Sozial- und Bildungsmanagement

Muslime in Deutschland: Von Ausländern zu Mitbewohnern

Muslime in Deutschland: Von Ausländern zu Mitbewohnern
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Muslime in Deutschland: Bereits die erste wirtschaftliche Rezession 1966/67 führte zu Diskussionen über eine Verringerung der Ausländerbeschäftigung. Dennoch verfügte die Bundesrepublik erst im November 1973, angesichts der sich abzeichnenden Wirtschafts- und Energiekrise, den sogenannten „Anwerbestop“.

Obwohl etwa 80% der angeworbenen Arbeitskräfte in den folgenden Jahren wieder in ihre Heimat zurück gingen, konnten sich Muslime in Deutschland zu einer bleibenden Minderheit entwickeln. Dies konnte nur geschehen, da sich mit dem Anwerbestop auch der Status der ausländischen Arbeitnehmer änderte.

Mit der Entscheidung des Anwerbestops verbindet sich auch der Wandel des Status quo der bis dahin nach Deutschland eingereisten ausländischen Bevölkerung. So setzten sich anfangs die ausländischen Mitbewohner fast ausschließlich aus männlichen "Gastarbeitern" mit befristetem Aufenthalt in der Bundesrepublik zusammen. Doch der nach dem Anwerbestopp vermehrte Zuzug von Frauen und Kindern veränderte dieses Bild. Aus der männlichen Arbeiterschaft entwickelte sich die "ausländische Wohnbevölkerung", die einen Wunsch nach dauerhaftem Bleiberecht entwickelte.

Auch die Muslime in Deutschland wurden durch diese Veränderungen zu einem bleibenden Bevölkerungsanteil. Bewertet man die ausländische Wohnbevölkerung heute, so gilt es zu berücksichtigen, dass die meisten ausländischen Mitbewohner heute hier sind, weil Deutschland sie als Arbeitskräfte gebraucht und mit Anwerbeverträgen ins Land geholt hat.

Viele von denen, die damals als Arbeiter gekommen sind, haben inzwischen ihre Familien nachkommen lassen und haben hier eine zweite Wahlheimat gefunden. Sie haben sind zu einem bleibenden Bestandteil der deutschen Gesellschaft entwickelt.

Muslime in Deutschland: Eine bleibende Bevölkerungsgruppe
Dieser bleibende Bevölkerungsanteil umfasst inzwischen auch etwa 3,3 Millionen Muslime. Mit dieser größen Anzahl an Gläubigen stellt der Islam die drittgrößte Religionsform in Deutschland dar.

Betrachtet man die Entwicklung, so werden Muslime in Deutschland erst seit etwa zehn bis fünfzehn Jahren in zunehmendem Maße wahrgenommen. Mit dieser verstärkten Wahrnehmung der Muslime wurde auch die vormals scheinbar "verdeckte" Existenz des Islam in unserem Lande "entdeckt".

Inzwischen wird dieser Umstand von vielen, aber leider nicht von allen, Seiten betrachtet und bewertet. Buchtitel wie "Allahs Schwert" oder "Die islamische Herausforderung" (von Gerhard Konzelmann) konfrontierten schon in den 1980er Jahren den interessierten Leser mit dem Islam. Dabei wurde der Islam als Herausforderung für das gesamte Abendland dargestellt.

Damals, in den 80er Jahren, schien sich die Bedrohung jedoch vor allem fern der Heimat, in weiter Entfernung zu befinden. Doch die in den Büchern beschriebene "Bedrohung" scheint sich nun im eigenen Land wieder zu finden. Dies spiegeln Buchtitel wie "Sturmwind über dem Abendland" (Leicht, A.) oder "Problemfall Islam – Friedensreligion oder Gefahr für den Weltfrieden" (Schmid, G.). Dabei suggerieren diese Buchtitel Ängste und sie vermitteln das Gefühl einer aktuellen Gefahr durch den Islam.

Hier gilt es zu differenzieren und zu hinterfragen.

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Dr. Britta Kanacher

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