Kredit

Kredito.de: Mini-Kredite zu Maxi-Kosten

Bis zu 400 Euro ganz schnell für bis zu 30 Tage geliehen bekommen – und das für nur 0,5 Prozent Effektivzins: Damit wirbt der neue Internetdienst Kredito.de. Der Kredit-Kunde muss aber ein „Bonitätszertifikat“ kaufen, was die Kosten auf 300 Prozent Jahreszins und mehr treibt. Wie seriös ist Kredito.de, welche Alternativen gibt es? (Stand: Mai 2012)

Kredito.de ist ein Angebot der Kredito OFS GmbH in Hamburg. Das Unternehmen bezeichnet sich als "Deutschlands schnelle, einfache und transparente Minikreditplattform". Kredito.de will mit Kleinkrediten mit bis zu 30 Tagen Laufzeit eine Lücke im Angebot von Banken schließen. Nach einem Antrag sei das Geld auch viel schneller beim Kunden: "Wir überweisen in 15 Minuten das Geld auf Dein Konto, ohne Post-Ident oder Schriftvertrag."

Welche Informationen fragt Kredito.de ab?

Neben Fragen zur Person (u. a. Personalausweis-Nummer) werden Angaben zum Arbeitsverhältnis und dem Familienstand verlangt. Der Kredit-Interessent muss unter anderem seine Handynummer, seine Onlinebanking-Daten oder eine Kopie des Personalausweises sowie Gehaltsnachweise übermitteln.

Wie wird die Bonität bei Kredito.de geprüft?

Nach eigenen Angaben arbeitet Kredito.de nicht mit der Schufa zusammen. Ob andere Auskunfteien genutzt werden, bleibt offen. Die Bonität werde nach einem selbst entwickelten, automatisierten Verfahren geprüft. Nähere Angaben werden nicht gemacht. Die Bonität wird in einem "Bonitätszertifikat" festgehalten, das 30 Tage gültig ist. Die Kosten dafür: 29,90 Euro (bis 200 Euro Kredit) oder 49,90 (bis 400 Euro Kredit).

Wie teuer ist Kredito.de wirklich?

Kredito.de behauptet, günstiger als Banken zu sein. Der genannte Effektivzins (zuzeit 0,5 Prozent) wäre das tatsächlich. Rechnet man indes die Kosten für das "Bonitätszertifikat" mit ein, ergeben sich ganz andere Zahlen. Bei 400 Euro Kredit mit einem Monat Laufzeit und rund 50 Euro Kosten für Zinsen und "Bonitätszertifikat" liegt der Effektzins bei 310 Prozent. Bei 300 Euro Kredit für einen Monat und ebenfalls rund 50 Euro Kosten würde der Effektivzins bei 535 Prozent liegen.

Sind solche hohen Zinsen legal?

"Effektivzinsen von 300 Prozent und mehr könnten als Wucher gewertet werden", sagt der auf Bankrecht spezialisierte Rechtsanwalt Professor Julius Reiter. Kredito.de rechnet aber die fixen Kosten für das zwingend notwendige "Bonitätszertifikat" heraus. Ob das zulässig ist, werden möglicherweise die Gerichte entscheiden müssen. "Laut Preisangabenverordnung müssen alle Kosten, die zwangsläufig mit einem Kredit anfallen, in den Effektivzins eingerechnet werden", so Professor Reiter.

Außerdem haben zahlreiche Gerichte in jüngster Zeit geurteilt, dass Banken keine "Bearbeitungsgebühren" etwa für die Bonitätsprüfung auf Kunden abwälzen dürfen (u. a. Pfälzische Oberlandesgericht, Az: 4 U 174/10). Die Kosten für das "Bonitätszertifikat" könnten wie "Bearbeitungsgebühren" gewertet werden. Kunden könnten dann die Kosten zurückfordern, sollten bei Kredito.de die Gerichte ähnlich entscheiden.

Gibt es ähnliche Angebote wie Kredito.de?

Ja, in Großbritannien sind seit einigen Jahren mehrere Dienstleister wie QuickQuid oder Wonga am Markt und haben nach Schätzungen von 2007 bis 2010 immerhin 1,7 Milliarden Pfund an Krediten zu extrem hohen Zinsen verliehen. In Deutschland bietet nach einem ähnlichen Prinzip "vexcash" Mini-Kredite an.

Die experto.de-Redaktion meint: Die Kosten der schnellen Mini-Kredite sind viel zu hoch – vor allem dann, wenn jemand das Geld unerwartet länger braucht und das "Bonitätszertifikat" jeden Monat erneuert werden muss. Selbst ein bis zum Anschlag überzogenes Girokonto kommt bei der teuersten Bank nur auf knapp 20 Prozent Effektivzins p.a. 

In absoluten Notfällen, wenn die Bank keinen Euro mehr rausrückt, ist immer noch das gute alte Pfandhaus besser. Die Zinsen und Gebühren sind im Pfandhaus für Beträge bis 300 Euro gesetzlich festgelegt. Pro Monat sind es ein Prozent Zinsen sowie einmalig 6,50 Euro Gebühren – im Vergleich zu Kredito.de ein Schnäppchen.

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Über Ihren Experten

Burkhard Strack

Burkhard Strack ist Fachjournalist (DFJV-Mitglied) in den Ressorts Gesundheit, Finanzen und Marketing, Werbeprofi (Google AdWords Premium Partner) und Inhaber des Beraterportals experto.de.