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Profi-Tricks für maximale Zugkraft Ihrer Modellbahn-Lokomotiven

Lesezeit: 3 Minuten Wie bei der Echtbahn ist auch bei der Modellbahn eine zu geringe Zugkraft einer Lokomotive oder eines Triebfahrzeugs in vielen Fällen der Auslöser für Betriebsstörungen. Mit den folgenden Maßnahmen nutzen Sie das Zugkraft-Potenzial Ihrer Triebfahrzeuge voll aus und erhöhen mit den praxiserprobten Insider-Tricks der Modellbahn-Profis die Zugkraft Ihrer Lokomotiven bis zum Anschlag.

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Profi-Tricks für maximale Zugkraft Ihrer Modellbahn-Lokomotiven

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Die Modellbahn und die typischen Zugkraft-Probleme

Eine Modelleisenbahn-Anlage ist der Traum aller Modellbahn-Fans. Allerdings offenbart sich dem unvoreingenommenen Betrachter kaum, welcher immense Aufwand und wie viel profundes Knowhow erforderlich sind, um die Miniatur-Züge reibungslos fahren zu lassen. Ein Grund für Störungen im praktischen Betrieb ist das Problem mit der Zugkraft.

Typische Betriebsprobleme bei mangelhafter Zugkraft treten auf, wenn Züge mit vorbildgerechter Länge in Gleiswendeln oder auf Rampen ins Stocken geraten oder gar stehen bleiben. Manchmal ergeben sich auch Probleme beim Anfahren oder in engen Gleisbögen. Zudem gibt es einige zweiachsige Lokomotiv-Kleinmodelle wie beispielsweise eine Köf, die "von Natur aus" Probleme mit größeren Lasten am Haken haben.

Problematische Gleisfiguren bei der Planung vermeiden

Eine Lösung gegen Zugkraftprobleme ist, die typischen Auslöser schon bei der Planung der Anlage im Gleisplan zu vermeiden. Dabei spielen die folgenden drei Punkte eine wichtige Rolle:

  1. Modellbahn-Hersteller empfehlen allgemein, Steigungen von nur maximal 5 Prozent einzusetzen, die von praktisch allen Triebfahrzeug-Modellen bewältigt werden. Doch 5 Prozent bedeuten gerade mal einen Höhengewinn von 5 Zentimetern auf 1 Meter Strecke – für viele kleinere Anlagen ist das für den gewünschten Gleisplan zu wenig. Da heißt es also, schon in der Planung die Zugkraft der geplanten Modelle zu berücksichtigen.
  2. Insbesondere in Gleiswendeln sind recht häufig größere Steigungen erforderlich. Welche maximale Steigung Ihre Modelle tatsächlich schaffen, ohne ins Schleudern zu kommen oder gar stehen zu bleiben, hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig ist bei Steigungen in Kurven der Radius, je enger der ist, desto weniger Steigung kann bewältigt werden. Zudem spielt die sehr unterschiedliche Zugkraft der Triebfahrzeuge eine Rolle. Lokomotiven mit hohem Gewicht und mehreren, angetriebenen Achsen sowie Haftreifen sind klar im Vorteil. Letztlich bestimmten Sie aber natürlich auch mit der Länge Ihrer Züge, welche Steigungen zuverlässig befahrbar sind.
  3. Enge Kurven und komplexe Weichenfelder erhöhen die Reibung der Radkränze am Schienenkopf, es geht viel Zugkraft verloren. Machen Sie schon bei den ersten Stellproben mal den Test und ziehen eine lange Garnitur von Hand an der ersten Kupplung – Sie werden staunen, wie viel Zugkraft Ihre Modell-Lokomotiven aufbringen müssen.

Mit diesen Maßnahmen erhöhen Sie die Zugkraft Ihrer Modellbahn-Lokomotiven

Erfindungsreich, wie Modelleisenbahner nun mal sein müssen, gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, mit denen Sie die Zugkraft erhöhen. Das können ganz einfache Tricks sein, manches ist aber auch aufwändig, wie das folgende Potpourri an Maßnahmen zeigt:

  1. Bei Fahrzeugen für das Dreileiter-Mittelleiter-System ("Märklin-System") ist die Zugkraft einer Lok meist am besten, wenn sich der Mittelschleifer in Fahrtrichtung vorne befindet.
  2. Im Gegensatz zum Vorbild, wo die Antriebskraft nur durch Adhäsion von Eisen auf Eisen ("Schienenhaftung") übertragen wird, rüsten viele Modellbahnhersteller die Modelle mit Haftreifen aus, um die Zugkraft zu erhöhen. Bei schlechter Zugkraft sollten Sie vorhandene Haftreifen tauschen, denn das Gummi altert recht schnell und die Haftwirkung lässt nach. Es hat auch schon Fälle gegeben, in denen die Haftreifen bei der Erstausrüstung einer Lok eine falsche Gummimischung hatten und daher nur eine suboptimale Wirkung zeigten.
  3. Abhängig von der Anordnung der angetriebenen Achsen bzw. Drehgestelle verteilt sich der Zugkraftgewinn durch Haftreifen keineswegs gleichmäßig auf Ihr Triebfahrzeug. Ist nur ein Drehgestell mit Haftreifen ausgestattet, ist die Zugkraft am höchsten, wenn sich diese Achsen in Fahrtrichtung hinten am Triebfahrzeug befinden.
  1. Das Nachrüsten von Haftreifen ist in aller Regel sehr umständlich, da das gesamte Drehgestell zerlegt werden muss und die betreffenden Radsätze zu tauschen sind. Hilfreich sind da Lösungen ab Werk: PIKO bietet über den Webshop (www.piko.de) für etliche H0-Modelle Tausch- oder Ersatzteil-Radsätze inklusive Haftreifen an.
  2. Klingt eklig, wirkt aber: Bullfrog Snot (wörtlich: Ochsenfrosch-Schnotter) ist ein flüssiger Kunststoff, der auf angetriebene Räder von Modellbahn-Lokomotiven aufgetragen werden kann, um die Zugkraft zu erhöhen. Im flüssigen Zustand ist Bullfrog Snot (laut Hersteller ein Naturprodukt) giftgrün, nach Trocknung allerdings fast durchsichtig. Der Einsatz von Bullfrog Snot ist eine Alternative zur nachträglichen Ausstattung von Rädern mit Haftreifen und kann je nach Modell die Traktion deutlich erhöhen. Bullfrog Snot zu benutzen, ist insbesondere bei Lokomotiven der kleinen Maßstäbe (Spur N, Spur Z) eine wirksame Maßnahme.
  3. Zudem gibt es einen – allerdings in der Modellbahn-Szene umstrittenen – Trick zum Erhöhen der Zugkraft: Feilen Sie mit einer flachen, mittelfeinen Schlichtfeile (Feile mit besonders feiner Zahnung) ganz leichte Querrillen in die beiden Schienenoberkanten. Die Rillen sollten nur rund ein zwanzigstel bis ein zehntel Millimeter tief sein. Der Effekt ist eindeutig, die Zugkraft nimmt deutlich zu, insbesondere Triebfahrzeuge mit Haftreifen packen besser zu. Nachteilig ist, dass die Laufruhe der Waggons auf diesem so behandelten Gleisabschnitt abnimmt. Zudem sind die Schienenoberkanten durch die Riefen nicht mehr so leicht zu reinigen.

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Wichtig: Manche Maßnahmen, wie das Hinzurüsten weiterer Haftreifen oder der Einsatz von Bullfrog Snot, verbessern zwar die Zugkraft, vermindern aber gleichzeitig die Fähigkeit des Modells zur Stromaufnahme aus den Schienen. Eine solche Verschlechterung zeigt zuerst bei digital gesteuerten Modellen negative Effekte, das Modell ruckelt oder reagiert schlecht auf die Steuerkommandos. Ein sicherer Betrieb ist also nur bei einem guten Kompromiss zwischen sicherer Stromaufnahme und dem Einsatz von Haftreifen möglich. Das gilt ganz besonders für digital gesteuerte Modelle auf Modellbahn-Zweileitersystemen.

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