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Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt 2009 und 2010

Lesezeit: 4 Minuten Trotz der negativen konjunkturellen Entwicklung halten die Unternehmen ihr Personal, indem sie interne Strategien verfolgen, um ihren Personaleinsatz an die schlechtere Auftragslage anzupassen. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wäre sonst noch viel negativer.

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Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt 2009 und 2010

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Seit dem auf der ganzen Welt die Auswirkungen der Finanzkrise immer deutlicher werden, befindet sich auch die deutsche Wirtschaft in einer schweren Wirtschaftskrise. Einen kräftigeren Einbruch der Wirtschaftsleistung hat es nur während der großen Depression in den Jahren 1931 und 1932 gegeben.

Mittlerweile weisen jedoch einige wichtige Konjunkturindikatoren darauf hin, dass sich die Talfahrt der Wirtschaft zumindest abschwächt. So erholen sich nach einem kräftigen Rückgang die ifo-Geschäftserwartungen bereits seit Januar 2009 und bewirkten zuletzt auch eine Trendumkehr für den ifo-Geschäftsklima-Index. Dies beeinflusst auch die voraussichtliche Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2009
Auf Basis ökonometrischer Schätzungen hatte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung noch im Frühjahr für den Jahresdurchschnitt 2009 eine stark negative Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt mit einem Rückgang der Erwerbstätigkeit um 550.000 auf 39,8 Millionen und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 430.000 auf 3,7 Millionen prognostiziert.

Die zuletzt veröffentlichte IAB-Projektion zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt vom März 2009 beruhte auf der Annahme, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,5 Prozent schrumpfen würde. Sie enthielt zudem noch keinen Ausblick auf das Jahr 2010.

Mit einer Aktualisierung zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt 2009 und 2010 außerhalb des Turnus erläutert das IAB, warum trotz der verschlechterten Wachstumsbedingungen mit einem Rückgang des realen BIP um 6 Prozent die bisherigen Prognosen zur Beschäftigung und der Arbeitslosigkeit im Jahr 2009 im Wesentlichen aufrechterhalten werden können.

In Ihrem jetzt vorgelegten Zwischenbericht zur Arbeitsmarktentwicklung 2009 und 2010 geht das IAB davon aus, dass die Unternehmen interne Strategien der Anpassung des Personaleinsatzes an die verschlechterte Auftragslage in einem bisher nicht gekanntem Ausmaß nutzen.

IAB-Bericht zur Entwicklung des Arbeitsmarktes
Nach dem neuen IAB-Bericht zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt kann man davon ausgehen, dass sich die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Jahr 2009 trotz der schlechteren Wachstumsbedingungen nicht negativ verändern wird. Nach aktuellen Schätzungen lässt sich die Arbeitsmarktentwicklung 2009 durch ein Schrumpfen der Erwerbstätigkeit gegenüber dem Vorjahr um 580.000 auf 39,8 Millionen kennzeichnen.

Dass sich die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2009 nicht noch sehr viel negativer darstellt, hat offensichtlich damit zu tun, dass viele Unternehmen in bisher nicht gekanntem Maße interne Strategien verfolgen, um ihren Personaleinsatz an die schlechtere Auftragslage anzupassen: So wurde vor allem die Auslastung der beschäftigten Arbeitskräfte verringert, statt Personen zu entlassen. Dieses Halten von Arbeitskräften -das sich überaus positiv auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes auswirkt – zeigt sich aber auch in einer Verringerung der Produktivität je Erwerbstätigen, d. h., von einem Erwerbstätigen wird im Durchschnitt weniger Output erbracht. Daher sank die Produktivität je Erwerbstätigen im vierten Quartal 2008 um 2,7 Prozent und im ersten Quartal 2009 nochmals um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Weder zur Zeit der ersten Ölkrise 1975 noch in der Nachwende-Rezession 1993 war eine solche Abschwächung der Produktivität beobachtet worden.

Verkürzung der Arbeitszeit unterstützt Arbeitsmarktentwicklung
Die geringere Leistung je Erwerbstätigen ist etwa zur Hälfte auf eine Verkürzung der Arbeitszeit zurückzuführen: Die Produktivität je Erwerbstätigenstunde sank nur halb so stark wie die Produktivität je Erwerbstätigen. Einerseits haben die Unternehmen intensiv von den Möglichkeiten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung Gebrauch gemacht, d. h. es wurden weniger Überstunden geleistet, die Spielräume zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit genutzt und Guthaben auf Arbeitszeitkonten abgebaut, eventuell auch Minusstunden aufgebaut. Eine positive Entwicklung des Arbeitsmarktes war darüber hinaus durch einen raschen Anstieg der Zahl von Kurzarbeitern möglich. Im März   2009 arbeiteten gut 1,2 Millionen Personen kurz, 1,1 Millionen mehr als im März 2008.

Bei einem durchschnittlichen Ausfall von 34,5 Prozent der Arbeitszeit entsprach das rund 430.000 Beschäftigungsverhältnissen, die durch Kurzarbeit zunächst gesichert werden. Im Jahresdurchschnitt 2009 dürfte die Zahl der Kurzarbeiter bei 1,1 Millionen liegen.

Arbeitsmarktentwicklung im Jahr 2010
Für das Jahr 2010 unterstellt der IAB-Bericht zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt eine leichte Schrumpfung des realen BIP um -0,5 Prozent (die Bundesregierung rechnet bei einer Zunahme um 0,5 Prozent mit einem leichten Konjunkturaufschwung). Wie sich die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2010 darstellen wird, hängt nach dem IAB-Bericht zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt vor allem davon ab, wie lange die Unternehmen die interne Anpassung des Personaleinsatzes über die Produktivität und die Arbeitszeit durchhalten können. Sowohl die Unterauslastung der Anlagen als auch die Kurzarbeit sind für die Unternehmen nicht kostenneutral, wenngleich die nochmaligen Änderungen beim Bezug von Kurzarbeitergeld eine weitere Erleichterung bedeuten. Da im IAB-Bericht zur Arbeitsmarktentwicklung ein kräftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit im Herbst 2009 unterstellt wird, ist die Arbeitsmarktentwicklung im Jahr 2010 durch einen besonders schlechten Startwert belastet.

Beschäftigungsauslastung determiniert Arbeitsmarktentwicklung 2010
Nach dem IAB-Bericht zur Arbeitsmarktentwicklung dürfte die Auslastung der Beschäftigten im Jahr 2010 wieder ansteigen. Zum einen werden die in den Unternehmen nicht benötigten Arbeitnehmer schließlich doch entlassen, zum anderen werden die noch beschäftigten Arbeitnehmer wieder produktiver eingesetzt. Dadurch steigt die Produktivität je Erwerbstätigenstunde.

Auch die Arbeitszeit wird sich nicht mehr zugunsten einer positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auswirken, denn die Möglichkeiten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung dürften ausgereizt sein. Ebenso werden weniger Personen in Kurzarbeit beschäftigt werden (500.000 im Jahresdurchschnitt) – zum Teil, weil es nicht mehr notwendig ist, zum Teil aber auch, weil die Unternehmen ihre Perspektiven zu pessimistisch beurteilen, um alle Kurzarbeiter wieder normal zu beschäftigen.

Daher geht der IAB-Bericht zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt von einer Schrumpfung des Arbeitsvolumens um 1,0 Prozent aus. Diese Schrumpfung schlägt sich wegen des Anstiegs der Jahresarbeitszeit, der auch durch einen Kalendereffekt bedingt ist, auch auf die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nieder: Die Erwerbstätigkeit sinkt nach dem IAB-Bericht zur Arbeitsmarktentwicklung um 1,1 Millionen oder 2,8 Prozent auf 38,6 Millionen.

Kräftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt
Diese Konstellation aus Angebot und Nachfrage führt nach dem IAB-Bericht zur Arbeitsmarktentwicklung zu einem kräftigen Anstieg bei der Arbeitslosigkeit um 760.000 Personen auf fast 4,5 Millionen im Jahresdurchschnitt 2010. Weil die Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen noch nicht lange genug im konjunkturellen Verlauf beobachtet werden konnte, müssen bei der Aufteilung der Arbeitslosigkeit nach SGB III und SGB II besondere Unsicherheiten hingenommen werden.

Fazit zur Arbeitsmarktentwicklung 2009 und 2010
Trotz der negativen wirtschaftlichen Entwicklung geht die IAB-Studie zur Arbeitsmarktentwicklung 2009 und 2010 davon aus, dass die bisherigen Prognosen für die Erwerbstätigkeit bei 39,8 Millionen und für die Arbeitslosigkeit bei 3,7 Millionen aufrechterhalten werden können. Die verfügbaren Daten lassen darauf schließen, dass sich durch Strategien der Unternehmen zur Anpassung des Personaleinsatzes die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nicht wesentlich schlimmer darstellen wird.

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