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Vollkostenrechnung: Anwendung und Probleme

Lesezeit: 3 Minuten Die Vollkostenrechnung ist das älteste Kostenrechnungssystem, welches speziell für die Preiskalkulation entwickelt wurde. Bedingt durch einige Mängel ist das Rechnen mit Vollkosten heute eher von untergeordneter Bedeutung.

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Vollkostenrechnung: Anwendung und Probleme

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Die Vollkostenrechnung war vor allem während des 2. Weltkrieges von großer Bedeutung, da der Staat damals zwingende Vorschriften für das Kalkulieren von Selbstkostenpreisen auf Vollkostenbasis festgelegt hatte. Heute wird die Vollkostenrechnung als alleiniges Kostenrechnungssystem nur noch selten angewendet – wohl aber zu Kontrollzwecken.

Im Rahmen der Vollkostenrechnung unterscheidet man traditionell zwischen Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung.

 

Die Kostenartenrechnung im System der Vollkostenrechnung

Am Anfang der Vollkostenrechnung steht die Kostenartenrechnung. In diesem ersten Bereich der Vollkostenrechnung werden alle in einer Abrechnungsperiode angefallenen Kosten erfasst und nach zweckmäßigen Gesichtspunkten gegliedert. Dabei unterscheidet man schon bei der Erfassung zwischen den verschiedenen Kosten- und Aufwandsarten.

In welcher Form die Kostenarten erfasst und gegliedert werden ist abhängig von der Branche, der Unternehmensgröße, unternehmensspezifischen Besonderheiten und den konkreten Anforderungen, die im jeweiligen Einzelfall an die Kosten- und Leistungsrechnung gestellt werden.

Die Kostenartenrechnung ist im System der Vollkostenrechnung ferner Ausgangsbasis für die Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung.

Die Kostenstellenrechnung im System der Vollkostenrechnung

Im System der Vollkostenrechnung ist die Kostenstellenrechnung der zweite Baustein. Anders als die Einzelkosten, die unmittelbar auf die betrieblichen Leistungseinheiten verrechnet werden, gehen alle anderen Kosten in die Kostenstellenrechnung ein. Gegenstand der Kostenstellenrechnung sind somit alle Gemeinkosten, also Kosten, die den Kostenträgern nicht unmittelbar zugerechnet werden können.

Die Kostenstellenrechnung steht im Rahmen der Vollkostenrechnung somit zwischen Kostenarten- und Kostenträgerrechnung und hat vor allem die folgenden Aufgaben zu erfüllen:

  • Zunächst übernimmt die Kostenstellenrechnung von der Kostenartenrechnung die dort erfassten Kosten und ordnet sie dem Verursachungsprinzip entsprechend den einzelnen Kostenstellen zu.
  • Im nächsten Schritt werden im Rahmen der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung die für den eigenen Bedarf erbrachten Leistungen erfasst und auf die empfangenden Kostenstellen verrechnet.
  • Schließlich werden Zuschlagssätze berechnet, damit die Kostenstellenkosten auf die Kostenträger verrechnet werden können.

Die Kostenträgerrechnung im System der Vollkostenrechnung

In der dritten und letzten Phase der Vollkostenrechnung geht es darum, die Kosten aus der Kostenstellenrechnung zu übernehmen und auf die verschiedenen Kostenträger des Unternehmens zu verrechnen.

Bei der Kostenträgerrechnung unterscheidet man weiter zwischen der stückbezogenen und der zeitbezogenen Rechnung. Die stückbezogene Kostenträgerrechnung ermittelt für alle erstellten Güter und Dienstleistungen die Stückkosten. Man bezeichnet diesen Teilbereich der Vollkostenrechnung häufig auch als Kalkulation oder Stückkostenrechnung. Demgegenüber soll durch die Kostenträgerzeitrechnung das Betriebsergebnis ermittelt werden.

Probleme der Vollkostenrechnung

Die Vollkostenrechnung hat gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen, denn die Kosten lassen sich in diesem Kostenrechnungssystem nicht korrekt abbilden.

Im Rahmen der Vollkostenrechnung werden die Kosten durch Schlüsselung umgelegt. Zunächst werden in der Kostenstellenrechnung die Gemeinkosten der allgemeinen Kostenstellen auf die Endkostenstellen verteilt. Dann werden noch einmal die Gemeinkosten dieser Endkostenstellen über Schlüsselgrößen auf Kostenträger verrechnet.

Diese in der Regel fehlerhafte Gemeinkostenschlüsselung beeinträchtigt nicht nur die Aussagekraft der Vollkostenrechnung über den Erfolg oder Misserfolg einzelner Kostenträger. Auch den Gewinn oder Verlust, den man etwa für Produktgruppen oder Sparten ermittelt, ist fast immer fehlerhaft.

Probleme durch die Anwendung der Vollkostenrechnung bestehen auch für die Produkt- und Programmplanung, wenn etwa Erzeugnisse mit negativem (Vollkosten-)Ergebnis aus dem Programm gestrichen werden. Solche Produkte können durchaus einen positiven Deckungsbeitrag haben und somit einen Teil der fixen Kosten decken. Eine Eliminierung von Produkten mit negativem Vollkostenergebnis aber positivem Deckungsbeitrag führt daher zu einer Verschlechterung des Unternehmensergebnisses.

Angebotskalkulation bei Vollkostenrechnung

Die Vollkostenrechnung kann auch keine Informationen über den optimalen Preis liefern, schon deshalb, weil sie ausschließlich Kosten betrachtet und die Marktseite nicht berücksichtigt.

Besonders problematisch ist eine Preiskalkulation auf Vollkostenrechnung, wenn die Unternehmensfixkosten auf der Basis der Istbeschäftigung verrechnet werden, da man bei geringer Beschäftigung hohe Preise am Markt realisieren müsste.

Ermittlung der kurzfristigen Preisuntergrenze bei Vollkostenrechnung

Die Vollkostenrechnung ist ferner nicht in der Lage, Aussagen über die kurzfristige Preisuntergrenze zu treffen.

So liegt die kurzfristige Preisuntergrenze in Abhängigkeit von der jeweiligen Beschäftigungslage und Unternehmenssituation zwischen den variablen Kosten und den Vollkosten eines Kostenträgers. Da die Vollkostenrechnung aber nicht zwischen variablen und fixen Kosten differenziert, lassen sich mit diesem Kostenrechnungssystem die variablen Kosten überhaupt nicht ermitteln.

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