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Miniatur-Knowhow: Die Top 10 der häufigen Modelleisenbahn-Irrtümer

Miniatur-Knowhow: Die Top 10 der häufigen Modelleisenbahn-Irrtümer
Rudolf Ring
geschrieben von Rudolf Ring

Die Modelleisenbahn gehört in den westlichen Kulturkreisen der Industrienationen aus historischen Gründen zu den Kulthobbys. Speziell die elektrisch betriebene Modellbahn spielt dabei eine herausragende Rolle. Mit der folgenden Top 10 der Modellbahn-Irrtümer umgehen Sie typische Fallen der Szenesprache und gewinnen einen unterhaltsamen Einblick in die Funktion der Miniaturwelten.

Modellbahn-Schauanlagen werden zu über 90% von Touristen besucht

Nachdem die Besucherin einer großen Modellbahn-Schauanlage fasziniert und lange mit ihrem Mann und den beiden Kindern dem bunten Treiben zugeschaut hatte, rang sie sich endlich zu der Frage durch, die sie nun intensiv beschäftigte und sie wandte sich an ihren Mann: „Sag mal, warum fahren diese Züge eigentlich?“

Diese Frage mag auf den ersten Blick unnötig klingen (ich weiß, es gibt keine dummen Fragen), aber tatsächlich wissen nur die wenigsten Besucher von Modellbahn-Schauanlagen, warum die Modelle eigentlich fahren und wie das gesteuert wird. Das ist auch ganz normal, denn nur ein verschwindend geringer Teil der Besucher von Modellbahn-Schauanlagen sind Modelleisenbahner, man schätzt, dass über 90% rein touristisches Interesse haben. Das ist an sich auch völlig normal: Nur weil jemand einen Zoo besucht, muss er ja zu Hause keine Pinguine halten.

Allerdings kann völliges Nichtwissen, wie so eine elektrische Modelleisenbahn funktioniert, beim Party-Smalltalk oder unter Kollegen auch peinlich werden, so ähnlich, als wenn man (bzw. Mann) die Abseitsregel nicht erklären kann. Im Folgenden habe ich daher die Top 10 der Irrtümer rund um die elektrische Modelleisenbahn zusammengestellt und gebe Ihnen am Ende des Artikels noch Tipps, welche Schauanlagen Ihren Besuch in jedem Fall lohnen.

Irrtum 1: Gleise und Schienen

Ob Modelleisenbahner oder nicht – begrifflich herrscht zwischen „Gleisen“ und „Schienen“ ein Durcheinander. Und das nicht nur bei der Modelleisenbahn: Sogar bei Modell-Autorennbahnen à la „Carrera“ wird bei den Elementen der Fahrstrecke zuweilen von „Schienen“ gesprochen. Richtig ist: Der Gleiskörper der Bahn besteht aus Unterbau und Oberbau, auf dem Gleiskörper liegen die beiden Metallschienen, die den Fahrweg darstellen. Das Ganze wird vereinfacht als „Gleis“ bezeichnet. Die Elemente eines Gleissystems der Modellbahn sind jedoch keine „Schienen“.

Irrtum 2: Spurweite und Maßstab

Ähnliches Begriffs-Wirrwarr, teils sogar durch die Hersteller befördert, herrscht zwischen „Spurweite“ (auch: Spurgröße) und „Maßstab“. Sogar in Produktbeschreibungen ist fälschlich teils von „Maßstab H0“ zu lesen. Die weit verbreitete Nenngröße H0 („Halb Null“) hat eine Spurweite von 16,5 mm.

Allerdings können auf dieser Spurweite nicht nur Regelspur-Modelle im Maßstab 1:87 korrekt dargestellt werden. Das Gleis mit der Spurweite 16,5 mm kann auch als Schmalspurgleis interpretiert werden, dann ist der Maßstab nicht H0, sondern 0e (Null e), im Vorbild eine Schmalspurbahn mit 700 mm Spurweite. Einfach gesagt: Spurweite und Maßstab haben nichts miteinander zu tun.

Irrtum 3: Die „Märklin-Bahn“

Wer ein Papiertaschentuch meint, sagt oft einfach „Tempo-Taschentuch“. Das ist perfektes Marken-Marketing. Wer eine Modelleisenbahn meint, sagt oft einfach „Märklin-Eisenbahn“. Das spricht zwar für die Werbeabteilung des Göppinger Modellbahn-Pioniers, ist sachlich aber ein Irrtum. Denn Märklin war im Jahr 1926 zwar die erste Firma, die eine elektrische Modelleisenbahn auf den Markt gebracht hat, das damalige Spur 1 Mittelleiter-System (Maßstab 1:32), das mit Wechselstrom angetrieben wurde, gibt es aber schon lange nicht mehr.

Heute meint „Märklin-Modellbahn“ in der Szene nur H0-Modelle der Marke Märklin, die auf dem Märklin-Mittelleitersystem (Märklin-Dreileitersystem) fahren. Die anderen Nenngrößen werden zur Unterscheidung beispielsweise als „Märklin Spur 1“ oder „Märklin Spur Z“ bezeichnet, nicht zu vergessen die Marken Trix und LGB, die ebenfalls Märklin gehören. Also: Eine Modelleisenbahn ist eine Modelleisenbahn, keine Märklin-Bahn.

Irrtum 4: Die Modellbahn zeigt eine maßstäbliche Wiedergabe des Vorbilds

Bei jedem Modellbau, die Modelleisenbahn eingeschlossen, spielt die Maßstäblichkeit eine zentrale Rolle. Wenn also in der Nenngröße H0 (Maßstab 1:87) ein Haltepunkt mit einer Bahnsteiglänge von nur 100 Metern maßstäblich dargestellt werden soll, ist der schon rund 1,15 Meter lang. Im gängigen Gartenbahn-Maßstab von 1:22,5 wären über 4,40 Meter erforderlich.

Es ist also die große Kunst des Modellbauers, ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen. Eine tatsächliche, streng maßstäbliche Nachbildung kann es nicht geben. Speziell viele Gebäude werden daher von vorne herein in verkleinerten Maßstäben entworfen, auch wenn das Rollmaterial auf einer Anlage streng maßstäblich ausgeführt ist.

Irrtum 5: Die Modellbahn und ihre Anhänger

Sprachlich sind die Jargons vieler Fachsprachen voller Fallstricke. Das betrifft auch die Modelleisenbahn, die viele Bezeichnungen der Vorbildbahn verwendet. Doch während die Vorbildbahn von Triebfahrzeugen redet, macht das bei der Modellbahn niemand, da ist „Lokomotive“ oder „Lok“ die normale Bezeichnung für die angetriebenen Fahrzeuge.

Güter und Fahrgäste transportiert die Bahn in Wagen („Wagenstandsanzeiger“), man kann genauso Waggon sagen. Es ist aber ein Irrtum, dass ein Zug der Bahn oder Modellbahn „Anhänger“ hat, auch „Hänger“ hört man zuweilen, ein klarer Fall von sprachlichem Fauxpas.

Irrtum 6: Das rote Licht

Mit den modernen Leuchtdioden (LED / SMD-LED) kann man Modellbahn-Lokomotiven wunderbar vorbildentsprechend beleuchten. Nur ist das ab Werk bei kaum einem Modell der Fall. Es ist ein Irrtum, dass (wie beim Kfz) eine Lok vorne weißes und hinten rotes Licht entsprechend der Fahrtrichtung hat.

Denn beim Vorbild gibt es nur beim Zugschluss ein rotes Licht, die Lok hat hinten gar kein Licht geschaltet, wenn Waggons angehängt sind. Im Schiebebetrieb ist also das Spitzenlicht (Wendezug) der Lok aus, und nur das Rücklicht eingeschaltet. Das in vielen Modellen von Streckenloks anzutreffende Lichtensemble vorne und hinten weißes Licht ist noch sinnloser, denn das wird ausschließlich im langsamen Rangierbetrieb eingesetzt.

Irrtum 7: Signale und die Fahrtrichtung

Wer keine Holzfäller-Waldbahn, sondern eine Hauptstrecke nachbilden möchte, kommt beim Wunsch nach Vorbildnähe nicht um Signale umhin. Es ist allerdings ein Irrtum, dass die Signale da nur zur optischen Verbesserung herumstehen und wie beim Autoverkehr nach Lust und Laune überfahren werden können.

Denn die Signale sind bei korrektem Anschluss so verschaltet, dass der Zug vor einem Halt-Signal (hp0) in jedem Fall stehen bleibt. Auch kann auf einer mit Signalen ausgestatteten Strecke nicht einfach in Gegenrichtung gefahren werden, dies lässt sich nur schaltungstechnisch recht aufwändig mit einem Falschfahrtmodul erreichen.

Irrtum 8: Modelle von Schmalspurbahnen sind kleiner

Bei der Echtbahn (Vorbildbahn) haben Schmalspurbahnen den Sinn, den Aufwand bei Bau und Betrieb zu reduzieren und besser um enge Gleisbögen fahren zu können. Daher sind sie vor allem in Gebirgsregionen anzutreffen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass auch die Fahrzeuge (Lokomotiven und Waggons) deshalb kleiner sind.

Es gibt eine Vielzahl von Schienenfahrzeugen, die mit Radsätzen unterschiedlicher Spurweiten für den Betrieb auf Normalspur und Schmalspur ausgestattet werden können. Das ist bei der Modellbahn ganz genauso.

Bestes Beispiel hierfür ist die „Gartenbahn“ der Marke LGB, die ursprünglich ein Modell nach dem Vorbild einer Schmalspurbahn war. Heute gibt es für diese elektrische Modellbahn mit einer Spurweite von 45 mm aber auch Modelle nach Vorbildern von Fahrzeugen für die Regelspur, und beide Modellvarianten sind gleichgroß ausgeführt. Zugegeben: Dies führt immer mal wieder zu heftigen Kontroversen.

Irrtum 9: Elektrische Modelleisenbahnen fahren mit Gleichstrom

Jetzt wird es kompliziert, denn aus historischen und technischen Gründen fahren elektrische Modellbahnen je nach System mit Gleichstrom, mit Wechselstrom oder dem „Digitalstrom“, dabei handelt es sich um eine gepulste Rechteckspannung. Das kommt also ganz auf das System und den verwendeten Motor an und ist in immer mehr Fällen unzutreffend, da ja immer mehr Modellbahn-Anlagen mit einem Digitalsystem betrieben werden.

Irrtum 10: Eine moderne Modellbahn-Anlage ist komplett digital

Das versuchen die Marketing-Abteilungen der Hersteller zwar gerne so zu kommunizieren, ist aber an der Realität vorbei. Kein cleverer Modellbahner nimmt bei einer digitalen Anlage Betriebsspannung aus dem Gleis, um damit seine Modellgebäude zu beleuchten. Das wird mit einer separaten Ringleitung gemacht, die um die Anlage läuft und einfach eine analoge Gleichspannung der erforderlichen Spannung und Stromstärke liefert. Daran ist wirklich gar nichts digital.

Die folgenden Modellbahn-Schauanlagen lohnen Ihren Besuch (alphabetische Reihenfolge)

  • DB Museum Modellbahnanlage, Nürnberg
  • Deutschlandexpress, Gelsenkirchen
  • Loxx, Berlin
  • Miniatur Wunderland, Hamburg
  • Miniland, Kirchheim (bei München)
  • Modellbahnwelt Odenwald, Fürth/Odenwald
  • Modellbahn-Wiehe, Wiehe

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Bildnachweis: Steve Mann / stock.adobe.com

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Über Ihren Experten

Rudolf Ring

Rudolf Ring

Rudolf Ring gehört zu den frühen Einsteigern in die Informationstechnologie in Deutschland und hat ab den 80er Jahren die Vorzüge so ziemlich jeden Computertyps irgendwann persönlich in Erfahrung gebracht. Nach Bundeswehr, Studium und freien Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung leitete der Computer-Experte die PC-Werkstatt eines mittelständischen IT-Unternehmens.

Als selbstständiger Journalist und Autor verfasste er seit Anfang der neunziger Jahre bis heute unter anderem für PC-Anwender-Handbuch, PC-Hardware-Profi und PC-Pannenhelfer mehrere hundert Beiträge, hinzu kommen Bücher und Studien. Vom ersten IBM-PC 1981 bis zu den neuesten Mobilgeräten reicht sein Interessengebiet.

Schwerpunkt seiner aktuellen Beiträge sind die klassischen Themen PC-Hardware und -Pannenhilfe, hinzu kommen Home-Entertainment und Mobile Computing. Dem Informationsdienst „Einfach Android“ steht Rudolf Ring als Chefredakteur vor.