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Modellbahn-Antriebsprobleme mit einem motorisierten Geisterwagen lösen

Lesezeit: 3 Minuten Die Betriebsbahner unter den Modellbahn-Fans haben in vielen Fällen spezielle Antriebsprobleme zu lösen. Eine Lösungsmöglichkeit gegen Antriebsmängel bieten oftmals Geisterwagen, so werden im Szenejargon motorisierte Waggons bezeichnet. Welche Vorteile Geisterwagen im Betriebseinsatz bringen und wie Sie einen Geisterwagen bauen, erläutert Ihnen dieser Beitrag.

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Modellbahn-Antriebsprobleme mit einem motorisierten Geisterwagen lösen

Lesezeit: 3 Minuten

Ein Geisterwagen ist ein Modelleisenbahn-Waggon mit einem unsichtbaren Antrieb

Als einen Geisterwagen bezeichnen Modellbahner Waggon-Modelle, die über einen eignen, versteckt eingebauten Antrieb verfügen. In aller Regel werden als Geisterwagen gedeckte, zweiachsige Güterwagen oder zweiachsige Personenwagen verwendet, da diese im Inneren viel Platz für die notwendigen Antriebskomponenten bieten. Geisterwagen können auf allen Modellbahn-Spurweiten sinnvoll eingesetzt werden. Der Einsatz eines Geisterwagens bietet eine Reihe von Vorteilen.

Möglichkeiten und Vorteile beim Einsatz eines Geisterwagens auf der Modellbahn-Anlage

  • Ein Vorteil der Benutzung eines zusätzlichen Geisterwagens ist die Verbesserung der Betriebsfähigkeit und -zuverlässigkeit in einem Modellbahn-Zug, der nur von einer relativ zugschwachen Kleinlok gezogen wird. In manchen Fällen können Rampen oder Gleiswendeln nur mit erhöhter Zugkraft befahren werden, die durch einen Geisterwagen erzielt werden kann.
  • Mit zusätzlich vor eine Garnitur gespannten Geisterwagen können Sie die Zugkraft einer vorhandenen Kleinlokomotive so erhöhen, dass vorbildnahe Züge möglich sind. Züge, die z. B. mit einer wenig zugkräftigen KÖF (Kleinlok mit Ölfeuerung) bespannt sind, zeigen sich erheblich betriebssicherer.
  • Geisterwagen bieten ebenfalls eine Lösung, wenn bei einem Lokomotivmodell der Antrieb irreparabel defekt ist und keine wirtschaftliche Reparatur sinnvoll ist. Der Zug kann mit unmotorisierten Lokomotivmodellen bespannt werden, die Antriebskraft liefert dann der Geisterwagen.

Funktionierende Elektrik kann weiterverwendet werden

Tipp: Die Elektrik beispielsweise für die Beleuchtung des Lokmodells mit defektem Antrieb kann in den meisten Fällen problemlos weiterbenutzt werden, es reicht, nur die Getriebe-Mechanik bzw. relevante Motorteile zu entfernen.

  • Zudem können per Geisterwagen auch Lokomotivmodelle in den Betriebseinsatz integriert werden, die vom Handel als unmotorisierte Modellbausätze geliefert werden. Von Herstellern wie Kibri oder Revell werden unter anderem auch Lok-Modelle im verbreiteten H0-Maßstab 1:87 angeboten, die als Standmodelle bzw. Rollmodelle ohne Antrieb geliefert werden.
  • Geisterwagen bieten ebenfalls eine Lösung, wenn bei einem Modell der Antrieb irreparabel defekt ist und keine andere wirtschaftliche Lösung sinnvoll ist.
  • Geisterwagen können die Wartung vereinfachen, da anstelle mehrerer zu einer Garnitur passender Lokomotiven nur noch der eine Geisterwagen gewartet werden muss.
  • Geschickt eingesetzt, sparen Geisterwagen Geld. Denn anstelle mehrerer angetriebener Fahrzeuge mit entsprechenden Kosten, kann für unterschiedliche Zugbildungen mehrmals derselbe Geisterwagen verwendet werden. Insbesondere der Mehrfachkauf teurer digitaler Sounddecoder kann reduziert werden.
  • Für die H0-Modellbahner des Mittelleitersystems ("Märklin-System") kann ein Geisterwagen aus der Klemme helfen, wenn bei der Umrüstung eines Zweileiter-Modells kein Schleifer unter die Lok passt. Der Antrieb des Zweileiter-Triebfahrzeugs wird dann lahmgelegt (dazu reicht oft schon das Herausnehmen der Kardanachse(n)) oder eines Zahnrades und Antrieb und Stromversorgung übernimmt der Geisterwagen.
  • Bei den großen Spuren kommt noch ein Aspekt hinzu, wenn die Stromversorgung nicht über die Schienen, sondern über Akkus durchgeführt wird. Durch die sichere Akku-Stromversorgung in Kombination mit einem Geisterwagen können auch kleine Loks auch bei verschmutzten Gleisen vorbildnah sehr langsam und ruckfrei fahren.

Veränderungen des Modellbahn-Betriebs beim Einsatz eines Geisterwagens

Nachteile im Sinne des Begriffs hat der Einsatz von Geisterwagen nicht. Es ändern sich aber manche Betriebsumstände. Da sich aber meist nur fortgeschrittene Modelleisenbahner an das Thema Geisterwagen herantrauen, werden die folgenden Anpassungen meist ganz entspannt und mit dem typischen „Modellbahn-Lächeln“ bewältigt:

Der Geisterwagen schränkt die freie Zugbildung (Reihung der Waggons in der Garnitur) ein, da der Geisterwagen sinnvollerweise immer als erster Waggon nach der Lok gekuppelt ist. Das trifft auf Geisterwagen mit Soundfunktion ganz besonders zu, schließlich klingt es seltsam, wenn das Motorengeräusch der Vorbildlokomotive vom Ende des Zuges ertönt.

Ein Geisterwagen ohne Soundfunktion kann prinzipiell auch an anderen Positionen in den Zug eingestellt werden. Das jedoch verschlechtert meist Betriebssicherheit und Traktion.

Zwei Möglichkeiten des Selbstbaus eines Modellbahn-Geisterwagens

Um einen Geisterwagen zu bauen, kann am besten ein einfacher, zweiachsiger Personen- oder Güterwaggon des entsprechenden Modellbahn-Systems mit einem Geisterwagen-Antrieb ausgestattet werden. Brauchbaren „Modellbahn-Schrott“ als Ausgangsmaterial bieten die bekannten Online-Auktionshäuser zur Genüge.

Geisterwagen-Antriebe, also die „technischen Innereien“ für den Bau eines Geisterwagens werden von mehreren Herstellern angeboten. Bekannt sind Geisterwagen-Antriebe und -bausätze von PMT, SB-Modellbau und Weinert.

Die Vollprofis unter den Modellbahner bauen ihren Geisterwagen gerne auch komplett selbst, dazu eignet sich „Lokschrott“ als Ausgangsmaterial, solange der Antrieb funktionstüchtig ist. Dann muss nur zur Tarnung des Geisterwagens der Aufbau eines passenden Waggons angepasst werden.

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