Aktien – Möglichkeit zur Geldanlage für Jeden?

Aktien – Möglichkeit zur Geldanlage für Jeden?

In Deutschland wie in anderen Länder klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Als ein Grund wird u. a. angeführt, dass es sich nur „die Reichen“ leisten können, in Aktien zu investieren und sich so über stetige Vermögenszuwächse freuen können. Dabei sind Aktienanlage und Vermögensaufbau bei überschaubarem Risiko für nahezu Jeden möglich – auch in Deutschland.

Über die Frage, was unter "reich" oder "arm" zu verstehen ist, soll hier nicht diskutiert werden, da es hierzu viele unterschiedliche Auffassungen gibt. Fakt ist, dass nahezu jede Person die Chance hat, über einen Zeitraum von mehr als 15-20 Jahren ein Vermögen aufzubauen, das dann z. B. im Ruhestand hilft, die Rentenlücke zu überbrücken. Das Problem gerade in Deutschland ist, dass die meisten Menschen am liebsten auf sichere und/oder staatlich geförderte Alternativen zurückgreifen und so – oft ohne es zu wissen – kein Vermögen aufbauen, sondern es über die Jahre sogar reduzieren.

Wer heute z. B. 10.000 Euro als Fest- oder Tagesgeld anlegt, erhält gerade einmal um die 0,1 Prozent Zinsen, häufig sogar weniger. Nach Steuern bleibt im Grunde nichts mehr übrig. Bei einer Inflation von nur 1 % sind von dem Geld in 10 Jahren nur noch gut 9.100 Euro übrig. Bei 2 % nur etwas mehr als 8.250 Euro. Und auch die staatlich geförderten Möglichkeiten zur privaten Altersvorsorge, etwa Lebensversicherungen, Riester- oder Rürup-Renten, werfen nur minimale Renditen ab, womit sich kaum ein Vermögen aufbauen lässt. Gleiches gilt für lang laufende risikoarme Anleihen, mit denen sich inzwischen kaum mehr als 1 % Zinsen erwirtschaften lässt.

Im Kern bleiben Anlegern damit nur Aktien für den Vermögensaufbau übrig. Allerdings haben hier gerade die sicherheitsorientierten Deutschen vor Jahren, als die Deutsche Telekom an die Börse ging, schlechte Erfahrungen gemacht und zum Teil erhebliche Verluste realisiert.

Dabei wurden im Rückblick betrachtet, zahlreiche Fehler gemacht: das Geld wurde größtenteils in Aktien eines Unternehmens gesteckt. Eine Risikostreuung fand nicht statt. Das restliche Geld wurde oft verwendet, um mit Aktien neuer Unternehmen aus der Internet-Branche zu spekulieren. In der ersten Phase der Euphorie und Gewinne haben viele Anleger geglaubt, sie könnten das eingesetzte Kapitel leicht und schnell verdoppeln oder verdreifachen.

Schließlich sind die Kurse gerade von Firmen aus der Telekommunikationsbranche lange nur gestiegen. Und das, obwohl viele Betriebe kein Geld verdient, sondern "verbrannt" haben. Unternehmen aus klassischen Industriebranchen, aus dem Gesundheitswesen oder dem Nahrungsmittelbereich, die zwar keine Kurssprünge verzeichnet haben, aber stets solide Gewinn- und Kursentwicklungen sowie Dividendenzahlungen erreichten, wurden als langweilig abgetan.

Die Folgen sind bekannt: es gab eine Kursblase, die geplatzt ist und die gesamte Börse erfasst hat. Anleger haben reihenweise zum Teil erhebliche Verluste einstecken müssen. Vor allem wegen dieser schlechten Erfahrungen ist in Deutschland der Anteil Menschen, die direkt oder indirekt in Aktien investiert haben, stetig zurückgegangen, sogar noch im letzten und teilweise im laufenden Jahr.

Dass sich die Kurse der meisten Firmen nicht nur erholt haben, sondern dass die Indizes, in denen viele Unternehmen vertreten sind (DAX, DOW & Co.) sich seitdem mehr als verdoppelt haben, scheint kaum jemand wahrzunehmen. Damit vergeben Anleger die Chance, sich ein Vermögen aufzubauen, auch wenn man nicht "reich" ist.

Denn es ist für jeden Bürger, der monatlich 25-50 Euro entbehren kann, gut möglich, über einen Zeitraum von 15-20 Jahren viel Geld zu verdienen. Das gelingt am einfachsten, wenn er diesen Betrag monatlich in einen Fondssparplan, und hier in einen ETF (Exchange Traded Fund). Ersterer ist trotz Schwankungen und Risiken seit der Auflegung Mitte der 1980er Jahre im Schnitt um ca. 8,5 % gestiegen. Zwar gab es zahlreiche Rückschläge, die aber alle aufgeholt und überkompensiert werden konnten. Daher ist auch der lange Zeitraum für eine Anlage in Aktien so wichtig. Man muss auch schlechte Jahre nicht nur mental aushalten, sondern auch finanziell "aussitzen" können. Dafür wird man i.d.R. belohnt.

Wer z. B. vor 20 Jahren einmalig ein ETF-Zertifikat für 10.000 Euro auf den DAX gekauft hat, verfügt heute über etwa 51.000 Euro, wer eine Anleihe mit 4 % Zinsen erworben hat, über knapp 22.000 Euro. Beim aktuellen Zinsniveau von rund 1 % sind es nur 12.200 Euro (alles vor Steuern). Wer also mit kühlem Kopf agiert, über mehrere Jahre in Aktien investiert, und auf eine breite Streuung, etwa mit ETF setzt, kann auch mit eher bescheidenen Mitteln ein ansehnliches Vermögen aufbauen und gehört mit ein wenig Geduld in einigen Jahren selbst zu "den Reichen".

Veröffentlicht am 5. Juni 2015