Das Invitatio-Verfahren im Versicherungsvertrieb – wann es nutzt

Das Invitatio-Verfahren im Versicherungsvertrieb nutzt insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen.

Menschen mit Vorerkrankungen sind gewissermaßen die Langzeitarbeitslosen der Versicherungsbranche. Je höher die Zahl der Ablehnungen, desto geringer die Chance sie zu vermitteln. Durch die VVG-Reform wurde ein Vertriebsverfahren ermöglicht, das das Risiko abgelehnt zu werden signifikant reduziert. Was nutzt das Invitatio-Verfahren Menschen mit Vorerkrankungen?

Was "Invitatio" bedeutet

Invitatio ist Latein und bedeutet Einladung. Was sich so freundlich liest, ist ein Vertriebsverfahren, dessen sich einige Versicherer seit der Reform des Versicherungsrechts bedienen. Auch hier ist die Grundlage des Vertragsschlusses ein Beratungsgespräch, jedoch füllen Sie hier nicht gleich den Versicherungsantrag aus, sondern den Antrag darauf, dass der Versicherer ein Angebot abgibt. Der Unterschied liegt darin, dass Sie sämtliche Antragsfragen beantworten, bevor Sie überhaupt eine rechtsgeschäftliche Handlung vollziehen.

Der Antrag ist nicht Ihre Anfrage an den Versicherer, sondern die Rückmeldung des Versicherers, in der er Ihnen mitteilt, zu welchem Preis er Ihr Risiko zu tragen bereit ist. Sie erhalten dazu die Police und alle notwendigen Unterlagen. Sie senden dann die unterschriebene Annahmeerklärung an den Versicherer und schließen damit den Vertrag.

Wer profitiert von der Einladung?

Einen Vorteil bietet dieses Modell insbesondere Interessenten mit Vorerkrankungen. Im konventionellen Vertriebsverfahren haben Sie einen Antrag an einen Versicherer gerichtet. Da Sie an einen Antrag acht Wochen (einschließlich Widerrufsfrist) gebunden sind, können Sie immer nur einen Antrag stellen, da Sie sonst eventuell mehrere Verträge erhalten, die alle dasselbe Risiko versichern.

In diesem Antrag hatten Sie sämtliche Gesundheitsfragen zu beantworten, aber auch die Frage, ob schon einmal ein Antrag – so etwa in der Krankenversicherung – abgelehnt worden ist. Bejahen Sie diese Frage, reduziert sich zugleich Ihre Chance auf einen Vertrag. Sie sollten also idealerweise auf den ersten Antrag hin einen Vertrag erhalten. Je mehr Ablehnungen Sie nämlich erhalten, umso schwerer sind Sie später versicherbar. Daher kann das konventionelle Verfahren für Menschen mit Vorerkrankungen zu einer Art Glücksspiel ausarten.

Dies vermeidet das Invitatio-Verfahren. Da das Versicherungsunternehmen derjenige ist, der aufgrund Ihrer Angaben ein Angebot abgibt, das Sie annehmen oder ignorieren können, können Sie problemlos mehrere Versicherer gleichzeitig anschreiben und mehrere Angebote einholen, ohne dass Sie Schwierigkeiten wegen eines abgelehnten Antrags fürchten müssen.

Fazit der experto-Redaktion: Sind Ihnen schwerwiegende Vorerkrankungen bekannt, so sollten Sie in den Sparten in denen die Risikokalkulation mit Hilfe von Gesundheitsfragen stattfindet, auf die Anwendung des Invitatio-Modells Wert legen. Insbesondere gilt dies für alle Arten der privaten Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Risikolebensversicherung, sowie Lebensversicherung mit Todesfallleistung.

Veröffentlicht am 2. Februar 2012
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