Pflege

Kinästhetik in der Pflege: Bewegung leicht gemacht

Kinästhetik ist ein bewährtes Bewegungskonzept im Kontext pflegerischer Arbeit. Die ressourcenschonende und den Patienten einbeziehende Form der Bewegungsgestaltung dient Patienten und Pflegekräften gleichermaßen. Eine Verinnerlichung der grundlegenden Prinzipien durch ständige Übung und Anwendung hilft Rückenbeschwerden vorzubeugen und unterstützt den Genesungsprozess des Patienten.

Erfolgversprechender Ansatz Kinästhetik
Kaum eine Branche verzeichnet eine derart hohe Ausfallquote wegen berufsbedingter Gesundheitsschäden wie die Pflegeberufe. Besonders Erkrankungen im Zusammenhang mit Beschwerden im Bewegungsapparat wie Rückenbeschwerden fallen dabei ins Gewicht. Maßnahmen wie Rückenschule und Stressabbau allein haben bisher kaum signifikante Erfolge gezeigt.

Sicherlich sind die insgesamt "belastenden" Tätigkeiten und ungünstigen Arbeitsbedingungen leicht als Mitverursacher zu identifizieren. Dennoch gibt es Auswege aus der Misere. Erfolgversprechend erscheinen Bewegungskonzepte wie Kinästhetik, um nachhaltigeren Erfolg sicher zu stellen.

Kernelemente kinästhetischer Pflege
Seit vielen Jahren hat sich die Kinästhetik als tragende Säule sowohl im Rahmen der Ausbildung als auch der Fort- und Weiterbildung etabliert. Es handelt sich um ein Bewegungskonzept, das den Pflegenden herausfordert, mit besonderer Aufmerksamkeit sowohl die eigenen als auch die Bewegungsressourcen des Pflegebedürftigen zu behandeln.

Der Pflegebedürftige ist nicht Objekt oder Gegenstand des Lagerns oder Mobilisierens, sondern selbst verantwortlich und herausgefordert, gemeinsame Bewegungen erfolgreich und mit möglichst geringem Aufwand zu gestalten. Er ist also gleichberechtigter Partner. Der Pflegende übernimmt dabei – wie beim Tanzen – quasi die Führung.

Grundsätze der Kinästhetik: Worauf besonders zu achten ist
Ein paar Grundsätze kinästhetisch-pflegender Bewegung möchte ich aus meiner eigenen Erfahrung versuchen besonders hervorzuheben.

Bevor überhaupt irgendeine Mobilisation wie der Transfer vom Bett in den Rollstuhl begonnen wird, werden zunächst alle denkbaren Möglichkeiten der Umgebungsgestaltung geprüft und die entsprechenden "Übungen" vorgeplant und gestaltet. Hierbei sind so einfache Dinge wie die Höheneinstellung des Bettes oder die Benutzung von Hilfsmitteln mit einzubeziehen.

Sowohl die Ressourcen des Bewohners als auch die eigenen Ressourcen fließen hier ein. Schmerzen, Wunden, fehlende Gliedmaßen werden dabei ebenso bedacht wie Einschränkungen in der Wahrnehmung des Patienten. Aber auch die prospektiven Ressourcen des Pflegenden spielen eine Rolle. Welche Bewegungen kann er ohne Schaden für Gelenke und Muskulatur ausführen, ohne langfristig Beschwerden am Bewegungsapparat zu bekommen?

Es wird nach Möglichkeit nicht gehoben, sondern nur das bewegt, was entlastet ist. Und dies geschieht im ständigen Dialog auch über nonverbale Signale durch den Pflegenden – er führt die Bewegung. Dies hat zur Folge, dass Bewegungen im Rahmen kinästhetischer Transfers immer in kleinen, manchmal ungewohnt schaukelnden Schritten vollzogen werden.

Viele Pflegekräfte tun sich am Anfang schwer, insbesondere mit der Kleinschrittigkeit. Sie sind ungeduldig, wollen schnelle Ergebnisse. Aber die Erfahrung zeigt, dass nach einiger Erfahrung und Routine die Transfers nach kinästhetischen Prinzipien nicht länger dauern und vor allem, dass weniger Schäden am Bewegungsapparat vorkommen. 

Sogenannte ballistische "Hau-Ruck-Bewegungen", die den Patienten oft zum leblosen Beförderungsgegenstand degradieren und sich zudem bei bestimmten Erkrankungen wie im Frühstadium eines Schlaganfalls spastikfördernd auswirken, sind unbedingt zu vermeiden.

Zu achten ist auch darauf, dass an den Stellen des Bewegungsapparates, wo Bewegung ermöglicht wird, nämlich vornehmlich an den Gelenken, nicht durch Halten blockiert wird. In Kenntnis von Anatomie und physiologischen Bewegungsmustern werden die Körpermassen – wie beim Tanzen – gehalten und geführt, damit die Zwischenräume frei spielen können.

Auf zum Grundkurs und viel Spaß!

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Michael Thomsen