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Wieso Cannabis als Medizin öfter verordnet werden sollte

Lesezeit: 3 Minuten Den meisten Menschen ist Cannabis nur als Droge bekannt, die zu Suchtverhalten führt. Dass es viele Patienten von qualvollen Beschwerden befreien kann, ist bis heute weder gesellschaftlich noch von allen Ärzten akzeptiert. Zugelassene Medikamente dagegen werden ohne Bedenken eingesetzt, auch wenn sie heftige Nebenwirkungen hervorrufen. Warum sträubt sich unser Gesundheitswesen gegen Cannabis als Medizin?

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Wieso Cannabis als Medizin öfter verordnet werden sollte

Wieso Cannabis als Medizin öfter verordnet werden sollte

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Viele schwerkranke Menschen suchen verzweifelt nach einem Mittel, das die unerträglichen Beschwerden ihrer chronischen Krankheit lindern kann. Ob starke Schmerzen bei Weichteilrheumatismus oder Übelkeit durch Chemotherapie bei Krebspatienten, Ängste oder Krämpfe bei Multipler Sklerose, Zucken bei Parkinson und Restless-Legs: Wenn die üblichen Medikamente nicht mehr wirken oder zu große Nebenwirkungen haben, sind die Symptome oft nicht mehr auszuhalten und reduzieren die Lebensqualität praktisch auf Null.

Cannabis als Medizin wird nur selten verordnet

Cannabis ist eine Pflanze, die viele dieser Symptome erfolgreich bekämpfen kann. Dennoch ist es bis heute extrem schwer, für den Extrakt oder die Blüten des Medizinalhanfs ein Rezept zu bekommen. Stattdessen verordnet der Arzt nacheinander sämtliche Medikamente, die für die jeweilige Erkrankung zugelassen sind. Dass der Patient währenddessen durch eine Odyssee qualvoller Beschwerden gehen muss, wird in unserem Gesundheitssystem größtenteils ignoriert.

So manchem Betroffenen bleibt nur noch der Versuch mit Cannabis. Dennoch wird der Pflanzenextrakt nicht gern verordnet, da er von etlichen Menschen als Suchtdroge missbraucht wird. Außerdem sorgt sich möglicherweise so mancher Arzt, dass sich Bekannte des Patienten von dem verschriebenen Heilmittel bedienen könnten.

Suchtgefahr ist kein Argument

Auch der Erkrankte selbst könnte durch die Anwendung von Cannabis süchtig werden. Diese Gefahr besteht jedoch auch bei anderen Medikamenten, die zum Beispiel stark schmerzstillend sind. Daher müssen diese Arzneimittel ohnehin immer unter ärztlicher Betreuung in vorgeschriebenen Dosierungen genommen werden, um einen Missbrauch zu verhindern. Das Risiko einer unkontrollierten Anwendung wäre viel größer, wenn sich der Patient das Cannabis aus Verzweiflung auf illegalem Weg besorgen müsste und keine Angaben zur Dosierung hätte. Zudem würde er sich strafbar machen.

Cannabis als Medizin ist zu teuer

Eine weitere Hürde stellt der Preis für Cannabis dar. Jeder Arzt darf es zwar inzwischen verordnen, die Kosten muss jedoch der Patient selbst übernehmen. Da der Pflanzenextrakt sehr teuer ist, kann es sich nicht jeder leisten, der es krankheitsbedingt nötig hätte. Inzwischen ist es erlaubt, auf Antrag Cannabis für medizinische Zwecke an einem geeigneten Ort anzubauen, aber bis Anfang Mai 2016 wurde dies bisher nur einem schwerkranken Patienten erlaubt.

Anbau für medizinische Zwecke bleibt die Ausnahme

Nach Ansicht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte wird der Selbstanbau von Medizinalhanf eine Ausnahme bleiben, da man auf diese Weise nicht alle Patienten versorgen könne. Die Begründung: Die Qualität des selbst hergestellten Arzneimittels sei nicht gesichert und auch der Wirkstoffgehalt ließe sich nicht genau einstellen. Um die korrekte Dosis für einen Patienten zu errechnen und Schädigungen zu vermeiden, müsste jedoch ein Cannabis-Präparat gewählt werden, das eine verlässliche Qualität besitzt.

Selbst über die fertig eingestellten Cannabis-Produkte diskutieren die Schmerzmediziner weiterhin. Sie bemängeln, dass im Gegensatz zu den üblichen Medikamenten Cannabisblüten oder der Extrakt weder strenge Studien durchlaufen noch kritische Zulassungsregelungen erfüllen müssen.

Positive Wirkungen von Cannabis

Immerhin weiß man, dass die Hauptwirkstoffe von Cannabis Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) verbunden mit einer komplexen Substanzmischung der Blüten starke Schmerzen, unerträgliche Krämpfe, Übelkeit und Brechreiz lindern kann.

Außerdem verbessert Cannabis den Appetit und die Stimmung, was bei vielen Erkrankungen, z. B. bei Krebs und Schmerzerkrankungen, sehr hilfreich ist. Weiterhin kann Cannabis Spastiken bei Multipler Sklerose und Tics beim Tourette-Syndrom reduzieren sowie beim Glaukom den Augeninnendruck senken. Auch das nächtliche Zucken der Beine bei Parkinsonpatienten, das ihnen schlaflose Nächte bereitet, lässt sich damit behandeln.

Erfahrungen contra Studien

Sind diese Erfahrungen nicht ebenso hilfreich wie vergleichsweise kurzfristige Studien, in denen ohnehin nicht alles überprüft werden kann? Langzeitwirkungen sind bei neu zugelassenen Medikamenten ebenfalls nicht getestet. Oft stellt sich erst nach vielen Jahren heraus, dass ein Medikament teilweise extrem schädigende Nebenwirkungen hat und muss dann vom Markt genommen werden.

Cannabis als letzter Strohhalm

Einige Patienten, die Cannabis als Medizin brauchen, weil ihnen kein anderes Medikament hilft oder zu große Nebenwirkungen bereitet, haben möglicherweise ohnehin nicht mehr lange zu leben, sodass eventuell unerwünschte Langzeitwirkungen oder Suchtprobleme für sie keine Rolle spielten.

Andere Erkrankte, die zum Beispiel unter starken Schmerzen leiden, wünschen sich verständlicherweise ein Mindestmaß an Lebensqualität, die sie mithilfe von klassischen Medikamenten jedoch nicht erreichen können. Warum wird es ihnen so schwer gemacht, Cannabis wenigstens zu testen?

Was denken Sie? Sollte Cannabis als Medizin öfter verordnet werden? Soll der Anbau von Cannabis erlaubt werden? Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Bildnachweis: yellowj / stock.adobe.com

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