Gesprächsführung

Durch vorschnelles Diagnostizieren Gespräche ungewollt unterbrechen

Durch vorschnelles Diagnostizieren Gespräche ungewollt unterbrechen
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Einerseits helfen wohlgemeinte Erklärungen, andererseits erschweren sie es einer Person mit einem Anliegen, ihre Schwierigkeiten und Gefühle näher zu erläutern. Durch vorschnelles Diagnostizieren entsteht allzu leicht der Eindruck, dass mit der Diagnose bereits ein Endpunkt für das Gespräch gesetzt wird. Lesen Sie, wie Sie vorschnelle Diagnosen vermeiden.

Häufig erschweren Erklärungsversuche ein tiefer gehendes Gespräch, da die Person mit dem Anliegen den Eindruck bekommen kann, dass der andere nur sein Wissen anbringen will und mit der Diagnose das Problem in eine allgemeine "Schublade" verpackt.

Hier einige Beispiele:

Person A sagt: "Ich fühle mich in letzter Zeit oft abgespannt und müde."
Person B antwortet: "Ach, das sind bestimmt die Wechseljahre. Die gehen oft mit depressiven Stimmungen einher."

oder

Person A sagt: "Ich habe beruflich einfach keinen Erfolg."
Person B antwortet: "Das finde ich nicht verwunderlich -“ dein Vater war ja auch nicht gerade erfolgreich."

oder

Person A sagt: "Ich habe das Gefühl, ich trinke zu viel."
Person B antwortet: "Das ist doch kein Wunder, du warst schon immer leicht labil."

Warum kommt es zu solchen Urteilen und Diagnosen? Häufig ist die eigene Unsicherheit des Gesprächspartners der verdeckte Grund für solche vorschnellen Erklärungen.

In Gesprächen nicht nur die eigenen Bedürfnisse erfüllen
Bevor man sich der eigenen Unsicherheit stellt und sich näher mit dem Problem auseinandersetzt, umgeht man dies, indem man ein Urteil fällt.

Doch damit befriedigt man nur das eigene Problem und geht nicht auf sein Gegenüber und dessen Problem ein. Meist führt dieses kommunikative Verhalten dazu, dass sich die Person A nicht verstanden fühlt und den Eindruck gewinnt, sich nicht weiter erläutern zu dürfen -“ ein vermeintlich unumstößliches Urteil ist doch bereits gefällt!

Versuchen Sie es in einer Gesprächssituation, in welcher jemand mit einem Problem oder Anliegen an Sie heran tritt, lieber mit einer verständnisvollen Fragestellung. Diese sollte dazu auffordern, konkreter zu werden.

Zum Beispiel

Person A sagt: "Ich fühle mich in letzter Zeit oft abgespannt und müde."
Person B antwortet: "Kannst du diese Gefühle näher beschreiben oder vielleicht ein Beispiel nennen, wann du dich so fühlst?"

oder

Person A sagt: "Ich habe beruflich einfach keinen Erfolg."
Person B antwortet: "Wie kommst du denn zu dieser Einschätzung? Macht dich das unzufrieden?"

oder

Person A sagt: "Ich habe das Gefühl, ich trinke zu viel."
Person B antwortet: "Warum denkst du das? Macht dir das Gefühl Angst?"

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Dr. Britta Kanacher

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