Sozial- und Bildungsmanagement

Kulturdimensionen und Kulturstandards: Machtdistanz

Kulturdimensionen und Kulturstandards: Machtdistanz
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Es gibt verschiedene Kulturdimensionen und Kulturstandards. Eine Kulturdimension ist z. B. die Machtdistanz, die sowohl groß als auch klein sein kann. Was dies im Einzelnen bedeutet und welche besonderen Merkmale die Kulturdimension Machtdistanz aufweist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Kulturdimension "Machtdistanz" – Eine Definition
Machtdistanz wird verstanden als "Grad, bis zu dem die weniger mächtigen Mitglieder von Institutionen und Organisationen in einem Land die ungleiche Verteilung der Macht erwarten und akzeptieren." (1)

Länderspezifische Auswirkungen der Kulturdimension "Machtdistanz"
Dies bedeutet für die Länder mit höherem Machtgefälle die Erwartung eines eher autoritären Systems und Weisungen von oben nach unten. Im Kontrast dazu gibt es Länder mit einem geringeren Machtunterschied, die eher demokratische Entscheidungsprozesse erwarten und in die Richtung einer Gleichberechtigung von Vorgesetzten und Angestellten, Lehrern und Schülern, Eltern und Kindern tendieren.

Länder mit romanischer Sprache (europäische und lateinamerikanische) sowie asiatische und afrikanische Staaten weisen ein deutlich höheres Machtgefälle auf, als andere Länder (wie z. B. die USA oder Großbritannien). Auch der nicht-romanische Bereich Europas weist ein geringeres Machtgefälle auf (2).

Was eine geringe Ausprägung der Kulturdimension Machtdistanz bedeutet:

  • Ungleichheit unter den Menschen sollte so gering wie möglich sein
  • Zwischen den weniger mächtigen und den mächtigen Menschen besteht eine Interdependenz bis zu einem gewissen Grad
  • Eltern behandeln ihre Kinder wie Ihresgleichen
  • Kinder behandeln ihre Eltern wie Ihresgleichen
  • Lehrer erwarten von ihren Schülern Eigeninitiative
  • Lehrer sind Experten, die losgelöstes Wissen vermitteln
  • Schüler behandeln ihre Lehrer wie Ihresgleichen
  • Menschen mit höherer Bildung neigen zu weniger Autorität als Menschen mit weniger Bildung
  • Eine hierarchische Struktur in einer Organisation bedeutet eine ungleiche Rollenverteilung aus praktischen Gründen
  • Tendenz zu Dezentralisation
  • Geringe Gehaltsunterschiede zwischen oberen und unteren Hierarchiestufen
  • Mitarbeiter erwarten, in Entscheidungen mit einbezogen zu werden
  • Der ideale Vorgesetzte ist der einfallsreiche Demokrat
  • Privilegien und Statussymbole stoßen auf Missbilligung

Was eine große Ausprägung der Kulturdimension Machtdistanz bedeutet:

  • Ungleichheit unter den Menschen wird erwartet und ist erwünscht
  • Weniger mächtige Menschen sollten von den mächtigen abhängig sein. Das sieht dann so aus, dass sich die weniger Mächtigen zwischen den beiden Extremen Abhängigkeit und Kontradependenz befinden
  • Eltern erziehen ihre Kinder zu Gehorsam
  • Kinder behandeln ihre Eltern mit Respekt
  • Jede Initiative geht vom Lehrer aus – Lehrer sind Gurus, die ihr eigenes Wissen vermitteln
  • Schüler behandeln ihre Lehrer mit Respekt
  • Sowohl jene mit mehr als auch jene mit weniger Bildung haben die gleiche Einstellung zur Autorität
  • Hierarchische Strukturen in Organisationen sind ein Spiegelbild einer natürlichen Ungleichheit zwischen oberer und unterer Schicht
  • Tendenz zur Zentralisation
  • Große Unterschiede im Gehalt innerhalb der Hierarchie
  • Mitarbeiter erwarten, Anweisungen zu erhalten
  • Der ideale Vorgesetzte ist der wohlwollende Autokrat oder gütige Vater

(1) Losche, H. Interkulturelle Kommunikation, München 2000, S. 28
(2) Losche, H. Interkulturelle Kommunikation, München 2000, S. 29/214

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Dr. Britta Kanacher

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