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Rechnungslegung im Mittelstand aus Bankensicht

Die Rechnungslegung im Mittelstand gehört seit Jahren zu den durchaus kontrovers diskutierten Themen.

Rechnungslegung im Mittelstand aus Bankensicht

Neben dem Entwurf eines International Financial Reporting Standards für nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen (IFRS for Private Entities, IFRS for PEs) ist im Jahr 2007 auch der Referentenentwurf des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) vorgelegt worden. Das BilMoG soll nach Auffassung des Bundesministeriums der Justiz eine gleichwertige, aber kostengünstigere Alternative zur internationalen Rechnungslegung, insbesondere zum IFRS for PEs, darstellen.

Adressaten der Rechnungslegung im Mittelstand
In Deutschland konnte keines der beiden Regelwerke zur Rechnungslegung uneingeschränkte Zustimmung erzielen. Im Zentrum der Diskussion steht hier insbesondere die Frage, welchen Zweck die Rechnungslegung bzw. ein Jahresabschluss von nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen haben soll. Ein Teilaspekt ist dabei, welche Informationen von den Nutzern dieser Jahresabschlüsse für ihre Entscheidungen verwertet werden.

Bei nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen gehören insbesondere die kreditgebenden Banken zu den wichtigsten Adressaten. Daher hat sich das Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) entschlossen, zu diesem Thema in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Financial Accounting and Auditing der Universität Regensburg (Prof. Dr. Axel Haller) eine Befragung von 32 Kreditinstituten bezüglich ihrer Anforderungen an den Inhalt von Jahresabschlüssen für Zwecke der Kreditwürdigkeitsanalyse durchzuführen.

DRSC-Studien zum Thema Rechnungslegung
Dies ist bereits die dritte Studie, die das DRSC zum Thema Rechnungslegung mittelständischer Unternehmen veröffentlicht. Bereits im Dezember 2007 hat das DRSC die Ergebnisse einer Befragung von mittelständischen Unternehmen zur Anwendung des Entwurfs eines IFRS for SMEs veröffentlicht und im April 2008 die Ergebnisse der Erstellung von Probeabschlüssen auf der Basis des genannten Entwurfs.

Beide Projekte zum Thema Rechnungslegung trugen dazu bei, dass die Sichtweise nicht kapitalmarktorientierter deutscher Unternehmen, in Bezug auf die spezifischen Rechnungslegungsbedürfnisse und die Anwendung eines solchen Standards, nationales und internationales Gehör bekam.

Neuregelungen bei den Rechnungslegungsnormen
Die aktuelle Studie wurde vor dem Hintergrund der für mittelständische Unternehmen anstehenden Neuerungen bei den Rechnungslegungsnormen durchgeführt. Auf nationaler Ebene wird mit dem BilMoG die umfangreichste Modernisierung der deutschen Vorschriften zur Rechnungslegung seit mehr als 20 Jahren erwartet. Auf internationaler Ebene beabsichtigt der International Accounting Standards Board (IASB) im Frühjahr 2009 den IFRS for Private Entities (IFRS for PEs) zu verabschieden.

Zielsetzung der Studie zur Rechnungslegung ist es zum einen, die grundsätzliche Bedeutung von Jahres- und Konzernabschlüssen für die von Kreditinstituten durchgeführte Bonitätsanalyse mittelständischer Unternehmen zu untersuchen. Zum anderen wollte man analysieren, wie Kreditinstitute als wesentliche Adressaten der Rechnungslegung im BilMoG und im Entwurf des IFRS for PEs (ED-IFRS for SMEs) enthaltene neue Rechnungslegungsregeln im Hinblick auf deren Informationsnutzen beurteilen.

Ein weiterer Aspekt der Studie ist, die Einstellung von Kreditinstituten gegenüber der internationalen Harmonisierung und Standardisierung von Rechnungslegungsnormen zu eruieren.

Bedeutung der Rechnungslegung für die Bonitätsanalyse
Die im Rahmen der Studie zur Rechnungslegung durchgeführten Interviews machten deutlich, dass die Rechnungslegung der mittelständischen Unternehmen für die Bonitätsanalyse der Banken eine hohe Bedeutung haben. Dabei wird für Konzernunternehmen dem Konzernabschluss ein höheres Gewicht gegeben als dem Einzelabschluss.

Rechnungslegungsänderungen durch das BilMoG
Bedingt durch diese hohe Bedeutung der Rechnungslegung für die Bonitätsanalyse beurteilten die befragten Vertreter der Kreditinstitute die im BilMoG vorgeschlagene Befreiung kleiner Einzelkaufleute von der Buchführungs- und Bilanzierungspflicht äußerst kritisch.

Einer anderen geplanten grundsätzlichen Änderung durch das BilMoG, der Abschaffung des umgekehrten Maßgeblichkeitsprinzips, standen die Interviewteilnehmer relativ ambivalent gegenüber.

Bedarf an international vergleichbaren Abschlüssen
Kreditinstitute schätzen den Bedarf ihrer Kunden, international vergleichbare Abschlüsse aufzustellen, in Abhängigkeit von der Größe und Herkunft ihrer Kunden ein. Mit zunehmendem Anteil von großen oder ausländischen Kunden nimmt auch der durch Kreditinstitute erwartete Bedarf zu.

Der Rechnungslegung nach HGB wird von den Banken im Allgemeinen ein besseres Kosten/Nutzen-Verhältnis beigemessen, als den Abschlüssen nach internationaler Rechnungslegung. Dies kann allerdings auch mit dem deutlich höheren Erfahrungsschatz der Befragten mit der Rechnungslegung nach HGB zusammenhängen. Gleichwohl wird der Rechnungslegung nach IFRS ein insgesamt höherer Informationsnutzen beigemessen. Deutlich wurde auch, dass Kreditinstitute von ihren Kunden keine Rechnungslegung nach IFRS fordern.

GuV-Gliederung
Mit Blick auf eine mögliche Rechnungslegung gem. ED-IFRS for SMEs wurden von den Kreditinstituten zum einen die fehlende Detaillierung und Standardisierung der Gliederung von Bilanz und GuV sowie zum anderen das Verbot des Ausweises von außerordentlichen Ergebniskomponenten in der GuV negativ beurteilt.

Hinsichtlich der deutschen Vorschriften zur Rechnungslegung nach HGB sprachen sich viele Kreditinstitute für eine stärkere Differenzierung der GuV-Posten "sonstige betriebliche Erträge" und "sonstige betriebliche Aufwendungen" aus. Für die Struktur der Gewinn- und Verlustrechnung wurde dem Gesamtkostenverfahren eindeutig ein größerer Informationsnutzen für die Zwecke der Bonitätsanalyse zuerkannt als dem Umsatzkostenverfahren.

Die vollständige Studie Rechnungslegung aus Sicht von Kreditinstituten als Rechnungslegungsadressaten wird vom DRSC zum Download angeboten.

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