl oder auch Appetitlosigkeit. Lassen Sie es nicht so weit kommen! Immer auf die Warnsignale des Körpers hören, denn der Klügere kippt nach!

Und noch etwas

Die Volksweisheit, beim Essen nichts trinken zu dürfen, weil man dadurch die Magensäure verdünnen und die Verdauung stören könne, stimmt nicht. Im Gegenteil: Eine gewisse Magenfüllung durch Flüssigkeit dämpft das Hungergefühl und verhindert, dass wir uns zu sehr vollstopfen. Sie dürfen also beim Dinieren durchaus etwas für die Nieren tun.

Die Art der Flüssigkeit

Wasser, Tees und Säfte sind selten ein Fehler, sofern sie nicht überdosiert werden. Eine Lanze möchte ich an dieser Stelle für den Kaffee brechen. Als bekennender Koffeinist muss ich auf die positiven Effekte von Kaffee hinweisen. Amerikanische Wissenschaftler fanden Hinweise, dass bestimmte Inhaltstoffe des Kaffees nicht nur eine zellschützende Wirkung haben, sondern über einen bestimmten Effekt auf Sexualhormone auch das Prostatakrebsrisiko senken können. Einen noch besseren Ruf hat der Wein, der ja gut für Herz, Kreislauf und Psyche sein soll. Eine kanadische Studie zeigte sogar, dass ein bis zwei Glas Rotwein ähnlich positive Effekte auf die Herzfunktion und die Muskeln haben sollen wie eine Stunde Sport. Ursächlich dafür ist der Inhaltstoff Resveratrol. Allerdings, so betonen die Wissenschaftler, sollte der Wein den Sport nicht ersetzen.

Zuviel Durst

Ein deutlich stärkeres Durstgefühl kann Anzeichen für eine Krankheit sein. Ganz oben auf der Liste steht die Zuckerkrankheit, auch Diabetes mellitus genannt. Vereinfacht gesagt, sind die Nieren bei Diabetikern überfordert, der Zucker geht in den Urin über und „zieht“ das Wasser mit aus dem Körper. Um den Flüssigkeitsverlust wieder auzugleichen, verspürt der Körper diesen sehr großen Durst. Unstillbarer Durst kann aber auch durch eine Überfunktion der Nebenschilddrüse hervorgerufen werden oder durch die mangelnde Fähigkeit der Nieren, den Urin zu konzentrieren.

Bildnachweis: Maksim Kostenko / stock.adobe.com

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