Mitarbeiterführung

Ihre ersten 100 Tage als Chef

Ihre ersten 100 Tage als Chef
geschrieben von Fred Schübbe

Sprichwörtlich gelten die ersten 100 Tage als Schonfrist für neue Führungskräfte. In dieser Zeit richtig zu handeln, ist entscheidend für den späteren Erfolg und letztlich für den Verbleib auf dem neu gewonnenen Chefsessel. Diese Zeit sollte jeder neue Chef und jede neue Chefin daher aktiv gestalten, ohne jedoch in blinden Aktionismus zu verfallen.

Alle Augen sind auf den neuen Chef, die neue Chefin gerichtet. Wie spricht er seine Mitarbeiter an, welche Aktionen nimmt sie als Erstes in Angriff? Wer findet am schnellsten Zugang zur neuen Führungskraft und scheint sie der neuen Aufgabe gewachsen? Die hohen Erwartungen, die die Mitarbeiter an die neue Führungskraft stellen, setzen den Neuling leicht unter Druck. Kommt der neue Chef von außen steht er zudem noch unter dem Druck der zu bestehenden Probezeit.

Hören Sie aufmerksam zu

Vielfach verspüren Führungskräfte den Zwang, jederzeit eine Entscheidung treffen, sich ein Urteil bilden zu können. Das ist im Prinzip auch in Ordnung, nur sollten sich neue Chefs davon nicht verrückt machen lassen. Zuhören ist die erste Pflicht. In der ersten Zeit ist es einem Neuling kaum möglich, eine Situation so zu erfassen, dass eine Entscheidung getroffen werden kann, ohne zusätzliche Informationen einzuholen oder weitere Gespräche zu führen. Dies ist keine Schwäche, sondern zeugt von Kompetenz.

Zeichen setzen und präsent sein

Auch, wenn es wie oben beschrieben wichtig ist, sich in Entscheidungsdingen zunächst bedeckt zu halten, darf und sollte eine neue Führungskraft ab dem ersten Tag deutliche Präsenz zeigen. Dazu gehören auch sichtbare Veränderungen, Neuorganisation von Besprechungsrunden, Veränderung des Büromobiliars im Vergleich zum Vorgänger und so weiter.

Die Mitarbeiter sollten den neuen Chef als aktiven Gestalter wahrnehmen und dies zeigt sich am einfachsten durch äußerlich sichtbare Details. Klar ist aber auch, dass es dabei nicht bleiben darf. Inhaltliche Neuerungen, die den Stil des neuen Chefs charakterisieren, müssen folgen. Aber erst dann, wenn dieser sich den für die notwendigen Entscheidungen erforderlichen Überblick verschafft hat.

Netzwerke bilden und pflegen

Gerade nach einem Wechsel in ein neues Unternehmen ist es wichtig, beim Knüpfen von Kontakten keine Zeit zu verlieren. Machen Sie Antrittsbesuche, gehen Sie mit möglichst unterschiedlichen Kollegen zum Mittagessen und beteiligen Sie sich an betrieblichen Aktivitäten. Nutzen Sie diese Treffen, um viel über das neue Unternehmen und seine Kultur zu erfahren. Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern, und zwar mit allen gleichermaßen. Vermeiden Sie es, dabei Einzelne zu bevorzugen, auch wenn sich einige Kollegen Ihnen mehr öffnen als andere.

Wagen Sie es, zu führen

Der neue Chef sollte sich davor hüten, durch die Übernahme von Fachaufgaben fleißig wirken zu wollen. Man hat Sie nicht als Obersachbearbeiter eingestellt, sondern dafür, dass Sie ein Team oder eine Abteilung führen. Vergraben Sie sich nicht in Sachbearbeitung und Detailaufgaben.

Beschäftigen Sie sich von Anfang an mit Entscheidungsfindungen, Richtungsweisung und vor allem – sprechen Sie mit den Mitarbeitern. Seien Sie Ansprechpartner für Ihre Mitarbeiter, Ihre Kunden und Ihre eigene Führungskraft. Übernehmen Sie Verantwortung für die Abteilung, aber überlassen Sie den Mitarbeitern im Rahmen ihrer Aufgaben die Kompetenz, eigenverantwortlich zu handeln. Die Zeit, in denen sich ein Chef täglich viele Unterschriftsmappen zur Kontrolle vorlegen ließ, sind endgültig vorbei.

Nach 100 Tagen Bilanz ziehen

Nach mehr oder weniger 100 Tagen ist es Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Die Mitarbeiter werden dies tun und von nun an die Anforderungen an Sie erhöhen. Sie sollten aber ebenfalls die Zeit revue passieren lassen und sich fragen, wie die erste Zeit gelaufen ist.

Sind die neuen Schuhe noch zu groß? Haben Sie erste Erfolge, die Sie sich selbst und Ihrem Umfeld präsentieren können? Fordert Sie der neue Job, aber überfordert er sie auch nicht? Nach dieser Zwischenbilanz sollten keine grundsätzlichen Richtungswechsel mehr erfolgen, denn Ihr Umfeld hat sich schon auf Sie als Mensch und als Chef eingestellt. Dennoch ist dieser Zeitpunkt geeignet, um noch Anpassungen in der Führung und in den Tätigkeitsschwerpunkten vorzunehmen.

Bildnachweis: contrastwerkstatt / stock.adobe.com

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Fred Schübbe