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Einkaufskosten-Analyse mit der Vollkostenrechnung

Lesezeit: 3 Minuten Bei der Zuschlagskalkulation, dem klassischen Verfahren der Vollkostenrechnung, werden alle Kosten eines Unternehmens auf die verkaufsfertigen Produkte (Kostenträger) verteilt. Die Einzelkosten werden verursachungsgerecht den jeweiligen Kostenträgern zugeordnet. Der Nachteil der Vollkostenrechnung ist allerdings, dass bei erheblichen Mengenänderungen immer wieder die Gemeinkostenzuschläge angepasst werden müss(t)en. Das interessiert die meisten Unternehmen allerdings nicht: Dieses „Risiko“ bei der Vollkostenrechnung bezahlen fast immer die Kunden – wenn sie sich nicht auskennen.

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Einkaufskosten-Analyse mit der Vollkostenrechnung

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Einkaufskosten-Analyse „Teilkostenrechnung“
In der Deckungsbeitragsrechnung, wie die Teilkostenrechnung auch genannt wird, werden den Endprodukten nur die Einzelkosten zugeordnet. Die Gemeinkosten werden erst später in der Erfolgsrechnung berücksichtigt. Die Differenz zwischen dem Verkaufspreis (Umsatzerlös) und den variablen Kosten (den Einzelkosten, hier: ohne Sondereinzelkosten) ist dann der Deckungsbetrag. Das Unternehmen muss also über die Menge aller verkauften Produkte (Quartal oder Jahr) so viele Deckungsbeiträge erwirtschaften, dass alle Gemeinkosten gedeckt sind und auch noch ein Gewinn übrig bleibt: Variable Kosten sind Einzelkosten und Fixkosten sind Gemeinkosten!

Lieferanten-Kalkulation mit der Teil- oder der Vollkostenrechnung?
Die Teilkostenrechnung bietet Ihren Lieferanten einige interessante Möglichkeiten, die bei der Vollkostenrechnung nicht zur Verfügung stehen:

Beispiel 1: Ein Lieferant hat ein Luxusproblem – bei sehr hoher Auslastung kann er nur noch einen weiteren Fertigungsauftrag annehmen, aber drei Kunden „drohen" mit Bestellungen. Welches Produkt soll er aus wirtschaftlicher Sicht nun fertigen? Natürlich das Produkt, das mit der verbleibenden Fertigungskapazität den höchsten Deckungsbeitrag erzielt! Nebenbei sei erwähnt, dass in diesem Fall der Deckungsbeitrag praktisch ausschließlich Gewinn ist, da i. d. R. bereits bei planmäßiger Auslastung von 74-85 % die Fixkosten gedeckt sind und der geplante Unternehmensgewinn erzielt wird.

Beachten Sie: Fatal wäre es, einfach den Kundenauftrag mit dem höchsten Umsatz zu nehmen. Denn ob oder wie viel Deckungsbeitrag damit erwirtschaftet wird, hängt davon ab, wie hoch die variablen Kosten sind, die zur Abarbeitung dieses Auftrags benötigt werden.

Beispiel 2: Ein Lieferant möchte sein Sortiment reduzieren. Welche Produkte kommen dafür – aus ökonomischer Sicht betrachtet – infrage? Die Produkte mit den geringsten oder ohne Deckungsbeiträge.

Beachten Sie: Produkt A mit einem bemerkenswert hohen Deckungsbeitrag (DB) von 850 € pro Stück ist nur bei oberflächlicher Sicht attraktiver als Produkt B mit einem DB von 0,60 €/Stück. Wenn von Produkt A nur 5 Stück pro Jahr verkauft werden, ist der Gesamt-DB: 5 x 850 € = 4.250 €. Wenn von Produkt B aber 60.000 Stück p. a. verkauft werden, ist der Gesamt-DB: 60.000 x 0,60 € = 36.000 €.

Beispiel 3: Welche Produkte sollen (kosten-)intensiv beworben werden? Produkte mit hohem DB sollten beworben werden, wenn man sich dadurch eine Erhöhung der Verkaufsmengen verspricht. Dagegen würde eine Erhöhung der Verkaufszahlen bei einem Produkt ohne Deckungsbeitrag nur den Umsatz erhöhen, aber nicht den Gewinn.

Die Nummer 1 bei Lieferanten: die Vollkostenrechnung
In der Praxis dominiert die Vollkostenrechnung. Das schließt aber die Nutzung der Vorteile der Teilkostenrechnung keineswegs aus. Denn aus der Vollkostenrechnung können Sie ohne Aufwand eine Deckungsbeitragsrechnung ableiten. Sie nutzen einfach die Tatsache, dass in der Zuschlagskalkulation die variablen Kosten separat ausgewiesen sind, auch wenn sie dort nicht ausdrücklich als variabel gekennzeichnet sind.

Wie oben bereits ausgeführt, sind Einzelkosten in aller Regel variable Kosten. Eine Ausnahme bilden Sondereinzelkosten, die zwar einem Kostenträger direkt, weil verursachungsgerecht, zugeordnet werden können, aber weitestgehend fix sind. Beispiele sind Aufspannvorrichtungen, Programmierkosten, Werkzeuge etc. Praxis-Tipp
Nehmen Sie aus der Vollkostenrechnung die Materialeinzelkosten und die Produktionseinzelkosten heraus, dann verfügen Sie über die variablen Kosten des Produkts. So einfach das klingt, so simpel ist es auch. Erfreulicherweise ist die Genauigkeit mehr als ausreichend, um ein sehr schlagkräftiges Instrument zum Prüfen und Abwehren von Preiserhöhungsforderungen zu besitzen.

Beachten Sie: Die variablen Kosten liegen bei einem Serienfertiger in aller Regel zwischen 65-85 % der Gesamtkosten. Bei vielen Produkten können Sie diese ziemlich gut berechnen.

Beispiel: Bei Stanz-/Umformteilen und Kunststoffspritzgussprodukten bis hin zu bestückten Leiterplatten ist der Materialeinsatz mit etwas einkäuferischer Akribie gut abschätzbar – und mit den richtigen Fragen hilft auch der Lieferant mit! So lässt sich das Gewicht eines fertigen Metallteils einfach durch Wiegen feststellen. Dazu addieren Sie noch den Verschnitt (alternativ bei zerspanend gefertigten Teilen den Zerspanungsanteil, der sich bei fachkundigem Studium bereits aus der Zeichnung ergibt) und bewerten dieses eingesetzte Material (das Materialeinsatzgewicht) mit dem aktuellen Materialpreis.

Den Materialpreis müssen Sie zumindest kennen.
Jetzt haben Sie die Materialeinzelkosten des von Ihnen betrachteten Produkts errechnet – oft mit erstaunlich hoher Genauigkeit. Sagen wir, Sie kommen bei einem Fertigprodukt mit einem Gewicht von 67 Gramm und einem Verkaufspreis von derzeit 0,38 €/Stück auf einen Materialpreis von 10 Cent. Nur auf diese 10 Cent Materialpreis können Materialpreiserhöhungen wirksam werden. Erhöht sich also – und nicht nur weil der Lieferant dies behauptet – der Materialpreis tatsächlich um 10%,  kann sich der gesamte Einkaufspreis dieses Metallstücks nur um 10 Cent x 0,1 = 1 Cent erhöhen, also auf 0,39 €/Stück.

Die Vollkostenrechnung des Lieferanten macht aus diesem einen Cent Materialteuerung allerdings durch die Gemeinkostenzuschläge für Material, Produktion, Vertrieb und Verwaltung zusammen mit einem großzügigen Aufrunden gerne 2-4 Cent – und das völlig ungerechtfertigt!

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

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