Geldanlage

4 Gründe, wieso Sie Ölaktien trotz Preisverfall kaufen können

geschrieben von Jörgen Erichsen

Die Welt wird von Öl aktuell regelrecht geflutet. Das „schwarze Gold“ ist im Überfluss vorhanden, u. a., weil die USA immer mehr in der Lage sind, sich selbst zu versorgen und die OPEC ihre Förderquoten nicht drosselt. Das Überangebot an Öl wirkt sich nicht nur positiv auf Verbraucher aus, die weniger für Energie zahlen müssen. Sollten Anleger in dieser Situation noch Ölaktien kaufen?

So positiv die Ölschwemme und mit ihr die sinkenden Preise für Industrie und Privatverbraucher sind, für die Ölkonzerne bedeuten sie sinkende Gewinne. Denn den Multis brechen die Umsätze weg; der Ölpreis hat sich innerhalb eines Jahres etwa halbiert. Sollen Aktionäre deshalb einen Bogen um diese Unternehmen machen oder gerade jetzt Ölaktien kaufen?

1. Gewinne sind rückläufig aber keine Verluste

Fakt ist, dass die meisten Konzerne immer noch gutes Geld verdienen. Nur die Gewinne sind rückläufig, es entstehen keine Verluste. Royal Dutch Shell beispielsweise hat im letzten Quartal "nur" noch 3,8 Mrd. Dollar statt vorher 6,1 Mrd. Dollar verdient. Ähnlich ging es anderen Konzernen. Und natürlich wirkt sich das auf den Kurs der Unternehmen aus. Diese bewegen sich seit Monaten im Prinzip nur seitwärts, nennenswerte Steigerungen sind nicht zu verzeichnen.

Dennoch waren die meisten Analysten überrascht, wie gut die Unternehmen den Preisverfall insgesamt wegstecken. Sie hatten mit einem weitaus stärkeren Rückgang gerechnet. Und die Konzerne reagieren in Zeiten fallender Entgelte auch mit Sparmaßnahmen. Shell beispielsweise möchte durch Stellenstreichungen und andere Einsparungen noch in diesem Jahr 4 Mrd. Dollar an Kosten einsparen. Somit wäre der Gewinnrückgang zumindest zu großen Teilen ausgeglichen.

2. Gewinne nicht nur durch Benzinverkauf

Für die Konzerne spricht auch, dass sie nicht nur am Verkauf von Benzin und Diesel verdienen, sondern im Prinzip über die gesamte Wertschöpfungskette. Denn die Unternehmen fördern und verarbeiten Erdöl zumindest zu großen Teilen selbst und verdienen an jeder Verarbeitungsstufe. 

3. Hohe Dividendenzahlungen

Zudem zählen Ölkonzerne zu den Unternehmen, die meist eine hohe Dividende zahlen. Bezogen auf Shell heißt das, der Konzern zahlt auf das Jahr gerechnet rund 1,70 Euro Dividende (die nach Angaben des Managements auch 2016 zumindest stabil gehalten werden soll). Bei einem Aktienkurs von etwa 26 Euro ergibt sich somit eine stattliche Dividendenrendite von rund 6,5 % (leider vor Steuern). Ähnlich sieht es bei anderen Unternehmen aus. BP etwa zahlt 40 Cent Dividende. Bei einem Aktienkurs von etwa 6 Euro sind das ebenfalls über 6,5 % Dividendenrendite (vor Steuern).

4. Ölpreis wird zukünftig wieder steigen

Und früher oder später wird auch der Ölpreis wieder steigen, spätestens, wenn sich die Weltwirtschaft wieder besser entwickelt. Dann sollten auch die Kurse der Ölaktien wieder steigen. Wer bereits Ölaktien besitzt, kann sich über die Dividende als "Entschädigung" für die Wartezeit freuen. Und Aktionäre, die über einen Einstieg nachdenken, haben gute Chancen, dass sie sich in ein paar Jahren über deutlich höhere Kurse freuen können.

Fazit:In jedem Fall sollten interessierte Aktionäre nicht alles auf eine Karte setzen und auf eine breite Streuung von Unternehmen und Branchen achten. Ölaktien sollten daher immer nur einen Teil des Portfolios ausmachen. Faustregel: Man sollte in 5 – 6 stabile Branchen (auch Energie/Öl) investieren und darauf achten, dass man rund 12 – 15 verschiedene Aktien besitzt. Einzelne Aktien sollten daher nicht mehr als etwa 6,5 – 8,5 %, einzelne Branchen nicht mehr als rund 16 – 20 % am Gesamt-Aktienportfolio ausmachen.

Und natürlich sollte auch der Aktienanteil am Gesamtvermögen nicht zu hoch liegen. Faustregeln lassen sich hier kaum nennen, da der Anteil stark von persönlicher Situation, Risikobereitschaft und Alter abhängen. Experten raten aber immer wieder dazu, nicht mehr als 30 bis allerhöchstens 50 % des Vermögens in Aktien zu investieren.

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Jörgen Erichsen

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