Basiswissen Zertifikate: Hebelzertifikate (Teil 2)

Nachdem wir im Ihnen im ersten Teil unserer kleinen Zertifikate-Serie bereits die Index- und Basketzertifikate näher erläutert haben, sind heute die Hebelzertifikate an der Reihe. Hebelzertifikate treten häufig in der Form der sog. „Turbo-“ oder „Knock-Out-Zertifikate“ auf.

Mit Hebel-Zertifikaten kann ein Basiswert (="Underlying", z. B. ein Index, eine Aktie etc.)  zu einem günstigeren Preis gekauft werden. Es existiert hierbei jedoch eine sog. Knock-Out-Grenze, bei der das Hebelzertifikat wertlos verfällt. Durch den Hebel partizipiert ein Hebelzertifikat erheblich stärker von Kursschwankungen als der darunter liegende Basiswert, in positiver wie auch in negativer Hinsicht.

Typen von Hebelzertifikaten

  1. Spekulation auf steigende Kurse: Diese werden häufig als Bull-, Long-Zertifikate oder Wave Calls bezeichnet.
  2. Spekulation auf fallende Kurse: Diese werden häufig als Bär-, Short-Zertifikate oder Wave Puts bezeichnet.

Es existiert zwischen den Emittenten Uneinigkeit, ob es sich hier um Zertifikate handelt, daher wird auch der Begriff "KnockOut-Produkte" verwendet.

Beispiel für die Funktionsweise eines Hebelzertifikates
Wenn der DAX beispielsweise bei 4.000 Punkten liegt, würde ein Hebelzertifikat mit einem Finanzierungslevel (auch "Strike" genannt) von 3.000 Punkten in diesem Fall 1.000 EUR kosten. Es gilt allerdings noch das Bezugsverhältnis zu beachten. Beim DAX ist dies in der Regel 1:100 (0,01). Da die Bank noch ein Aufgeld (bzw. Abgeld bei Short) berechnet, muss dieses auch berücksichtigt werden. In diesem Beispiel gehen wir einfach von einem Aufgeld von 10 EUR aus:

Für Long-Werte (Spekulation auf steigende Kurse) gilt hierbei die folgende Formel:

(Basispreis+Aufgeld) – Strike x Bezugsverhältnis = Preis Hebelprodukt

( (4.000 + 10 ) – 3.000 ) x 0,01 = 10,10 €

Sollte der DAX auf 4500 Punkte steigen wäre der Wert auf 15 € gestiegen:

( (4.500 + 10 ) – 3.000 ) x 0,01 = 15,10 €

Sollte der DAX unter das Finanzierungslevel (in diesem Beispiel 3.000 Punkte) fallen, wird das Zertifikat ungültig und die eingesetzte Summe (inklusive des Aufgelds) geht verloren.

Durch das Finanzierungslevel steigt für den Anleger die Möglichkeit, stärker von den Kursschwankungen zu profitieren, als es bei einem klassischen Index-Zertifikate der Fall wäre. Im vorangegangen Beispiel wäre der DAX von 4.000 auf 4.500 Punkte gestiegen, was einer Entwicklung von +12,5% entspricht. Das Hebelzertifikat ist aber von 10,10 EUR auf 15,10 EUR gestiegen, das entspricht +49,5%.

Dieser höhere Prozentsatz ergibt sich durch den sogenannten Hebel. Der Hebel berechnet sich wie folgt:

(Basispreis / Preis des Zertifikats) x Bezugsverhältnis = Hebel

( 4.000 / 10,10 ) x 0,01 = 3,96

Daher ergibt sich bei einer Index-Preissteigerung von 12,5% :

Prozentsatz Basispreis x Hebel = Prozentsatz Hebelproduktes

12,5% x 3,96 = 49,5%

Bei Short-Zertifikaten (Spekulation auf fallende Kurse) wird der Basispreis folgendermaßen berechnet:

(Strike – (Basispreis+Abgeld)) x Bezugsverhältnis = Preis Hebelprodukt

Dadurch ergeben sich steigende Kurse des Zertifikates bei fallenden Preisen.

Bei verschiedenen Emittenten gibt es neben der "Knock-Out Schwelle" zusätzlich noch einen "Stop-Loss-Kurs", bei dessen Erreichen der Restwert des Zertifikates ausgezahlt wird. Es handelt sich hierbei um eine andere Konstruktion des Zertifikates durch den Emittenten, die als zusätzliche Absicherung angesehen werden kann. Der Anleger bekommt hierbei  einen Teil seines gezahlten Aufgelds vom Emittenten zurück, muss hierfür allerdings auch regelmäßig ein höheres Aufgeld beim Erwerb des Zertifikates bezahlen.

Das Risiko bei Hebelzertifikaten ist sehr hoch, da bei Über- bzw. Unterschreiten des "Strike" das Zertifikat wertlos verfällt!

Veröffentlicht am 11. März 2009
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Autor
Sven Bayer