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Achtung beim Einkauf: Der Trick mit der Großlage bei deutschen Weinen

Lesezeit: 2 Minuten Bernkasteler Kurfürstlay, Johannisberger Erntebringer, Forster Mariengarten... wohlklingende Weinnamen, die an steile Hänge und beste Böden denken lassen. Doch weit gefehlt! Dahinter verbergen sich sogenannte Großlagen – 164 gibt es derzeit in deutschen Weinlanden. Hunderte von Hektar große Gebiete. Da wird ein besonderer Ursprung suggeriert, der nicht vorhanden ist. Also Augen auf beim Weinkauf!

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Achtung beim Einkauf: Der Trick mit der Großlage bei deutschen Weinen

Achtung beim Einkauf: Der Trick mit der Großlage bei deutschen Weinen

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Der Sündenfall: Das deutsche Weingesetz von 1971

Die Großlagen hat uns das zu Recht umstrittene, noch heute geltende deutsche Weingesetz von 1971 eingebrockt. Es gliedert die 13 deutschen Anbaugebiete in Bereiche mit Großlagen auf, die im Durchschnitt 660 Hektar umfassen und sich auch schon mal über stattliche 1.800 Hektar erstrecken – oft sind es Gebiete, die gar nicht zusammenhängen.

Das Problem dabei ist, dass die Großlagen nicht als solche gekennzeichnet sind und die Namen der Gemeinden tragen dürfen, die sich in ihrem Gebiet befinden. Diese Gemeindenamen schmücken allerdings auch die Einzellagen, von denen viele Weltruhm erlangt haben.

Auf der einen Flasche steht dann „Piesporter Michelsberg“ (Großlage), auf der anderen „Piesporter Goldtröpfchen“ (legendäre Einzellage). Dazu schreibt der Brite Hugh Johnson, berühmter Weinautor und Liebhaber deutscher Weine: „Im schlimmsten Fall sind Großlagenbezeichnungen schlicht Etikettenschwindel“ (Der große Johnson, 6. Ausgabe 2009, Seite 244).

Der Grund: Aufwertung von Weinen, die keine Lagenweine sind

Wer sich nun fragt, was das eigentlich soll, sollte lieber fragen: Wem nützt dieses bewusste Verwirrspiel? Ein Blick zurück hilft. 1971 war die Blütezeit der billigen, klebrig-süßen deutschen Weine aus der Massenproduktion. Mit einem klangvollen Lagennamen auf dem Etikett erschienen Großlagenweine wertvoller, als sie in Wahrheit waren – und ließen sich besser vermarkten.

Dass damit historische, weltberühmte Einzellagennamen deklassiert und entwertet wurden, nahm man offenbar in Kauf. Solange es die Großlagen noch gibt, hilft nur eins: sie zu kennen und beim Einkauf von Weinen auf der Großlagen-Hut zu sein. Was nicht heißen soll, dass Weine aus Großlagen per se nichts taugen – nein, im Gegenteil. Es gibt viele vorzügliche Weine, die unter diesen Namen firmieren. Nur sollte man sich bewusst sein, dass man keinen echten Lagenwein erwirbt.

Ahr: 1 Großlage

  • Klosterberg

Baden: 16 Großlagen

  • Attilafelsen
  • Burg Lichteneck
  • Burg Neuenfels
  • Burg Zähringen
  • Fürsteneck
  • Hohenberg
  • Lorettoberg
  • Mannaberg
  • Rittersberg
  • Schloss Rodeck
  • Schutterlindenberg
  • Sonnenufer
  • Stiftsberg
  • Tauberklinge
  • Vogtei Rötteln
  • Vulkanfelsen

Franken: 23 Großlagen

  • Burg
  • Burgberg
  • Burgweg
  • Engelsberg
  • Ewig Leben
  • Frankenberger Schloßstück
  • Heiligenthal
  • Herrenberg
  • Hofrat
  • Honigberg
  • Kapellenberg
  • Kirchberg
  • Marienberg
  • Markgraf Babenberg
  • Ölspiel
  • Ravensburg
  • Reuschberg
  • Roßtal
  • Schild
  • Schloßberg
  • Steige
  • Teufelstor
  • Zabelstein

Hessische Bergstraße: 3 Großlagen

  • Rott
  • Schloßberg
  • Wolfsmagen

Mittelrhein: 11 Großlagen

  • Burg Hammerstein
  • Burg Rheinfels
  • Gedeonseck
  • Lahntal
  • Loreleyfelsen
  • Marksburg
  • Petersberg
  • Herrenberg
  • Schloß Reichenstein
  • Schloß Schönburg
  • Schloß Stahleck

Mosel (mit Saar und Ruwer): 19 Großlagen

  • Badstube
  • Gipfel
  • Goldbäumchen
  • Grafschaft
  • Königsberg
  • Kurfürstlay
  • Michelsberg
  • Münzlay
  • Nacktarsch
  • Probstberg
  • Römerlay
  • Rosenhang
  • Scharzberg
  • Schloß Bübingen
  • Schwarze Katz
  • Schwarzlay
  • St. Michael
  • Vom Heißen Stein
  • Weinhex

Nahe: 7 Großlagen

  • Burgweg
  • Kronenberg
  • Paradiesgarten
  • Pfarrgarten
  • Rosengarten
  • Schloßkapelle
  • Sonnenborn

Pfalz: 25 Großlagen

  • Bischofskreuz
  • Guttenberg
  • Kloster Liebfrauenberg
  • Königsgarten
  • Mandelhöhe
  • Ordensgut
  • Herrlich
  • Schloß Ludwigshöhe
  • Trappenberg
  • Feuerberg
  • Grafenstück
  • Hochmess
  • Höllenpfad
  • Hofstück
  • Honigsäckel
  • Kobnert
  • Mariengarten
  • Meerspinne
  • Pfaffengrund
  • Rebstöckl
  • Rosenbühl
  • Schenkenböhl
  • Schnepfenflug an der Weinstraße
  • Schnepfenflug vom Zellertal
  • Schwarzerde

Rheingau: 10 Großlagen

  • Burgweg
  • Daubhaus
  • Deutelsberg
  • Erntebringer
  • Gottesthal
  • Heiligenstock
  • Honigberg
  • Mehrhölzchen
  • Steil
  • Steinmächer

Rheinhessen: 24 Großlagen

  • Abtey
  • Adelberg
  • Auflangen
  • Bergkloster
  • Burg Rodenstein
  • Domblick
  • Domherr
  • Gotteshilfe
  • Güldenmorgen
  • Gutes Domtal
  • Kaiserpfalz
  • Krötenbrunnen
  • Kurfürstenstück
  • Liebfrauenmorgen
  • Petersberg
  • Pilgerpfad
  • Rehbach
  • Rheinblick
  • Rheingrafenstein
  • Sankt Alban
  • Sankt Rochuskapelle
  • Spiegelberg
  • Sybillenstein
  • Vogelsgärten

Saale-Unstrut: 4 Großlagen

  • Schweigenberg
  • Göttersitz
  • Blütengrund
  • Kelterberg

Sachsen: 4 Großlagen

  • Elbhänge
  • Lössnitz
  • Schlossweinberg
  • Spaargebirge

Württemberg: 17 Großlagen

  • Heuchelberg
  • Hohenneuffen
  • Kirchenweinberg
  • Kocherberg
  • Kopf
  • Lindauer Seegarten
  • Lindelberg
  • Salzberg
  • Schalkstein
  • Schozachtal
  • Sonnenbühl
  • Stauffenberg
  • Stromberg
  • Tauberberg
  • Wartbühl
  • Weinsteige
  • Wunnenstein

Bildnachweis: paerb / stock.adobe.com

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