Android

Radioaktive Strahlung mit Android Geigerzähler-App messen

Die Bedrohung durch gefährliche radioaktive Strahlung hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Doch trotz Tschernobyl und Fukushima müssen sich Privatleute bei der Beurteilung der radioaktiven Belastung bislang auf die Messungen der offiziellen Stellen verlassen. Wer ein Android-Smartphone einsetzt, kann zur Sicherheit für wenige Euro seine eigenen Radioaktivitäts-Messungen durchführen.

Android-App "Radioactivity Counter" macht Ihr Smartphone zum Geigerzähler

Radioaktivität ist eine unsichtbare, tödliche Bedrohung. Zum Messen von Radioaktivität werden Geigerzähler eingesetzt. Ein Geigerzähler zählt nicht die beruflichen Konkurrenten von Stargeiger David Garret, sondern bezeichnet fachsprachlich ein Geiger-Müller-Zählrohr, einen Strahlungs- und Teilchendetektor. Umgangssprachlich ist mit Geigerzähler jedoch meist ein komplettes Strahlungsmessgerät gemeint.

Geigerzähler sind im Alltagsleben eher wenig bekannte Messgeräte, doch wenn Reaktorunglücke wie 1986 in Tschernobyl oder 2011 in Fukushima auftreten, werden Geigerzähler trotz der hohen Preise ganz schnell zur Mangelware. Der Preis der einfachsten derzeit angebotenen Geräte liegt bei unter 200 Euro, Geigerzähler mit Digitalanzeige beginnen bei rund 400 Euro, hochwertige liegen weit darüber.

Doch für die Anwender eines Android-Smartphones ist es gar nicht nötig, so viel Geld für eine Radioaktivitätsmessung auszugeben und dazu auch noch ein lästiges Messgerät mit sich herumzutragen. Kein Witz: Mit etwas schwarzem Klebeband und der richtigen App lässt sich jedes mit Kamera ausgerüstete Android-Smartphone in einen Geigerzähler umfunktionieren.

Möglich macht dies die App "Radioactivity Counter" (Radioaktivitäts-Zähler). Entwickelt wurde die App, die im Vergleich zu anderen Lösungen völlig ohne zusätzliche Hardware auskommt, von Rolf-Dieter Klein gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum München.

Android-App misst über Kamerasensor den Energiegehalt der Gammastrahlung

Zur Funktion der Android-App erklärt der Entwickler: "Jeder Kamerasensor reagiert auf Strahlung. Normales Licht sind Photonen, Gammastrahlen sind Photonen mit erhöhtem Energiegehalt. Klebt man nun die Linse der Handykamera ab, so werden diese trotzdem registriert, da sie die Abdeckung durchschlagen."

Die größten technischen Hürden, mit der die Entwickler zu kämpfen haben, sind das Grundrauschen der Chips und integrierte Bildverbesserungsmechanismen. Radioactivity Counter muss je nach Gerät und Kameramodell individuell konfiguriert werden, dann ist sogar eine Messgenauigkeit mit nur geringen Abweichungen im einstelligen Prozentbereich zur tatsächlichen Strahlung möglich.

Unkonfiguriert liegt die Differenz bei 20 bis 40 Prozent. Der Unterschied zu einem herkömmlichen Geigerzähler ist die geringere Fläche der Kameraoptik von circa 2×2 Millimeter. Das Messrohr üblicher Instrumente erreicht meist eine Länge von rund zehn Zentimetern. Diese sind dafür wartungsintensiver und erreichen schneller das Limit ihres Messbereichs.

Die App "Radioactivity Counter" kann auf breiter Basis beim Aufspüren "schmutziger Bomben" eingesetzt werden. Ob Interkontinentalflüge in großer Höhe, medizinische Geräte, alte Radium-Wecker, Uranglas-Vasen oder alte Kameras mit Thorium-Linsen, die Anwendung sensibilisiert auch an Orten für Strahlenbelastungen, wo niemand mit ihnen rechnet. Das beweist dieses Video, das verstrahlte Pilze im bayerischen Wald detektiert.

Die Radioactivity Counter-App ist in einer Liteversion (1,29 Euro) und einer Vollversion (3,49 Euro) im Android-Market verfügbar, spart also gegenüber den bisherigen Messgeräten gleich mehrere Hundert Euro ein. Als Alternative bietet sich für Android-Smartphones die kostenlose App „Nuclear Radiation Dosim“. Die Radioactivity Counter-App soll auch in einer Version für das Apple iPhone folgen, sobald die Freigabe von Apple vorliegt.

Tipp: In diesem experto-Artikel erfahren Sie zusätzlich, wie Sie Ihr Android-Smartphone per Tethering als WLAN-Hotspot einsetzen.

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

Bitte teilen Sie uns mit, wie Ihnen unser Beitrag gefällt. Klicken Sie hierzu auf die unten abgebildeten Sternchen (5 Sternchen = sehr gut):

Dieser Artikel wurde noch nicht bewertet!
Please wait...

Über Ihren Experten

Rudolf Ring

Rudolf Ring

Rudolf Ring gehört zu den frühen Einsteigern in die Informationstechnologie in Deutschland und hat ab den 80er Jahren die Vorzüge so ziemlich jeden Computertyps irgendwann persönlich in Erfahrung gebracht. Nach Bundeswehr, Studium und freien Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung leitete der Computer-Experte die PC-Werkstatt eines mittelständischen IT-Unternehmens.

Als selbstständiger Journalist und Autor verfasste er seit Anfang der neunziger Jahre bis heute unter anderem für PC-Anwender-Handbuch, PC-Hardware-Profi und PC-Pannenhelfer mehrere hundert Beiträge, hinzu kommen Bücher und Studien. Vom ersten IBM-PC 1981 bis zu den neuesten Mobilgeräten reicht sein Interessengebiet.

Schwerpunkt seiner aktuellen Beiträge sind die klassischen Themen PC-Hardware und -Pannenhilfe, hinzu kommen Home-Entertainment und Mobile Computing. Dem Informationsdienst „Einfach Android“ steht Rudolf Ring als Chefredakteur vor.