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Die homöopathischen Prinzipien: Syphilis als Modell für chronische Krankheiten

Lesezeit: 3 Minuten So wie die Pest die Menschen im Mittelalter geprägt hat, hat die Syphilis das Denken, die Kultur und die Wissenschaft der Menschen ab dem 16. Jahrhundert verändert. Heute wird die Syphilis mit Antibiotika behandelt, doch tritt sie in den letzten Jahren wieder vermehrt auf und verdient es, näher betrachtet zu werden. Für Hahnemann, den Begründer der Homöopathie, diente sie als Modell für die Behandlung von chronischen Krankheiten.

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Die homöopathischen Prinzipien: Syphilis als Modell für chronische Krankheiten

Die homöopathischen Prinzipien: Syphilis als Modell für chronische Krankheiten

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Syphilis als Beispiel für chronische Krankheiten

Zu Zeiten Hahnemanns war die Syphilis sehr verbreitet. Nachdem er viele Jahre lang seine Patienten nach dem Ähnlichkeitsprinzip heilte und dabei große Erfolge erzielte, fiel ihm auf, dass er zwar akute Erkrankungen und Epidemien gut heilen konnte, dass aber bei chronischen Erkrankungen die Behandlung nach dem Ähnlichkeitsprinzip weniger erfolgreich war.

So forschte er weitere Jahre unermüdlich und stellte fest, dass hinter all den Symptomen, die ein chronisch kranker Mensch hervorbringt, eine Kraft steckt, die auch durch die gesündeste Diät und Lebensordnung nicht aufgehoben werden kann. Er erfasste, dass die unterschiedlichen älteren und neueren Symptome auf diese Kraft, dieses „Ur-Übel“ zurückgeführt werden können, die er Miasmen nannte.

Chronische Krankheiten

Für ihn waren die Blockaden, die die Heilung behindern, in den Miasmen zu finden, wie er das „Ur-Übel“ nannte. Miasma heißt Befleckung. Heute wissen wir, dass Ansteckung über Infektionen mit Bakterien, Viren oder andere Krankheitserreger erfolgt, so dass die Schulmedizin das Modell zur Entstehung der chronischen Krankheiten in großen Teilen als ungültig ansieht.

Jedoch hat Hahnemanns Konzept zur Behandlung chronischer Krankheiten weiterhin seine Berechtigung und kann bei der Behandlung der chronischen Krankheiten als Grundlage dienen.

Das homöopathische Prinzip: Arzneimittelkrankheit überwindet ursprüngliche Krankheit

Den Kern seiner Lehre von den chronischen Krankheiten hat Hahnemann bereits 1789 in „Unterricht für Wundärzte. Über die venerischen Krankheiten, nebst einem neuen Quecksilberpräparate“ festgehalten:

Quecksilber ruft im syphiliskranken Organismus bestimmte Reaktionen hervor, die er   „Merkurialfieber“ nennt. Das Merkurialfieber, von der Arznei bewirkt, setze sich gleichsam an die Stelle der Syphilis und treibe diese damit hinaus. Anders ausgedrückt: Das eingenommene Quecksilber erzeugt einen krankhaften Prozess und wird zum Überwinder desjenigen krankhaften Prozesses, der vorher im Körper wütete.

Hier zeichnet sich schon das Prinzip der Homöopathie ab, dass nämlich ein Mittel eine Arzneimittelkrankheit auslöst, die die Lebenskraft stimuliert, die ursprüngliche Krankheit zu überwinden.

Heilung versus Unterdrückung

In seinem Werk „Die chronischen Krankheiten, ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung“ beschreibt Hahnemann weiter das Wesen der chronischen Krankheiten. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass die Lebenskraft keine Abwehr gegen sie besitzt (im Gegensatz zur akuten Krankheit, bei der es eine Abwehr gibt, die zur Krisis mit anschießender Heilung führen kann). Die chronische Krankheit nimmt immer weiter zu, ihre Leiden werden stärker, sie führt in die Destruktion.

Lokalsymptome

Die einzige Möglichkeit die der Erkrankte hat, um das Fortschreiten einer chronischen Krankheit zu verhindern, ist nach Hahnemann die Ausbildung eines „Lokalübels“. Dieses zu belassen verringert die Geschwindigkeit des Fortschreitens der chronischen Erkrankung.

Ein Lokalübel ist ein Signal: Es zeigt das Vorhandensein der inneren Krankheit an. Es darf daher laut Hahnemann unter keinen Umständen durch örtliche Maßnahmen  behandelt und zum Verschwinden gebracht werden (Unterdrückung). Außerdem dient es unbehandelt als Anzeiger der Krankheit und zeigt dem Behandler eine gewisse Tendenz im Heilungsverlauf.

Ein Lokal-Übel bringt die innere Krankheit vorerst zur Ruhe, es wirkt wie ein Entlastungsventil. Auch aus diesem Grund darf es unter keinen Umständen örtlich beseitigt werden.

Fazit:

Durch seine Erfahrungen und Beobachtungen mit der Syphilis, seinem „Modell“ für chronische Krankheiten, hat Hahnemann die Lehre von den Lokalübeln entwickelt, die besagt, dass die Zeichen und Symptome nicht unterdrückt werden sollen, da sie die Chronifizierung einer Erkrankung aufhalten können und ihre innere Heilung anzeigen können. Seine Forderung ist bei der Syphilis heute nicht mehr durchführbar, diese ist mit Antibiotika zu behandeln.

Doch ist es von großem Nutzen zu wissen, dass andere Symptome, die nach einer behandelten Syphilis auftreten, im Zusammenhang mit dieser betrachtet werden können. Hahnemanns Erkenntnisse, die er an seiner Modellkrankheit Syphilis gewonnen hat, ermöglichen es der klassischen Homöopathie, chronische Krankheiten von innen heraus zu heilen und nicht nur die Symptome zu behandeln.

Diese Erkenntnisse sind auch sehr hilfreich bei der Behandlung des Post-Lyme-Syndroms, welches oft nach erfolgter Antibiotikabehandlung der Borreliose beobachtet wird, die ja ebenfalls wie die Syphilis durch Spirochaeten hervorgerufen wird.

Bildnachweis: Coloures-Pic / stock.adobe.com

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