Johanniskraut – eine echte Alternative zu synthetischen Pillen

Stimmungstief im Winter – nehmen Sie Johanniskraut! In Apotheken, Supermärkten und Zeitschriften wird Johanniskraut als der „Seelentröster der Natur“ kräftig umworben. Rund 600 verschiedene Johanniskraut-Präparate sind derzeit auf dem Markt. Wir sagen Ihnen, welche Johanniskraut-Mittel wirklich helfen können und was Sie bei der Einnahme beachten müssen.

Johanniskraut kann, wie neueste Forschungen belegen, tatsächlich die Wirkung bestimmter Medikamente, z.B. von Gerinnungshemmern, Asthma- und Herzmitteln, beeinträchtigen.

Die antidepressive Wirkung von Johanniskraut ist wissenschaftlich belegt
Das hoch dosierte Extrakte aus Johanniskraut (Hypericum perforatum) bei leichten bis schweren Depressionen den synthetischen Antidepressiva in der Wirkung ebenbürtig ist, ist durch zahlreiche Studien aus den 90er Jahren an mehreren tausend Probanden eindeutig bewiesen.

Aber nicht nur das: Johanniskraut ist auch wesentlich verträglicher. So beeinträchtigt es im Gegensatz zu synthetischen Antidepressiva nicht Ihr Reaktionsvermögen und Ihre Fähigkeit, am Straßenverkehr teilzunehmen. Auch Störungen des Herzrhythmus treten nicht auf. Aus diesem Grund empfiehlt die Amerikanische Gesellschaft für innere Medizin seit Juni 2000 hoch dosiertes Johanniskraut zur Behandlung von Depressionen.

Bei diesen seelischen Beschwerden kann Johanniskraut helfen:

  • Schlafstörungen, besonders mit frühmorgendlichem Erwachen
  • nervöse Angst-, Erregungs- und Spannungszustände
  • nervöse Erschöpfung, z.B. durch Überarbeitung

Die Volksmedizin verwendet das Öl aus Johanniskraut auch gegen Hautbeschwerden und Entzündungen der Magenschleimhaut.

Nur der Gesamtextrakt aus dem Johanniskraut ist wirksam
Zwar ist das genaue Grundprinzip von Johanniskraut noch nicht entschlüsselt. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass nur der Extrakt aus der gesamten Pflanze antidepressiv wirkt. Wie die Ärztezeitung im Herbst 2001 berichtete, spielt dabei der sekundäre Pflanzenstoff Rutin eine zentrale Rolle, der offenbar den Hauptwirkstoff Hyperforin erst aktiviert. Johanniskraut-Zubereitungen ohne Rutin seien wirkungslos. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, müsse der Rutingehalt bei 2 % pro Tablette liegen.

Das sind die Wirkungen von Johanniskraut auf die Seele:Aufhellung der Stimmung

  • Aktivierung des inneren Antriebs
  • Abbau von inneren Spannungen und Ängsten
  • Stärkung der seelischen "Widerstandsfähigkeit"

Genauso wie bei synthetischen Antidepressiva wird die Wirkung von Johanniskraut erst nach 2 bis 4 Wochen erreicht. Bei jährlich wiederkehrenden Winterdepressionen sollten Sie daher rechtzeitig im Spätsommer mit der Einnahme von Johanniskraut beginnen.

Viele Präparate aus der Drogerie sind zu gering dosiert
Die Tagesdosis bei leichten bis schweren Depressionen liegt zwischen 900 und 1.300 mg Hyperforin mit 2 % Rutingehalt. Das entspricht 3 bis 4 Tabletten à 300 mg Hyperforin (z.B. Neuroplant 300, Jarsin 300, Kira 300 mg oder Sedovegan 300 aus der Apotheke).

Zahlreiche Hersteller bieten auch die Tagesdosis in 1 bzw. 2 Tabletten an (z.B. Neuroplant 1×1, Laif 900, Jarsin 450 bzw. 750, Hewepsychon 425, Felis 425 bzw. 650). Alle diese hoch dosierten Johanniskraut-Mittel können bei manifestierten Depressionen nach wie vor auf Kassenrezept verordnet werden. Johanniskraut-Präparate aus dem Supermarkt oder der Drogerie sind dagegen meist zu gering dosiert bzw. enthalten zu wenig Rutin.

Johanniskrautextrakte gelten als gut verträglich. Sie können jedoch die Wirkung einiger unter Umständen lebenswichtigen Medikamente stark abschwächen. Außerdem führen hohe Dosen zu einer erhöhten UV-Lichtempfindlichkeit der Haut, so dass Sie sich sorgfältig vor der Sonne schützen und auf Solariumsbesuche verzichten sollten.

Zwar können Sie Johanniskraut grundsätzlich unbeschränkt einnehmen. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie jedoch nach 6 bis 8 Wochen Ihre Leberwerte vom Arzt kontrollieren lassen.

Diese Medikamente vertragen sich nicht mit Johanniskraut:
Johanniskraut kann die Wirkung der folgenden Medikamente abschwächen und dadurch unter Umständen zu schweren Komplikationen führen.

  • Immunsuppressiva: Ciclosporin
  • Virustatika gegen HIV: Indinavir und andere Proteaseinhibitoren
  • Gerinnungshemmer: Phenprocoumon und Warfarin
  • Herzmittel: Digoxin
  • Antidepressiva: Amitriptylin und Nortriptylin
  • Asthmamittel: Theophyllin
  • Hormonpräparate: niedrig dosierte Anti-Baby-Pille

Falls Sie eines dieser Mittel einnehmen, dürfen Sie Johanniskraut nur unter ärztlicher Kontrolle anwenden.

leichte bis schwere Depressionen, auch Winterdepressionen

Veröffentlicht am 13. Juli 2008