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Wann Sie zwischen normalen Konflikten und Mobbing unterscheiden müssen

Wann Sie zwischen normalen Konflikten und Mobbing unterscheiden müssen
geschrieben von Julia Poluliakh

Nicht immer ist es leicht, die feine Linie zwischen einem berechtigten Konflikt und subtiler Mobbing-Strategie am Arbeitsplatz zu erkennen. Wenn der Chef die Sekretärin „Tippse“ nennt, ist jedem Beteiligten klar, dass dies unangemessen ist. Doch wie sieht es mit Herrn Meier aus, der seit zwei Wochen jeden Tag einen mehrseitigen Bericht über jeden seiner Arbeitsschritte verfassen muss, ohne dass er vorher negativ aufgefallen wäre?

Definition von Mobbing

Eine offizielle und allgemeingültige Definition gibt es für den Begriff „Mobbing“ nicht, jedoch gibt es einige Punkte, in denen sich die Wissenschaftler und Arbeitsrechtler einig sind: Man kann immer dann von Mobbing sprechen, wenn ein „wiederholtes, unangemessenes Verhalten gegenüber Beschäftigten oder Gruppen von Beschäftigten […] Gesundheits- und Sicherheitsrisiken hervorruft“.

Dieses Zitat stammt aus dem Factsheet Mobbing der Europäischen Agentur für Arbeitssicherheit, bei der Sie sich unter anderem auch umfassend über Themen zur Verbesserung der Arbeitsplatzqualität informieren können.

Mobbing ist also im Wesentlichen ein wiederholtes, unangemessenes Verhalten dem Opfer gegenüber. Doch was bedeutet das genau? Wann ist es ein unbedeutender Konflikt zwischen zwei Mitarbeitern, von denen einer vielleicht mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, und wann handelt es sich um Mobbing?

Experten gehen davon aus, dass es sich mit großer Sicherheit um Mobbing handelt, wenn der Täter in einem Zeitraum von sechs Monaten mindestens einmal pro Woche das Opfer attackiert. Diese Attacken können sehr offensichtlich in Form von Beleidigungen, Ächtung oder sexueller Belästigung ausfallen oder aber auch weitaus dezenter – dadurch jedoch nicht weniger schlimm! – vollzogen werden, z.B. in Form von ständiger unberechtigter Kritik oder Abwertung der Arbeitsleistung, Aufbrummen von unnötigen Arbeiten oder Verbreitung von Gerüchten.

Häufigkeit von Mobbing

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein weit verbreitetes Problem und gewinnt durch jüngste Prozesse immer mehr an Bedeutung in der Unternehmens- als auch Sozialpolitik. Immer mehr Menschen wagen mittlerweile den Schritt, sich gegen Unterdrückung, Demütigung und Bedrohungen durch Vorgesetzte oder Mitarbeiter zu wehren. 

Eine europäische Studie aus dem Jahr 2000 fand heraus, dass ca. 12 Millionen Menschen in Europa jährlich unter Mobbing am Arbeitsplatz leiden. Eine deutsche Umfrage ergab, dass es in Deutschland pro Jahr 1,5-2 Millionen Opfer gibt.

Ursachen von Mobbing

Nicht gerade selten haben die Opfer das Gefühl, sie selbst seien der Grund für die Anfeindungen ihrer Mitmenschen. Auch die gesellschaftliche Meinung zum Thema ist vorgefasst: Vor allem dicke, wenig selbstbewusste oder „hässliche“ Menschen seien Opfer. Doch weit gefehlt. Es kann jeden treffen, denn die Ursache liegt meist nicht in der Opfer-Person selbst begründet.

Häufig entsteht Mobbing als Folge eines eskalierenden Konfliktes. Entweder wird derjenige, der die Kritik – an einem vielleicht höher gestellten Mitarbeiter – geäußert hat zum Opfer oder aber der Kritisierte sucht sich einen „Sündenbock“, um seine Aggression – die er dem Kritiker gegenüber vielleicht nicht ausleben kann – zu kanalisieren. 

Begünstigt werden solche Entwicklungen durch vielerlei innerbetriebliche Missstände. So wird ein Täter eher zuschlagen, wenn Mobbing im Betrieb von der Führungsebene ignoriert und vielleicht sogar toleriert wird. Auch unsichere Arbeitsplätze und somit ein hoher Konkurrenzkampf unter Kollegen kann die Lage zuspitzen. Ein allgemein hohes Stresslevel durch zu hohe Arbeitsanforderungen oder ein schlechtes Betriebsklima im Allgemeinen kann ebenfalls dazu führen, dass eigentlich harmlose Situationen eskalieren.

Letztlich sei noch erwähnt, dass auch diffuse Rollenverteilungen und ein fehlendes Gemeinschaftsgefühl innerhalb eines Unternehmens zu Problemen solcher Art führen können.

Erste Schritte für Betroffene

Wenn Sie sich in einer unangenehmen und oft quälenden Situation befinden, in der Sie von Ihrem Chef oder Mitarbeiter wiederholt angefeindet werden, müssen Sie sich vorab erst einmal eines klar machen: Sie sind nicht Schuld. Sofern Sie im Vorfeld selbst keinerlei Mobbing-Attacken inszeniert haben, gibt es keinen Grund, der ein solches Verhalten Ihres Gegenübers rechtfertigen würde.

Weder Ihre Aussehen, noch Ihr Selbstbewusstsein oder Ihre Arbeitsleistung können und dürfen dazu führen, dass jemand Sie derart wiederholt seelisch verletzt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um diese Tatsache zu verinnerlichen.

Den zweite Schritt, den Sie gehen sollten, haben Sie bereits durch das Lesen dieses Artikels geschafft: Informieren Sie sich über das Thema Mobbing, die Ursachen, Folgen und Ihre Rechte. Tun Sie dies im Internet, in Büchern oder auch bei speziellen Beratungsstellen. „Denn Wissen ist Macht“, wusste auch schon der englische Philosoph Francis Bacon.

Mit dem zweiten Schritt haben Sie sich selbst bereits ein ganzes Stück voran gebracht und sind nun bereit für den nächsten: Lassen Sie sich nicht in die Opfer-Rolle drängen, sondern werden Sie aktiv! Sich über die Thematik zu informieren, war hier schon einmal ein guter Anfang!

Führen Sie dieses Verhalten weiter, indem Sie ein Mobbing-Tagebuch führen, indem Sie das anfeindende Verhalten – am besten mit Datum, genauer Uhrzeit und den beteiligten Personen – dokumentieren. Wenn es denn solche gibt, sollten Sie auch Beweise sichern. Das können zum Beispiel Emails, kleine Briefchen oder die Telefonliste auf Ihrem Diensttelefon sein.

Hilfe suchen

Haben Sie sich nun klar positioniert und für sich entschieden, nicht mehr das Opfer sein zu wollen, sollten Sie sich unbedingt rechtliche und vielleicht auch psychologische Hilfe suchen. Ein Psychologe kann Ihnen zur Not auch dabei helfen, den notwendigen Schritt aus der Opfer-Rolle zu machen. Ansprechpartner finden Sie bei Behörden, Gewerkschaften, Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und natürlich niedergelassenen Ärzten, Psychologen und Anwälten.

Als nächstes können Sie sich dann Verbündete innerhalb Ihres Betriebes suchen. Das können ein netter Kollege, aber vor allem auch der Betriebsrat oder Betriebsarzt sein. Generell gilt, je mehr Einfluss ihr Verbündeter im Unternehmen hat, desto besser. Trauen Sie sich und sprechen Sie die Thematik offen an!

Ausgeglichenheit als Gegenstrategie

Sie haben nun den Stein ins Rollen gebracht und eine Menge dafür getan, dass sich Ihre persönliche Arbeitssituation in naher Zukunft wieder verbessern wird. Doch was können Sie bis dahin unternehmen, um die derzeitig noch angespannte Situation besser durchstehen zu können? Das Zauberwort lautet an dieser Stelle „Ausgeglichenheit“.

Suchen Sie sich ein neues Hobby oder gehen Sie einem alten – welches Sie vielleicht über den ganzen Stress vernachlässigt haben – wieder mit Freude nach. Treiben Sie Sport und bewegen Sie sich ausreichend, denn auch das senkt den Stresslevel im Körper.

Und zu guter Letzt: Bleiben Sie gelassen. So schwierig es auch klingen mag, lassen Sie sich nicht auf die Sticheleien ein, indem Sie selbst aktiv werden. Versuchen Sie sich auf ihre Werte und ihr Ziel von einem besseren Arbeitsplatz zu besinnen und bleiben Sie sachlich. Das – und das garantiere ich Ihnen – wird Ihre Widersacher am meisten aufregen.

Bildnachweis: pressmaster / stock.adobe.com

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Julia Poluliakh