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20 Jahre Viagra – 20 Tipps vom Urologen

Lesezeit: 4 Minuten Vor genau 20 Jahren revolutionierte die Einführung von Viagra die Behandlung von Männern mit Erektionsstörungen. Man erlebt es in der Medizin nicht oft, dass ein gesamter Teilbereich durch eine Produktneueinführung derart umgekrempelt wird. Die meisten Entwicklungen neuer Therapien erfolgen eher kontinuierlich und aufeinander aufbauend. Hatte man bis zu diesem Zeitpunkt nur relativ aufwendige Verfahren für einen kleinen Patientenkreis zur Verfügung, so konnte plötzlich eine große Anzahl an Männern mit geringem Aufwand und überschaubarem Risiko effektiv behandelt werden.

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20 Jahre Viagra – 20 Tipps vom Urologen

20 Jahre Viagra – 20 Tipps vom Urologen

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Zum 20-jährigen Jubiläum erfahren Sie hier 20 Tipps und Fakten rund um  Viagra:

1. Das ärztliche Aufklärungsgespräch

Seit Markteinführung gibt es eine Art Mythenbildung um dieses vermeintliche Wundermittel, oft verbunden mit großen Hoffnungen, zum Teil aber auch mit falschen Vorstellungen. Das reicht von überhöhten Erwartungen bis hin zu unbegründeten Ängsten. Daher war und ist das ärztliche Aufklärungsgespräch so enorm wichtig.

2. Die ärztliche Untersuchung

Neben einer ausführlichen Befragung über Ursachen der Erektionsstörung und Begleiterkrankungen ist eine fachärztliche Untersuchung des Genitalbereiches und der Ausschluß von Herz-Kreislaufbeschwerden und Stoffwechselerkrankungen zwingend notwendig.

3. Verordnung

Viagra muß ärztlich verordnet werden und ist rezeptpflichtig. Die Kosten werden von den Krankenkassen nicht erstattet.

4. Wirkungsweise

Der Wirkstoff Sildenafil ist ein gezielter Hemmer des Enzyms Phosphodieserase 5 (PDE-5). Durch diese PDE-5-Hemmung reichert sich bei sexueller Stimulation der Botenstoff cGMP vermehrt im Schwellkörper an. Dies führt zu einer Muskelentspannung in den Blutgefäßen und einem vermehrten Einströmen von Blut in den Schwellkörper.

5. Kaffee und Viagra sind Verwandte

Neben der Phosphodiesterase 5 gibt es noch zehn weitere ähnliche Enzyme, die in verschiedenen Geweben im Körper unterschiedlich verteilt sind. Viagra ist ein spezifischer Hemmer des Enzyms Nummer 5. Koffein beispielsweise ist auch ein PDE-Hemmer, jedoch ein unspezifischer, wirkt also hemmend auf mehrere Enzyme.

6. Wann Viagra gut wirkt

Sildenafil hilft immer dann gut, wenn der Erektionsstörung Durchblutungsstörungen oder psychologische Probleme zugrunde liegen. Hier beträgt die Ansprechrate etwa 70 Prozent. Liegen hingegen Nervenschädigungen oder ein Hormonmangel vor, wirkt es in der Regel nicht. Es gibt aber auch Krankheiten die ein Mosaik von Ursachen bedingen, wie zum Beispiel die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Hier kann sich ein Versuch lohnen, bei jedoch etwas geringerer Erfolgsrate.

7. Viagra ist kein Aphrodisiakum

Viagra kann seine Wirkung nur nach sexueller Stimulation entfalten, da das oben beschriebene Enzymsystem zuerst vom Gehirn aktiviert werden muss. Es entsteht also keine spontane Erektion. Auch auf den Hormonspiegel und das Lustempfinden (Libido) hat Viagra keinen direkten Einfluß.

8. Dosierung

Viele Patienten kommen mit einer Dosierung von 50 mg gut zurecht, einige benötigen sogar nur 25 mg. Die höchste Dosis pro Tablette ist 100 mg. Der Wirkstoff Sildenafil wurde zur Behandlung eines Bluthochdrucks der Lunge zwar in einer wesentlich höheren Dosierung von 3 x 80 mg täglich getestet, aber dann nur in einer Dosierung von 3 x 20 mg täglich zugelassen.

9. Einnahme

Die Einnahme erfolgt etwa 30 bis 60 Minuten vor dem geplanten Geschlechtsverkehr. Der Wirkeintritt kann von Mann zu Mann unterschiedlich sein. Die Tablette wird als Ganzes mit alkoholfreier Flüssigkeit eingenommen. Das Zeitfenster der Wirkung und somit für eine sexuelle Aktivität beträgt circa 4 Stunden.

10. Überdosierung

Die empfohlene maximale Einzeldosis von 100 mg pro Tag sollte keinesfalls überschritten werden. Es besteht ansonsten die Gefahr starker Kreislaufprobleme oder einer verlängerten Erektion. Auch sollte das Mittel nicht mehrfach täglich eingenommen werden. Da auch noch keine abschliessenden Daten zu Langzeitnebenwirkungen vorliegen, wird derzeit empfohlen, Viagra maximal dreimal pro Woche einzunehmen. Leider wird die blutdrucksenkende Wirkung durch bestimmte Partydrogen, die Nitrit enthalten (beispielsweise Poppers), massiv verstärkt. So können Nebenwirkungen schon bei niedrigen Dosierungen auftreten.

11. Wirkminderung

Durch fetthaltige Speisen wird die Aufnahme von Viagra durch den Körper deutlich verlangsamt und die Wirkung möglicherweise reduziert. Es wird empfohlen, Viagra zwei Stunden nach einer Mahlzeit einzunehmen. Auch Alkohol kann die Wirkung abmildern und Nebenwirkungen verstärken.

12. Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen mit jeweils etwa 10 Prozent sind Kopfschmerzen und eine Gesichtsrötung. Dies ist durch die Erweiterung der Blutgefäße bedingt. Einige Patienten klagen über Magenbeschwerden oder eine trockene Nase. Da Viagra auch das Enzym PDE-6 auf der Netzhaut des Auges hemmt, kann es selten zu einem Blauschleier beim Sehen kommen. In Amerika wurde über eine erhöhte Rate an Hörschädigungen berichtet. Außerdem könnte bestehender Hautkrebs (Malignes Melanom) schneller wachsen.

13. Gegenanzeigen

Viagra darf nicht genommen werden bei sehr niedrigem Blutdruck und gleichzeitiger Einnahme bestimmter Medikamente, die Nitrate enthalten. Im Zweifel sollte ein Herzspezialist (Kardiolge) vorher sein Okay geben.

14. Kosten

Seit 2013 ist das Patent von Viagra abgelaufen und der Wirkstoff Sildenafil ist auch als Nachahmerpräparat (Generikum) erhältlich. So kostet jetzt eine Tablette in der 100 mg-Dosierung je nach Packungsgröße zwischen 1,50 und 2 €. Da die Tabletten gut teilbar sind, kommen die Nutzer niedriger Dosierungen noch günstiger weg.

15. Viagra und das Herz

Die in dem Medien berichteten Fälle von Herzinfarkten ließen sich in der Regel auf Nichtbeachtung dieser Gegenanzeigen zurückführen. Ansonsten beruht die Herzinfarktgefahr nicht auf der Einnahme von Viagra selbst, sondern auf der erhöhten körperlichen Beanspruchung durch den Geschlechtsverkehr.

16. Keine Suchtgefahr

Obwohl kein Gewöhnungseffekt und keine Suchtgefahr im medizinisch-pharmazeutischen Sinne besteht, benötigen einige (auch gesunde) Konsumenten das Mittel aufgrund von Versagensängsten auch langfristig als psychologische Stütze.

17. Viagra für die Frau

Es gab Bestrebungen und Hoffnungen, das Mittel auch für Frauen einsetzen zu können. Die Forschung auf diesem Gebiet wurde 2004 aber eingestellt. Nachvollziehbar, denn sexuelle Funktionsstörungen bei der Frau beruhen in der Regel nicht auf einem Durchblutungsproblem. Neuere Forschungen setzen eher auf Mittel mit einer stimulierenden Wirkung im Gehirn. Auch hier ist in den nächsten Jahren mit einer Produkteinführung zu rechnen.

18. Viagra und Krebs

Neben der These, Viagra könnte einen bestehenden Hautkrebs in seinem Wachstum anfeuern, gibt es auch positive Berichte, dass – zumindest im Tierversuch – die Rate an Darmkrebs durch den Wirkstoff Sildenafil gesenkt werden könnte. Viagra bleibt also Gegenstand spannender Forschungsprojekte.

19. Schöne Nebeneffekte

Zumindest für das Konkurrenzprodukt Levitra (Vardenafil) ist eine geringe Verlängerung der Zeit bis zum Orgasmus nachgewiesen. Es kann also auch ein Therapieversuch bei vorzeitigem Samenerguß gewagt werden. Zudem wird die Erholungszeit nach einem Samenerguß bis zu einer möglichen erneuten Stimulation verkürzt.

20. Andere Einsatzbereiche

Man versucht die durchblutungsfördernde Wirkung und andere Effekte von Viagra in vielen Gebieten der Medizin zu nutzen, beispielsweise in der Schlaganfallbehandlung, bei Höhenkrankheit und Jetlag, bestimmten Haut- und Gefäßkrankheiten, sogar in der Demenz-  und Alzheimer-Forschung. Und wer viel Geld und keinen grünen Daumen hat, der kann die blauen Tabletten sogar zerkleinern und ins Blumenwasser kippen. Schnittblumen leben damit nämlich nachgewiesenermaßen länger!

Bildnachweis: jopix.de / stock.adobe.com

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