Familie Praxistipps

So verläuft das Projekt „Spielzeugfreier Kindergarten“

Lesezeit: 3 Minuten In der Vorstellung vieler Eltern gehört zu einer glücklichen Kindheit spannendes, lehrreiches und buntes Spielzeug. Dass es auch anders geht, zeigt das Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten". Die Aktion versucht, Kinder vor Suchtgefahren zu schützen und gleichzeitig ihre Lebenskompetenzen zu fördern.

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So verläuft das Projekt „Spielzeugfreier Kindergarten“

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Entstehung des Projekts "Spielzeugfreier Kindergarten"

Das Projekt wurde im Rahmen des Suchtarbeitskreises des Landkreises Weilheim entwickelt. Elke Schubert vom Gesundheitsamt und Rainer Strick vom Jugendamt gründeten eine Arbeitsgruppe, die sich speziell auf suchtpräventive Maßnahmen für Kinder im Vorschulalter konzentrierte. Daraus entwickelte sich das Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten", dass 1992 im Städtischen Kindergarten Penzberg durchgeführt wurde.

Ziele des Projekts "Spielzeugfreier Kindergarten"

Wer Lebenskompetenz erwirbt, kann besser mit Suchtgefahren umgehen. Wer zum Beispiel seine Stärken und Schwächen kennt, hält besser Niederlagen aber auch Erfolge aus. Mit Lebenskompetenzen sind Menschen außerdem in der Lage, Situationen zu analysieren und alternative Handlungsweisen zu entwickeln.

Ein behütetes Umfeld, perfektes Spielzeug oder von Erwachsenen vergebene Spielideen sind nicht gerade förderlich, um bei Kindern elementare Fähigkeiten wie sprachliche und körperliche Kompetenzen zu entwickeln, Selbstvertrauen oder soziale Beziehungen aufzubauen oder auch die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. In dem Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten" erhalten die Kinder einen Erfahrungsraum, den sie ohne Einmischung von Erzieherinnen selbst gestalten können.

Kreativität ohne Spielzeug

In dem Projekt geht es nicht darum, Spielzeug aus dem Leben der Kinder vollständig zu verbannen. Aber viele Eltern kennen das Phänomen, dass Kinder bei einem Überangebot an Spielmöglichkeiten leicht das Interesse an ihren Spielsachen verlieren. Das Projekt setzt darauf, für einen bestimmten Zeitraum auf Spielzeug zu verzichten. Dadurch haben die Kinder die Chance, sich eigene Spielmöglichkeiten zu suchen. Sie schöpfen ihre Kreativität und Fantasie aus und erleben positive Selbstbestätigung.

Außerdem entstehen auf diese Weise ganz andere Gruppenprozesse. Die Kinder müssen wesentlich mehr miteinander agieren und sind gezwungen, Streitereien selbst zu schlichten und Kompromisse zu schließen.

Der Verzicht auf Spielzeug funktioniert allerdings nur, wenn auch die Erzieherinnen ihre Position verändern und sie in den Hintergrund treten. Sie geben den Kindern keine Spielideen vor und greifen wenn möglich auch nicht schlichtend bei Streitereien ein. Es ist gar nicht so leicht eine defensive Rolle einzunehmen und den von Kindern geplanten Tagesablauf zu akzeptieren. Gleichzeitig erfordert das Projekt eine verstärkte Elternarbeit. Sie werden mit einbezogen und über die Abläufe informiert, damit sie ihre Erfahrungen untereinander austauschen können.

Ablauf des Projekts "Spielzeugfreier Kindergarten"

Optimal ist ein Zeitrahmen von rund drei Monaten für die Umsetzung des Projekts "Spielzeugfreier Kindergarten". In der Vorbereitungsphase der ersten Wochen beginnen die Erzieherinnen zusammen mit den Kindern, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu gestalten. So kann zum Beispiel das Spielzeug nach und nach verpackt und auf eine Reise geschickt werden. Auch Materialien wie Stift und Papier verschwinden aus dem Raum, bis nur noch das Mobiliar übrig bleibt. Die Erzieherinnen machen allerdings den Kindern klar, dass das Spielzeug von seiner Reise wieder zurückkehrt.

Bei der Durchführung des Projektes stehen die Wünsche der Kinder im Vordergrund. Es gibt also keine von den Erwachsenen vorgeschriebenen Strukturen. Wenn Kinder Elemente aus vorangegangenen Wochen wie zum Beispiel den Stuhlkreis wünschen, wird dieser durchgeführt. Manche festen Termine wie das Mittagessen sind aus organisatorischen Gründen jedoch nicht zu verändern. Die Erzieherinnen überlassen den Kindern die Planung des Alltags und beschränken sich auf die Rolle der Beobachterin. Außerdem dokumentieren sie die Entwicklung und halten den Verlauf des Projektes in einem Tagebuch fest. Nach Ablauf der vereinbarten Zeit kehrt das Spielzeug nach und nach in den Kindergarten zurück.

Praxiserfahrungen

Inzwischen wurde das Projekt vor allem in bayrischen Raum in vielen Kindergärten ausprobiert. Der Zeitraum variierte von einigen Wochen bis zu über einem halben Jahr. Außerdem wurde 1996 von der Aktion Jugendschutz der Landesarbeitsstelle Bayern e. V. eine Studie zum Thema durchgeführt. Wie nicht anders zu erwarten, bringt das Projekt dynamische Prozesse in Gang. Laut Aussagen der befragten Erzieherinnen wirkte sich das Projekt positiv auf Beziehungsfähigkeit, Selbstvertrauen, Sprachkompetenz, kreatives Problemlösen, Frustrationstoleranz und Spielfähigkeit der Kinder aus.

Wenn Sie das Projekt den Erzieherinnen Ihres Kindes vorschlagen möchten, finden Sie weitere  Informationen sowie ausgewählte Materialien zum Bestellen auf der Internetseite der Aktion Jugendschutz .

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