Geldanlage

Was können Anleger mit Depotleichen tun?

Was können Anleger mit Depotleichen tun?
geschrieben von Jörgen Erichsen

Niemand kann an der Börse mit der Einschätzung des Potenzials einer Aktie immer richtig liegen. Mehr oder weniger oft entwickelt sich der Kurs einer Aktie (zunächst) nicht so, wie er soll. Was sollen Anleger in einer solchen Situation tun? Was können Anleger mit solch sogenannten Depotleichen tun?

Entwickeln sich die Kurse von Aktien nicht so, wie man es erwartet, stellt sich früher oder später die Frage, was man mit den "gefallenen Engeln", den Depotleichen, tun soll. Soll man versuchen, die Verluste auszusitzen? Oder ist es besser, eine Aktie zu verkaufen? Und nach welchen Kriterien sollten Anleger entscheiden? Und wie identifiziert man überhaupt Depotleichen?

Was sind Depotleichen?

Zunächst zur letzten Frage: Bei Depotleichen handelt es sich um Aktien, deren Kurse drastisch einbrechen oder eingebrochen sind und bei denen die Chance auf eine nachhaltige Erholung wenig realistisch ist. Jeder Anleger, der ein Wertpapier besitzt, dessen Kurs innerhalb kurzer Zeit um 50 % oder mehr abstürzt, sollte prüfen, ob er eine Depotleiche hat.

Die Prüfung sollte in zwei Schritten geschehen. Zunächst sollte danach gesehen werden, wie sich der Aktienmarkt und die Branche, aus der das Papier stammt allgemein entwickelt. Wenn der Kursverfall die gesamte Börse betrifft oder zumindest die Branche, aus der das Papier stammt, ist die Chance auf eine Erholung nach der Krise relativ groß. Zumindest dann, wenn die eigene Aktien nicht deutlich mehr an Wert verloren hat als der Markt.

Ist das der Fall, sollte im nächsten Schritt geprüft werden, wie es mit dem Geschäftsverlauf des betreffenden Unternehmens aussieht: Entwickeln sich die Umsätze stabil oder steigen sie sogar? Wie geht es mit den Gewinnen weiter? Expandiert das Unternehmen? Kann es neue Kunden und neue Märkte erreichen? Und wenn es einen Umsatz- und Gewinnrückgang gibt, was sind die Ursachen hierfür?

Hat das Unternehmen z. B. zu wenig attraktive Produkte oder hat es wichtige Trends verpasst, und ist der Geschäftsverlauf deshalb negativ, ist die Gefahr, dass man es mit einer potenziellen Depotleiche zu tun hat, groß. Ist der Geschäftsverlauf vor allem wegen einer allgemeinen Krise negativ, sind die Aussichten auf eine baldige Kurserholung hingegen oft gut. Wichtig ist auch ein Blick auf die Zukunftserwartungen: Wie schätzt die Geschäftsführung die weitere Entwicklung ein? Was sagen Analysten und andere Experten? Ziehen die Umsätze/Gewinne mit innovativen Produkten an?

Kommt man nach der Analyse aller Daten und Informationen zu dem Schluss, dass in den kommenden Monaten und Jahren nicht mehr mit einem nachhaltigen Wachstum und einer entsprechenden Kurserholung zu rechnen ist, sollte man überlegen, ob man sich von dem Papier trennt und besser auf ein anderes voraussichtlich erfolgreicheres Unternehmen setzt.

Zwar ist es aus psychologischer Sicht oft schwierig, eine solche Entscheidung zu treffen – wer gesteht sich gerne eine Fehlentscheidung ein. Und oft noch gravierender: Wer realisiert schon gerne Verluste? Aber auf eine Kurserholung bei einem zweifelhaften Unternehmen zu setzen, kann auch aus einem anderen Grund teuer werden. Wurde eine Aktie z. B. für 10 Euro gekauft und ist der Kurs auf 5 Euro eingebrochen, müsste sich der Kurs verdoppeln, um zumindest wieder den Einstiegskurs zu erreichen.

In der Realität ist das dann meist nicht der Fall, wenn es sich um Depotleichen handelt. Anders sieht der Fall aus, wenn man zu der Auffassung gelangt, dass das Unternehmen an sich gesund ist. Dann kann u. U. überlegt werden, ob man nicht zu einem Kurs von 5 Euro nachkauft und so den Einstandskurs verbilligt.

Andernfalls ist es wahrscheinlich besser, wenn man die Depotleichen verkauft und das Geld für den Kauf von Aktien eines anderen, gesünderen Unternehmens nutzt. Natürlich ist immer das Risiko vorhanden, dass aus den Aktien von aktuell guten Unternehmen ebenfalls Depotleichen entstehen. Aber das ist der Preis, den Aktionäre für eine langfristig gute Rendite aus Kurssteigerungen und Dividendeneinkünften bezahlen müssen.

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Jörgen Erichsen

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