Familie Praxistipps

Wie Sie hyperaktive Kinder und Spätentwickler fördern

Lesezeit: 4 Minuten Ein Spätentwickler oder ein hyperaktives Kind muss nicht immer zwingend ADS haben. Eine verzögerte Entwicklung kann bei einem Kind auch dann eintreten, wenn es unbemerkt immer wieder zu kurz kommt, weil z. B. Geschwisterkinder die Energie der Eltern restlos einfordern. Am wirkungsvollsten kann die ungewollte "Betriebsblindheit" der Eltern mithilfe einer Pflegekraft erkannt und behoben werden, die die Familie unterstützt. Mit kleinen Übungen können Sie Ihre Kinder aber auch im Alltag fördern und fordern.

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Wie Sie hyperaktive Kinder und Spätentwickler fördern

Wie Sie hyperaktive Kinder und Spätentwickler fördern

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Hausgemachte Entwicklungsstörungen sind schnell passiert

Entwicklungsverzögerungen können sich auch jenseits von ADS und Co. einfach dadurch manifestieren, dass Sie ein Kind, was mindestens noch ein Geschwisterchen hat, über längere Zeit nicht genügend fordern und ihm Anregungen bieten, sondern es viel zu oft „abstellen“. Das passiert immer dann, wenn Sie selbst zeitlich überfordert sind und aufgrund eines anderen, besonders aufgeweckten Kindes, das alle Energie von Ihnen einfordert, das ruhige Kind oft zu kurz kommt.

Unbewusst kann sich dann eine Schieflage einschleichen und bis zur Vernachlässigung des ersten (ruhigeren) Kindes führen. Wenn Sie jetzt hellhörig werden und bemerken „Halt, da stimmt doch etwas nicht“, ist noch alles von Ihnen selbst korrigierbar. Folgenreich wird es erst dann, wenn Sie diese Schieflage aus einer gewissen Überforderung und Betriebsblindheit heraus nicht mehr bemerken. Erst recht, wenn Sie dann zu jener falschen Schlussfolgerung kommen: „Mein Kind ist geistig zurückgeblieben!“

Wiedereinstieg in anspruchsvollen Beruf birgt Risiken

Hausgemachte Entwicklungsstörungen treten nicht selten gerade dort auf, wo Sie als Eltern anspruchsvolle Berufe haben, die Ihren Zeitfonds arg strapazieren. Besonders in der Phase des Wiedereinstiegs in den Beruf kumulieren sich die Anforderungen und Probleme in der Kindererziehung; hier sind die Gefahren für ein (ungewollt) vernachlässigtes Kind besonders hoch. Deshalb ist es sinnvoll, für diese Zeit externe Hilfe von außen zu holen und zunächst mit Teilzeit zu prüfen, ob der berufliche Wiedereinstieg mit Ihrem Problemkind überhaupt möglich ist.

Die Kinderbetreuung auf Abruf, die eine besonders erfahrene Kraft sein muss, ist eher in der Lage, Ihre Betriebsblindheit zu durchbrechen. Sie bringt noch einen unvoreingenommenen Blick mit und kann die eingeschliffene Szenerie bei Ihnen zu Hause besser wahrnehmen. Nachfolgend soll es darum gehen, wie Sie die aus der Balance geratene Situation – zusammen mit der Pflegekraft – wieder korrigieren können.

Bieten Sie Ihrem Kind genügend Anregungen

Wenn sich Ihr Sorgenkind zum Ende des ersten Lebensjahres noch auffallend ruhig und unbeweglich zeigt, geradezu faul ist und sich so gut wie nicht selbst bewegt, nicht krabbelt, nicht redet, nicht läuft, kann es von großem Vorteil sein, sich von einer externen Pflegeperson bei der Aktivierung des Kindes helfen zu lassen. Der erste Schritt auf dem Wege der Besserung ist das Erkennen, dass es hier eine solche Vernachlässigung überhaupt gibt. Denn von da an können Sie Ihre Prioritäten neu setzen: das ruhigere Kind auf neue bewusste Weise einbeziehen und sich eine neue Überzeugung zulegen.

Sie müssen davon überzeugt sein, dass Ihr Kind sich bessern kann, wenn es nur die Chance dazu erhält, eigene Dinge zu versuchen. Jedes Kind braucht Anregungen, um in der Entwicklung voranzukommen und stagniert, wenn es immer zu kurz kommt. Suchen Sie deshalb nach Ideen, um Ihren „Faulpelz“ aus seiner Passivität herauszuholen, egal ob sie draußen an der frischen Luft oder bei Ihnen in der Wohnung umzusetzen sind.

Blattspiel – einfachste Bewegungsübung für unterwegs

Beginnen Sie damit, Ihr Kind zum Greifen zu animieren. Auch wenn Ihr Kind noch sehr klein ist und im Kinderwagen sitzt, können Sie diese Zeit schon für einfache Bewegungsübungen nutzen, z. B. mit dem Blattspiel.

Fahren Sie dazu den Kinderwagen dicht an eine rechts- oder linksstehende Hecke heran, die den Bürgersteig säumt. Steuern Sie den Wagen langsam in die dünnen Zweige und Blätter (prüfen Sie vorher, ob die Hecke frei von Dornen ist!) und zeigen Sie Ihrem Kind, wie man in die Blätter greift und eines abreißt. Ganz sicher ist dies kein besonderes Spiel, aber ein einfaches, was überall möglich ist.

Führen Sie Ihrem Kind das Abreißen der Blätter wiederholt vor, bis es das Spiel nachahmt. Ein Kind, das immer zu kurz kam, ist dankbar für jede neue Zuwendung. Es wird selbst versuchen wollen, nach einem Blatt zu greifen. Drücken Sie dann Ihre Freude lautstark aus („Prima!“) und klatschen Sie dazu in die Hände. Das wird die Freude an der kleinen Aufgabe noch erhöhen.

Ab jetzt müssen Sie allerdings aufpassen, dass Ihr Kind kein Blatt in den Mund wandern lässt und womöglich verschluckt, denn es gibt auch ungenießbare Blätter. Fahren Sie langsamer, wenn Sie sehen, dass Ihr Kind ein Blatt greifen und abreißen möchte, damit es ihm auch gelingt.

Seien Sie erfinderisch, damit Sie alle Kinder gleichermaßen einbeziehen

Mit Ihrem ruhigen Kind auf dem Arm spielen Sie nun zusammen mit Ihrem wilden Kind jene Spiele, bei dem Ihr Problemkind früher nur im Wagen lag. Geben Sie Ihrem unruhigen Kind ein Stöckchen in die Hand. Es soll das Stöckchen hinter sich herziehen, damit es einen Strich auf dem Sandboden erzeugt. Diese geschlängelte Linie gehen Sie mit dem anderen Kind auf dem Arm nach.

Ihr unruhiges Kind wird sich über diese Übung freuen. Es wird ganz begeistert sein, dass Sie seine Linien für dieses Spiel nutzen und auch Ihrem ruhigen Kind wird es gefallen. Und damit alles nicht lautlos geschieht, ahmen Sie beim Ablaufen der Schlangenlinien den Flug einer Biene nach: „Summ, summ, summ.“

Weitere Spiele an der frischen Luft

  • Holzstücke rollen und Fangspiele: Während Sie das Blattspiel mit Ihrem Kind machen, lassen sich beim Weiterlaufen durch einen Park immer neue Dinge entdecken, die zum Spielen anregen. Manchmal liegen größere runde Holzstücke von einem dicken Stamm auf dem Boden. Sie eignen sich für das Spiel „Holzstücke rollen“. Ihr aktiveres Kind wird sie vielleicht zuerst entdecken und sich bereits auf eines der Holzstücke setzen.Lassen Sie den Kinderwagen für einen Moment stehen und zeigen Sie Ihrem Kind, dass man die Holzstücke wie eine Schneemannkugel über die Wiese rollen kann. Ihr Kind wird es gleich nachahmen und die schweren Holzstücke mit all seiner Kraft emsig über die Wiese rollen. Während Ihr lebhaftes Kind längst beschäftigt ist, holen Sie nun wieder Ihr ruhigeres Kind aus dem Wagen und zeigen ihm, was das andere Kind gerade spielt. Als Belohnung für die schwere „Holzarbeit“ spielen Sie einmal Fangen und rennen Ihrem kreischenden Wildfang hinterher – wiederum mit Ihrem anderen Kind auf dem Arm.
  • Kinderwagen-Auto: Wenn Sie im Park an einer kleinen Anhöhe vorbeikommen, nutzen Sie diese für ein besonders lustiges Spiel. Lassen Sie den Kinderwagen die winzig kleine Anhöhe hinunterrollen, halten Sie ihn dabei fest und rennen Sie mit ihm mit. Das Tempo ist nicht besonders schnell, aber doch etwas schneller, als beim normalen Schieben des Wagens, sodass die Kinder den Unterschied bemerken werden.Es wird ihnen großen Spaß bereiten – Ihrem aktiven Kind, das neben dem Wagen mitläuft und Ihrem passiveren Kind, dessen Kinderwagen zum rasenden „Auto“ wird. Und jedes Mal, wenn Sie erneut an dieser Stelle des Parks vorbeikommen, wiederholen Sie das Spiel noch einmal. Sie werden bald sehen, dass es immer wieder gewünscht wird und Sie dieses kleine Ritual nie mehr auslassen dürfen.

Diese beschriebenen Übungen helfen Ihrem ruhigen Kind, die ersten einfachsten Bewegungsformen aktiv zu erleben.

Lesen Sie auch meinen Artikel „Entwicklungsverzögerungen bei Kindern entgegenwirken“.

Bildnachweis: MNStudio / stock.adobe.com

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