Gesprächsführung

Durch Ausfragen Gespräche ungewollt unterbrechen

Durch Ausfragen Gespräche ungewollt unterbrechen
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Fragen drücken Interesse aus – so die weit verbreitete Meinung. Doch bei näherem Hinsehen können Fragen sehr unterschiedlich gestaltet sein und deshalb auch sehr unterschiedlich wirken. Beachten Sie den feinen Unterschied!

Eine Frage kann sich immer auf unterschiedliche Inhalte einer Aussage beziehen. Aus diesem Grund kann sie als neugieriges Ausfragen oder auch auf persönliches Interesse beziehen.

Ein Beispiel:

Person A formuliert: „Ich schaffe es einfach nicht mit dem Rauchen aufzuhören.“
Person B fragt: „Wie viele Zigaretten rauchst du denn am Tag?“

Mit der getätigten Aussage möchte Person A sicherlich ein Gespräch über die Schwierigkeiten des Rauchen-Beendens und über Probleme des Abgewöhnens dieser Gewohnheit beginnen. Die Frage zielt jedoch deutlich in eine andere Richtung -“ in die Richtung des Zigarettenverbrauchs und in Richtung der Person B und ihres neugierigen Interesses nach einer Zigarettenzahl.

Person A wird sicherlich wissen, wie viele Zigaretten er oder sie raucht -“ es geht nicht um die Anzahl der Zigaretten sondern um die Schwierigkeiten des Abgewöhnens.

Lenken Sie das Gespräch nicht auf eigene Interessen
Mit der Frage lenkt Person B das Gespräch in Richtung eigener Interessen, da er oder sie die eigene Neugier nicht zurückstellen kann. In gewisser Weise beschäftigt sich das Gesprächsgegenüber zwar mit dem angesprochenen Problem -“ dies aber ohne auf die Gefühle einzugehen. Da es bei dem angesprochenen Problem aber offensichtlich um Gefühle geht, sollte auf diese eingegangen werden:

Auf die Aussage von Person: „Ich schaffe es einfach nicht mit dem Rauchen aufzuhören.“
sollte Person B fragen: „Macht dich das unglücklich? oder: Macht dich das unzufrieden?“

Um die Problematik näher zu erläutern hier noch einige Beispiele:
Person A sagt: „Ich bin gestern durch die Prüfung gefallen.“
Person B fragt: „In welchem Fach denn?“ Oder: „Welches war den das schlechteste Fach?“
(besser wäre: „Wie schlimm ist das denn für dich?“)

Person A sagt: „Ich hatte gestern einen Unfall mit dem Wagen.“
Person B fragt: „Was fährst du denn für einen Wagen?“ Oder: „Wo denn?“
(besser wäre: „Ist dir was passiert?“ „Wie kommst du denn damit klar?“)

Person A sagt: „Morgen muss ich mich einer Wurzelbehandlung unterziehen.“
Person B fragt: „Bei welchem Zahnarzt bist du denn?“ Oder: „Gehst du denn nicht oft genug zum Zahnarzt?“
(besser wäre: „Hast du Angst vor der Behandlung?“ „Findest du das beängstigend?“)

An den Beispielen wird deutlich: Eine Frage nach den Gefühlen, die sich hinter einer Aussage verbergen können, ist immer besser für ein vertiefendes Gespräch, als pure Fragen nach gegebenen Fakten. Faktenfragen wirken eher als Gesprächskiller!

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Dr. Britta Kanacher

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