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Demenz: Kreativität und Spiritualität für uns und die Kranken

Lesezeit: 3 Minuten Bei Menschen mit Demenz Kreativität und Spiritualität? Wer es noch nicht life erlebt hat, bekommt vom Kunsttherapeuten M. Ganss auf dem Alzheimerkongress in Braunschweig per stummgeschaltetem Video den deutlichen Hinweis auf die Sinnlosigkeit, Sinn in den Worten eines Menschen mit Alzheimer zu suchen. Vielmehr ist es die reine Aufmerksamkeit, die sich in der Kommunikation lohnt.

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Demenz: Kreativität und Spiritualität für uns und die Kranken

Demenz: Kreativität und Spiritualität für uns und die Kranken

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Demenz: Wo fängt für den Kunsttherapeuten Kreativität an?

Dort, wo Material, Setting und Beziehung zwischen dem Therapeuten und Menschen mit Demenz im Ansatz bereit sind? Oder dort, wo die Sprache als Werkzeug in den Hintergrund gerät und dafür Pinsel und Farbe und andere Gestaltungsmittel den Ausdruck verschaffen. Oder schon früher, wenn zwei Menschen miteinander kommunizieren ohne miteinander zu reden, weil mindestens einer von ihnen das Moment der Kreativität kennt?

Ich spreche extra von DAS MOMENT, wie es Paolo Knill im Seminar über Kunsttherapie oft eindrucksvoll betont hat. Das Moment, das mehr ist als eine reine Zeitangabe. Das Moment passiert. Es geschieht im Kontext der Beziehung und Aufmerksamkeit, des Setting, Rituals und zur Verfügung stehenden Werkzeugs.

Es geschieht kurz bevor unsere kreative Kraft aus Einzelteilen etwas Sinnvolles zusammensetzt, etwas manifestiert und sichtbar macht. Es passiert aus Neugier und einem Bedürfnis, einer Suche nach dem noch Unbekannten.

Mindestens einer im Dialog sollte dieses Moment kennen und genießen können. Im „Gespräch“ mit einem Menschen, der an Alzheimer leidet, ist das hilfreich. Dieser Genuss ist hilfreich, da er uns löst von dem Ziel, etwas erreichen zu wollen. Das Moment ist in der Suche nicht im Ergebnis. Auch wenn – im Optimalfall – das Ergebnis die Suche sichtbar oder verständlich macht.

Für Menschen mit Demenz ist Sprache nicht optimal für die Kommunikation

Wir meinen, Sprache wäre optimal. Nicht so für den Menschen mit Demenz. Verwirrte Worte führen uns in die Irre und das Gespräch so oft ad absurdum, dass wir bald Schwierigkeiten haben, aufmerksam zu sein. Der Alzheimerkranke spürt, dass seine Worte keinen Sinn machen. Vielleicht weiß er es auch und sucht und sucht und sucht – er sucht Verbesserung und scheitert.

Könnten wir ihm diese Suche erleichtern, würde er uns dann etwas verraten können, was wir (noch) nicht wissen? Oder können wir Es in Worten gar nicht finden? Wo liegt der feine Unterschied zwischen „Aufmerksamkeit“ (wie wir sie kennen) und „reiner, wacher Aufmerksamkeit“ (wie sie in der Spiritualität erwähnt wird)?

Demenz: Spiritualität ist nicht Religiosität

Kommen wir zurück auf das Moment, ahnen wir eine Tür zur Spiritualität. Unbekannt, groß, weit, sich auflösend und eröffnend. Erweckend? Spiritualität ist nicht Religiosität, sagt Prof. Karin Wilkening auf dem Alzheimerkongress. Sie führt mit klaren Worten auf, was bisher gesellschaftlich in die Ungenauigkeit und Unklarheit verbannt zu sein schien oder sich in der Esoterik zwischen Handlesen, Engelskarten, Tarot und Geistheilung bewegt.

Was aber sollen wir im Dialog mit Menschen mit Demenz damit anfangen? Doch sicher nicht von Heilung sprechen, im Angesicht dieser furchtbaren Krankheit, ganz sicher nicht! Welche Hoffnung kann der Betroffene haben, wenn nicht die Hoffnung auf Heilung? Gibt es überhaupt eine Hoffnung?

Gibt es Hoffnung bei Demenz?

Religion sagt, ja es gibt sie. Doch der spirituelle Mensch ist nicht unbedingt auch ein religiöser Mensch. Lassen Sie uns mehr wissen über die Definition von Spiritualität, über das Moment in der Kreativität. Über Aufmerksamkeit und Verwirrung, Suche und Vertrauen, Offenheit und Leere, Verständnis und Mitgefühl, sehen und gesehen werden.

Spiritualität braucht mehr Vertauenswürdigkeit. Diese will der Mensch über Konzepte und Denkmuster bekommen. Doch ist das nicht gerade das Problem der Spiritualität: die Befreiung vom Konzept? Die Annäherungen über Forschung und Wissenschaft geben uns jedoch Hoffnung und Halt und Ideen.

Kreativität ihrerseits lässt sich ebenfalls nur umschreiben: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ (Klee, Paul) Bedeutung und tieferer Sinn des Kunstwerks können somit besser an die Öffentlichkeit vermittelt werden. Ich sage nicht, dass Kreativität immer gleich Kunst ist, doch es ist der Weg dorthin. Wir Jüngeren und Gesunden brauchen Wege und Sichtbarkeit, Zwischenziele und Spiele. Kreativität eben.

Gibt es Konzepte für Spiritualität?

Versuche, Spiritualität in Konzepten zu formulieren, scheitern von Natur aus. In der Kreativität lassen uns Konzepte scheitern. Die Kreativität de-formuliert das Konzept. Worte werden sinnlos und dennoch gibt es Sprache: Die Sprache des Herzens.

Betrachtung über Spiritualität und Kreativität könnten wir in den Dialog mit Demenzkranken einfließen lassen. Unerwarteterweise kommen Spiritualität und Kreativität von vielen demenzkranken Menschen im Dialog zurück und es entsteht Freude. Wenn wir schon nicht die Hoffnung auf Heilung haben können, so doch bitte die Hoffnung auf Freude!

Bildnachweis: seventyfour / stock.adobe.com

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