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Echt abgefahren: Knowhow für Ihr ideales Modellbahn-Gleissystem

Lesezeit: 5 Minuten So richtig Spaß macht eine Modelleisenbahn-Anlage nur mit dem richtigen Gleismaterial. Wenn ein schöner Gleisplan Realität wird und die Züge die Paradestrecke entlang fahren, sehen sich engagierte Modellbahner am Ziel. Allerdings gilt es, die richtige Entscheidung für das verwendete Gleismaterial und -System zu treffen. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, lesen Sie in diesem Beitrag.

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Echt abgefahren: Knowhow für Ihr ideales Modellbahn-Gleissystem

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Das richtige Modellbahn-Gleissystem auszuwählen ist eine wichtige Entscheidung

Modellbahner ist nicht gleich Modellbahner. Es gibt beispielsweise Sammler, die gar kein Interesse am Fahrbetrieb haben. Doch die wahre Kunst der Modelleisenbahn ist es, ein kleines Stück des logistischen Transportsystems Bahn nachzubauen, und das so vorbildnah wie möglich. Dabei spielen der Gleisbau und der Gleisplan die zentrale Rolle. Denn nur mit der passenden Fahrstrecke kommen die Modelle des Rollmaterials voll zur Geltung und der Spielspaß nicht zu kurz.

Daher ist die Entscheidung für einen Gleisplan und die Entscheidung, mit welchem Gleismaterial und Gleissystem der Gleisplan realisiert wird, von zentraler Bedeutung. Und das auch unter finanziellen Aspekten, denn Gleiselemente sind teuer, insbesondere, wenn es an Weichen mit digitaler Steuerung (Decoder) und Funktionsgleise geht.

Die "Startpackung" – oft Anfang vom Ende

Eine besondere Rolle spielen dabei in vielen Fällen die typischen Modellbahn-Startpackungen, die praktisch jeder Hersteller im Sortiment hat. Der Vorteil: Für vergleichsweise wenig Geld kann Tuchfühlung mit dem Hobby Modellbahn aufgenommen werden. Der Nachteil: Die typischen Kreise und Ovale der Anfangspackungen sind alles andere als zufriedenstellend befahrbar.

Das soll die Interessenten zum Nachkauf von Gleismaterial desselben Systems animieren, oft sind aber Startpackungen dann schon der Anfang vom Ende des Hobbyinteresses, denn fortgeschrittene Gleisfiguren sind wenig taschengeldkompatibel. Mit den folgenden Tipps werden die Besonderheiten der Gleissysteme deutlich und Sie treffen die richtige Entscheidung.

1. Gleissysteme der Startpackungen

Die typischen Startpackungen (Anfangspackungen, Start-Sets) der Modellbahn-Hersteller beinhalten auch immer ein "Pröbchen" eines Gleissystems des Herstellers. Dies ist allerdings oft keineswegs das beste Gleissystem für Ihre Vorstellungen.

Betrachten Sie insbesondere bei allen Systemen, die nach dem internationalen Zweileiter-System funktionieren, die Gleiselemente des Start-Sets eher als Anregung zum Ausprobieren. Wenn Sie ein hochwertiges Layout planen, sollte vor dem Kauf weiteren Gleismaterials eine gründliche Recherche und Beratung Pflicht sein, denn Sie sind keinesfalls an ein bestimmtes Gleissystem gebunden, Alternativen gibt es immer.

2. Bettung ja oder nein

Schon auf den ersten Blick gibt es bei allen Gleissystemen den Unterschied, dass es Gleissysteme mit und ohne Bettung gibt. Bei Gleisen ohne Bettung erhalten Sie praktisch nur die Schienen plus das Schwellenband. Gleiselemente mit Bettung bringen hingegen ein "Gleisbett" mit, genau betrachtet den Teil des Oberbaus, der von oben in Form des Schotterbettes sichtbar ist.

Das finden Sie beispielsweise bei den Gleissystemen für die Spurweite H0 (16,5 mm) von Märklin und Trix (C-Gleis), auch Roco bietet mit "geoLine" ein Gleissystem mit Bettung. Mit der Spurweite 9 mm (Spur N Regelspur) fertigt KATO mit dem "Unitrack-Gleis" mit Bettung. Recht neu ist, dass es sogar für die Spurweite 6,5 mm (Märklin Mini Club Spur Z) ein Gleissystem mit Bettung gibt, es wird von den japanischen Unternehmen Rokuhan gefertigt, in Deutschland werden beide genannten Gleissysteme von NOCH vertrieben.

Generell haben alle Gleissysteme mit Bettung den Vorteil, dass sie durch die Bettung verwindungssteifer sind und sich somit für das "Teppichbahning", also den fliegenden Aufbau auf dem Fußboden, sehr gut eignen. Aber nicht nur mechanische Gründe sprechen hierfür, denn die Bettung hat auch den Vorteil, dass das Gleis damit relativ trittsicher wird. Hinzu kommt, dass Sie in der Bettung auch Kabel verstecken können und dort die Antriebe von Weichen plus die Weichendecoder für einen Digitalbetrieb Platz finden.

Soll allerdings ein Gleis, das für das Modell einer Regelspurbahn gedacht ist, (auch) für das Modell einer Schmalspureisenbahn genutzt werden, ist von einem Gleissystem mit Bettung abzuraten. Das wirkt logischerweise sehr unmaßstäblich, denn die Bettung ist dann für einen zu "kleinen" Maßstab gemacht.

3. Weichen sind der Lakmustest jedes Modellbahn-Gleissystems

Eine Spezialität jedes Gleissystems sind die angebotenen Weichen. Hierauf legen fortgeschrittene Modellbahner besonderen Wert. Denn nur mit perfekten Weichen können Gleisbilder nach Wunsch auch Wirklichkeit werden. Eine große Rolle spielen hierbei Dreiwegweichen, die viel Platz sparen, schlanke Weichen mit vorbildnahen Geometrien und Weichen in Kreisbögen.

Tatsache ist, dass kein Gleissystem wirklich alle Wünsche erfüllen kann, das hat einfach wirtschaftliche Gründe. Trotzdem sollten Sie sich bei der Abwägung, welches Gleissystem das richtig ist, immer ganz besonders die verfügbaren Weichen einbeziehen, insbesondere dann, wenn Sie einen konkreten Gleisplan im Kopf haben.

4. Analog- oder Digitalbetrieb

Alle neuen Gleissysteme können Sie mit analogem und digitalem Betrieb einsetzen. Bei alten Gleissystemen, die vielleicht von einer gebrauchten Anlage übernommen werden, ist dies aber keineswegs auch immer so. Zu bedenken ist, dass in jedem Digitalsystem bei der Modellbahn der "Digitalstrom" (Fahrstrom plus Steuerinformationen) permanent in voller Höhe anliegt.

Es ist nicht nur das alte Märklin M-Gleis (komplett aus Metall inklusive Bettung), bei dem vom Digitalbetrieb wegen der Gefahr von Mikrokurzschlüssen im Betrieb wie auch massiven Kurzschlüssen bei Betriebsstörungen eher abgeraten wird. Auch das alte PIKO-Gleissystem ist aufgrund der Bauart der Weichen nicht für einen Digitalbetrieb zu empfehlen.

5. Art der Weichenantriebe

Wer einen digitalen Betrieb der Modellbahn plant, kann bei etlichen alten Gleissystemen die Weichen entweder nicht oder nur mit erheblichem Aufwand (Unterflur) über einen Digitaldecoder schalten. Denn die Magnetspulenantriebe der Weichen einfacher, älterer Gleissysteme haben zuweilen keine Endabschaltung, und der Dauerstrom eines Digitalsystems zerstört dann nach einiger Zeit die Magnetspulen. Weichen und Weichenantriebe sind der neuralgische Punkt, der bei einer Umrüstung auf Digitalbetrieb wie auch bei der Auswahl eines Gleissystems zu beachten ist.

6. Gleisbögen

Wer fortgeschrittenen Eisenbahn-Modellbau betreiben möchte, der ist mit zwei Radien von Gleisbögen nicht zufrieden. Ein positives Beispiel für ein Gleissystem ist für H0-Zweileiterbetrieb das Roco-Line-Gleis ohne Bettung, das sieben Parallelgleise und acht verschiedenen Weichenbauformen sowie ein Flexgleis bietet.

Tendenziell bieten Gleissysteme ohne Bettung mehr Bauformen der Gleiselemente, als das bei Gleissystemen mit Bettung der Fall ist. Insbesondere Flexgleise, also lange Gleiselemente, die beliebig gebogen werden können, sucht man bei Gleissystemen mit Bettung vergeblich. Zu bedenken ist allerdings, dass ohne eine Bettung für vorbildnahes Aussehen das Einschottern nachträglich von Hand ausgeführt werden muss. Zeit und Kosten hierfür sollten nicht unterschätzt werden.

7. Besondere Weichen-Bauformen

Gleissysteme sehen zwar auf den ersten Blick sehr ähnlich aus, aber ein fortgeschrittener Modellbahner erkennt speziell an den Weichen-Bauformen erhebliche Unterschiede. Zwar bietet jedes System so etwas wie eine Einzelweiche links (EWL) oder rechts (EWR), aber schon das Vorhandensein einer Doppelkreuzungsweiche (DKW) ist eine Art Lackmustest für ein Gleissystem, das fortgeschrittenen Ansprüchen standhält.

Ganz "exotisch" wird es bei Hosenträgerweichen (sozusagen zwei Gerade mit einem "X" dazwischen) oder einer Weiche mit einem Dreischienengleis, bei der eine Schmalspur aus einer Regelspur abzweigt, wie TILLIG sie für H0 fertig.

8. Funktionsgleise und andere besondere Gleiselemente

Wer auf seiner Modellbahn-Anlage viel Steuern und spezielle Funktionen auslösen möchte, sollte kontrollieren, welche Funktionsgleiselemente ein System bietet. Manches kann man später sicher auch selbst erstellen, aber fertige Lösungen sparen Zeit und Umstände.

Die Liste der möglichen Funktionsgleise ist lang: Sie geht von Kontaktgleisen (Schaltgleisen) über Übergangsgleise zu anderen Gleissystemen, Entkupplungsgleisen und Gleisen mit integriertem Signal (Signalgleis) bis hin zu Schaltgleisen mit Magnetschalter.

9. (Nicht) nur für Profis: Die Profilhöhe der Schienen

Wer auch als Modelleisenbahn-Einsteiger mal "Profis" ins Schwitzen bringen möchte, fährt als schweres argumentatives Geschütz die Profilhöhe der Schienen an. Denn die stimmt zumindest bei den Großserienprodukten an Gleismaterial so gut wie nie.

Das hat einen einfachen Grund, wie dieses Beispiel zeigt: Bei der verbreiteten Nenngröße H0 sind die Schienen gemäß NEM-Norm meist 2,5 mm hoch, unabhängig vom Hersteller. Damit ist die Höhe des Schienenprofils jedoch nicht vorbildentsprechend, denn beim Vorbild misst selbst die stärkste DB-Schiene (Bauart UIC 60) von Kopf bis Fuß nur 172 mm. Für die Nenngröße H0 mit einem Maßstab von 1:87 entspräche dem eine Profilhöhe von 1,98 mm.

Zwar gibt es Anbieter wie PEKO, die Gleissysteme mit vorbildnahen Schienenprofilen im Angebot haben, aber die Spurkränze der Großserienmodelle an Loks und Waggons sind aus Gründen der Betriebssicherheit eben höher und auf das 2,5-mm-Profil abgestimmt. Ist das Schienenprofil niedriger, „holpert" das Rollmaterial mit den Spurkränzen der Räder über die Schwellen oder nachgebildete Befestigungselemente wie Schienennägel, ein Betrieb somit unmöglich.

Fazit: In diesem Beitrag habe ich an mehreren Punkten gezeigt, dass die Auswahl des richtigen Modellbahn-Gleissystems nicht ganz trivial ist, zumindest nicht für Modellbahner mit fortgeschrittenem Anspruch. Bitte haben Sie Nachsicht, dass an dieser Stelle aufgrund der enormen Vielfalt am Markt und des zur Verfügung stehenden Platzes eine umfassende Beratung mit Beispielen der Produkte an dieser Stelle nicht umfassend möglich ist. Es empfiehlt sich daher immer eine ausführliche Recherche und Probephase, bevor viel Geld in das "endgültige" Gleissystem investiert wird.

Mein Tipp: Machen Sie es doch nötigenfalls wie die Bundesbahn oder das Miniatur Wunderland Hamburg, die größte Modelleisenbahn-Anlage der Welt – dort werden auch ganz unterschiedliche Gleise eingesetzt und miteinander kombiniert. Weitere Tipps zu Modellbahn-Gleissystemen finden Sie im kostenlosen Online-Magazin "Modellbahntechnik aktuell".

Weitere Tipps zum Modellbau bieten Ihnen die folgenden Artikel auf experto.de

 

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