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Bankentricks bei Krediten – so fallen Sie nicht darauf herein

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geschrieben von experto.de

Die Banken scheinen sich mit Superkonditionen für Kredite gegenseitig zu übertrumpfen. Aber verschenken wollen Banken natürlich nichts. Schließlich gehört das Kreditgeschäft zu ihren wichtigsten Einnahmequellen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich dann auch so manches vermeintliche Schnäppchen als ganz schön teurer Kredit.

Zwar schreibt die Verbraucherkreditrichtlinie vor, wie Banken mit Kreditkonditionen werben dürfen. Mit viel Kreativität schaffen sie es trotzdem, teure Kredit-Angebote günstig erscheinen zu lassen. Weitverbreitete Bankentricks sollten Sie kennen, um sich vor bösen Überraschungen zu schützen:

1. Top-Konditionen gibt es nur bei ausreichender Bonität

Ratenkredite zu unter 5 Prozent? Die gibt es tatsächlich! Aber längst nicht für alle. Denn wenn eine Bank damit wirbt, steht zuverlässig im Kleingedruckten, dass dazu eine ausreichende Bonität erforderlich ist. Die Bonität wird für jeden Kreditnehmer individuell ermittelt. Sie gibt an, wie die Bank die Zuverlässigkeit einschätzt, mit der der Kunde den Kredit zurückzahlt.

Welche Bonität die Bank für Top-Konditionen verlangt, legt sie selber fest. Wie die Bonität genau berechnet wird, ist zudem ein großes Geheimnis jeder Bank und alles andere als standardisiert. Ob Ihnen also bei einem Kreditangebot die beworbenen Top-Kreditkonditionen auch angeboten werden, wissen Sie vorher nicht.

Die Preisangabenverordnung schützt Sie zumindest insofern vor sogenannten Schaufenster-Angeboten oder Lockzinsen, als die Konditionen für mindestens 2/3 der potenziellen Kunden erreichbar sein müssen (§ 6a PAngV). Aber ob die Schätzungen der Bank tatsächlich realistisch sind, ist kaum nachvollziehbar.

2. Hinter 56 Euro monatlicher Rate für einen Kredit kann ein hoher Zinssatz stecken

Statt einen Zinssatz anzugeben, werben manche Banken mit einem absoluten Betrag für die monatlichen Raten. Aus gutem Grund! Denn meistens steckt hinter der kleinen Rate dann ein hoher Zinssatz. So wirbt eine große deutsche Bank mit einem Verbraucherkredit, bei dem für 3.000 Euro monatlich nur 56 Euro Zins und Tilgung zu zahlen sind.

Was aber erst kleingedruckt in den Unterlagen erwähnt wird: Das Angebot entspricht einem effektiven Jahreszins von 8,79 Prozent. Das erscheint doch schon deutlich teurer. Und: Zugrunde gelegt wird dem Beispiel-Angebot eine Laufzeit von 84 Monaten. Zusammengerechnet müssten Sie für den 3.000-Euro-Kredit stolze 4.704 Euro zurückzahlen  – einen Aufschlag von 57 Prozent! Hört sich das immer noch so günstig an?

Lassen Sie sich nicht von kleinen Ratenbeträgen beeindrucken. Verlangen Sie bei Kreditangeboten immer auch eine Berechnung der Gesamtbelastung. Nur die zeigt Ihnen, wie teuer ein Kredit am Ende wirklich für Sie wird.

3. Vorsicht, wenn der Bankberater mit dem Nominalzins argumentiert

Eine entscheidende Rolle für einen Vergleich von Kreditangeboten spielt der effektive Jahreszins. Denn der beinhaltet über die direkten Kosten hinaus auch die Nebenkosten für einen Kredit. Mancher Bankberater hantiert aber lieber mit dem Nominalzins. Nebenkosten werden dabei ausgeblendet. Die Nebenkosten sind jedoch teilweise ganz schön happig. Oft verlangen Banken nämlich neben den Zinsen Gebühren. Verbreitet sind z. B. Bearbeitungsgebühren von zum Teil 3 Prozent der Kreditsumme!

In einem schriftlichen Angebot muss die Bank immer den effektiven Jahreszins ausweisen. Der ist für Sie maßgeblich. Schauen Sie bei Vergleichen mit anderen Kreditangeboten aber auch darauf, wie hoch die Differenz zwischen Nominal- und Sollzins ist. Liegt der Sollzins bei einer Bank erheblich über dem Nominalzins, sind dafür meist hohe Gebühren verantwortlich.

4. Bank kassiert für zusätzliche Versicherung

Es kann passieren, dass Sie einen Kredit nicht zurückzahlen können, z. B. wegen Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit. Dafür gibt es sogenannte Restschuldversicherungen. Die übernehmen im Fall der Fälle die Kreditrückzahlung. Aber natürlich nicht kostenlos. Banken bestehen oft auf solchen Versicherungen – und kassieren damit zusätzlich.

Bei niedrigen Kreditbeträgen von unter 10.000 Euro muss eine Restschuldversicherung nicht sein. Das Ausfallrisiko für die Banken ist dabei gering. Außerdem werden Sie als Kreditnehmer häufig auch andere Absicherungen haben, z. B. eine Berufsunfähigkeits- oder Lebensversicherung.

Will eine Bank einen Ratenkredit nur zusammen mit einer Versicherung ausreichen, weisen Sie auf vorhandene Versicherungen hin. Akzeptiert die Bank Ihre Versicherungen nicht, bestehen Sie zumindest darauf, eigene Angebote für eine weitere Absicherung einholen zu dürfen. Meist werden Sie schnell auf günstigere treffen als die von der Bank.

5. Gebühren für abgelehnte Angebote

Dass Sie sich Angebote von unterschiedlichen Banken machen lassen, um zu vergleichen, sollte selbstverständlich sein. Die Banken dürfen für Angebote, die nicht zu einem Vertrag führen, keine Gebühren kassieren (OLG Dresden, 8.2.2001, Az: 7 U 2238/00). Sollte eine Bank trotzdem Gebühren verlangen, weisen Sie entsprechende Forderungen zurück.

Das ist nicht anders als bei einer teuren Anschaffung. Wenn Sie sich z. B. in mehreren Autohäusern Angebote für ein Auto machen lassen, zahlen Sie dafür ja auch nichts. Auch nicht, wenn Sie das Auto später bei einem anderen Händler kaufen.

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