Erziehung

Hilfe, mein Kind will nicht essen – Tipps für Suppenkasper

Hilfe, mein Kind will nicht essen – Tipps für Suppenkasper
geschrieben von Adelheid Fangrath

Ständig mäkelt Ihr Kind am Essen und Sie haben den Eindruck, Ihr Kind isst nicht genug. Mit etwas Glück landen vielleicht einige Nudeln mit viel Ketchup im Kindermagen, aber gesundes Gemüse meidet der Suppenkasper konsequent. Je mehr die Eltern das Essen thematisieren und Druck ausüben, desto sturer verweigert das Kind die Nahrung und will nicht essen. Unsere Ratschläge helfen Ihnen, die Mahlzeiten zu entkrampfen.

Wie viel Essen braucht mein Kind?

Obwohl es in unserer Wohlstandsgesellschaft zu viele dicke Kinder gibt, denken viele Eltern, ihr Kind esse nicht genug und sei deshalb zu dünn. Tatsächlich funktioniert bei Kleinkindern, was wir Erwachsenen längst verlernt haben: Sie essen, wenn sie hungrig sind und stoppen die Nahrungsaufnahme, wenn sie satt sind.

Erst wenn sich die Eltern einmischen, gerät dieses Gleichgewicht durcheinander. Dies passiert vor allem, wenn sich die Eltern bei der Kalorienmenge für ihre Kinder verschätzen. Orientieren Sie sich nicht an Solltabellen, denn manchmal isst Ihr Kind Unmengen und an anderen Tagen verschmäht es selbst das Leibgericht.

Meine Suppe esse ich nicht

Mit zunehmendem Alter entwickeln Kinder ihren eigenen Kopf. Sie bestimmen, welche Kleidung sie tragen und welche Spiele sie spielen. Eltern kämen nie auf die Ideen, ihrem Kind statt dem Lieblingsspiel ein anderes Spiel aufzudrängen. Aber beim Thema Essen endet leider diese Toleranz den Kindern gegenüber.

Im Hinblick auf eine gesunde Ernährung schreiben die Eltern vor, was das Kind isst oder auch nicht isst. Je stärker sie Druck auf das Kind ausübt, desto vehementer verweigert das Kind die ungeliebten Speisen. Die gemeinsamen Mahlzeiten entwickeln sich für Eltern und Kind zu einem scheinbar unlösbaren Drama.

Einseitige Ernährung und Nährstoffmangel

Jedes Kind hat eine Phase, in der es Speisen wie Nudeln bevorzugt. Mütter und Väter empfinden diese einseitige Ernährung als problematisch und denken, ihr Kind esse nicht. Zum Teil suggeriert die Werbung besorgten Eltern, dass Kinder nicht genug Vitamine und Nährstoffe zu sich nehmen.

Die angereicherten Lebensmittel speziell für Kinder fördern weniger deren Gesundheit als den Umsatz des Unternehmens. Tatsächlich wird niemand krank, nur weil er eine Zeitlang kein Obst und Gemüse isst. Ist Ihr Kind aktiv, ist dies ein gutes Zeichen, dass eine zeitweilige einseitige Ernährung ihm nicht schadet.

Fehlender Appetit kann auch auf eine Krankheit hinweisen. Nehmen Sie unbedingt alle Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt wahr. So erfahren Sie, ob Ihr Kind sich altersgemäß entwickelt. Ihr Arzt kann auch das Gewicht Ihres Kindes beurteilen und feststellen, ob Untergewicht vorliegt. Manche Kinder sind vom Typ her sehr dünn aber trotzdem gesund. Suchen Sie den Arzt auf, wenn Ihr Kind blass aussieht, keine Energie hat und oft krank wird.

Mein Kind will nicht essen – Tipps für Suppenkasper

  • Nehmen Sie sich in Zukunft vor, die Mahlzeiten zu entkrampfen. Zwängen Sie Ihrem Kind keine Speisen auf. Es ist gar nicht so leicht, die einseitige Ernährung des Kindes bzw. sein Mäkeln am Essen zu ignorieren. Denken Sie daran, das ist nur eine Phase. Mit Streitereien und Zwang wecken Sie bei Ihrem Kind auch keine Freude an den Speisen. Also geben Sie sich einen Ruck und probieren Sie diesen Weg: Kommentieren Sie nicht, wie Ihr Kind isst.
  • Bieten Sie Ihrem Kind abwechslungsreiche Nahrung an, aber kochen Sie keine besonderen Extragerichte. Lassen Sie Ihr Kind entscheiden, was es und wie viel es essen möchte. Kochen Sie einmal in der Woche ein Gericht, das sich Ihr Kind wünscht.
  • Kinder sind neuen Gerichten und Lebensmitteln gegenüber skeptisch. Sie brauchen Zeit, sich an neue Geschmacksrichtungen zu gewöhnen. Auch wenn Ihr Kind zunächst neue Speisen ablehnt, bieten Sie immer wieder ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot an. Seien Sie ein Vorbild und greifen Sie selbst immer wieder mit Genuss zu.
  • Achten Sie auf die Zwischenmahlzeiten. Wenn ein Kind sich zwischendurch mit Fruchtjoghurt oder Süßigkeiten vollstopft, ist es bei den Hauptmahlzeiten satt. Am besten reichen Sie Ihrem Kind zwischendurch Obst und Gemüse in mundgerechten Stückchen.
  • Führen Sie feste Zeiten für die Mahlzeiten ein, zu denen sich möglichst die ganze Familie an dem hübsch gedeckten Tisch versammelt. Stellen Sie die Regel auf, dass in Ruhe gegessen wird und alle so lange sitzen bleiben, bis der Letzte aufgegessen hat.
  • Füllen Sie den Teller des Kindes nicht zu voll. So hat es die Chance aufzuessen und eventuell um einen Nachschlag zu bitten. Zwingen Sie Ihr Kind nicht, den Teller leerzuessen wenn es satt ist.
  • Führen Sie beim Mittagessen neue Rituale ein. Zum Beispiel darf jeder in Ruhe von seinen Erlebnissen an diesem Tag erzählen. Oder nach der Mahlzeit stimmt die Familie als Gourmetkritiker über das Essen ab: Was hat besonders gut geschmeckt, welche Aromen kitzelten den Gaumen?
  • Wenn bei Ihnen schon länger bei den Mahlzeiten eine angespannte Stimmung herrscht, versuchen Sie die Atmosphäre mit diesem Spiel zu entkrampfen: Beim Essen ruft ein Kind „Hexe“ oder „Stopp“. Jetzt verharren alle in der jeweiligen Bewegung, bis das Kommando „Weiter“ gegeben wird. Nun ist das nächste Kind an der Reihe.
  • Bringen Sie etwas Spaß in die Mahlzeiten und essen Sie wie im Mittelalter die Hähnchenkeule mit den Händen. Oder die Familie versucht mit Stäbchen zu essen.
  • Ein Kind isst mit den Augen, deshalb mag es viele Lebensmittel nicht, wenn diese merkwürdig aussehen. Eine braune Stelle auf dem Apfel verdirbt Kindern schon den Appetit. Bieten Sie Ihrem Suppenkasper deshalb nur optisch einwandfreie Lebensmittel an.
  • Auf dem Teller lieben viele Kinder eine klare Trennung der einzelnen Speisen und wünschen Kartoffeln, Gemüse, Fleisch und Soße ordentlich getrennt. Vermischt sich Soße mit Gemüse, beginnen die Kids sofort zu mäkeln. Respektieren Sie diese Vorliebe. Notfalls richten Sie das Gemüse auf einen Extrateller an.
  • Erhöhen Sie den Spaßfaktor, indem Sie den Gerichten fantasievolle Namen geben: Piratenteller, Räubersuppe, Zauberschnitzel. Wenn es Ihnen Freude macht, können Sie die Gerichte auch besonders dekorativ anrichten. Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn Ihr Kind das stundenlang geschnitzte Rübenauto verschmäht, weil es nun einmal keine Möhren mag.
  • Nahrung ist ein Grundbedürfnis und weder als Belohung noch als Strafe geeignet.
  • Kochen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind. Lesen Sie, wie Sie mit Ihrem Kind tolle Gerichte in der Küche zaubern.

Literaturhinweis:

Viele Informationen zum Thema finden Sie in diesem lesenswerten Buch:
Kast-Zahn, Annette und Dr. med. Hartmut Morgenroth: Jedes Kind kann richtig essen. GU Verlag 2007, ISBN:3-9804493-9-4

Bildnachweis: patrick / stock.adobe.com

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