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Eurobonds: Lösung für die Schuldenkrise?

Eurobonds sind Anleihen mit einem einheitlichen Zinssatz, bei denen alle Staaten der EU eine Garantie abgeben. Eine Neuemission von Eurobonds dient deshalb besonders den finanzschwachen Ländern, da deren Kreditwürdigkeit durch die Garantien von finanzstarken Ländern erhöht wird. Lesen Sie mehr dazu in diesem Beitrag.

EU-Staatsanleihen werden als Finanzinstrumente vorwiegend als Rettungspaket für finanzschwache Länder eingesetzt, wenn die stark verschuldeten Staaten sich nicht mehr am Kapitalmarkt refinanzieren können. Eine Emission von Eurobonds kann das Zinsniveau für die Schuldenaufnahme absenken. Diese Entwicklung  ist vorteilhaft für die finanzschwachen Länder, die dann selbst wieder neue Staatsanleihen auflegen können. Eurobonds haben auch den Vorteil, dass die Rettungsfonds nicht mehr notwendig sind, die bisher als Finanzierung für europäische Krisenländer eingesetzt wurden.

Wie wirken sich Eurobonds auf den Weltkapitalmarkt aus?

US-Staatsanleihen sind bei Investoren besonders beliebt, da sie als sehr sicher von den großen Ratingagenturen eingestuft werden und sie wegen der Größe des Marktes jederzeit verkauft werden können. Eine schnelle Liquidität belebt den Markt und bietet Investoren gute Anlagemöglichkeiten.

Ein Markt mit EU-Staatsanleihen wird eine starke Konkurrenz für die amerikanischen Staatsanleihen werden und auch für den chinesischen Markt interessant werden, da die Chinesen derzeit auch weltweit nach seriösen und sicheren Investitionsmöglichkeiten suchen.

Wie wirken sich Eurobonds auf den Finanzmarkt Deutschland aus?

Da bei der Auflegung von EU-Staatsanleihen Deutschland auch für finanzschwache Länder Garantien stellen muss, bedeutet dies, dass Deutschland zukünftig höhere Zinsen für Neuverschuldungen zahlen muss. Finanzexperten vermuten, dass Deutschland zukünftig einen Zinsaufschlag von über 2,3 Punkten bezahlen müsste. Dies bedeutet in Euro umgerechnet eine jährliche Mehrbelastung von 47 Milliarden Euro für den deutschen Staat.

Ferner werden sich auch die Zinsen erhöhen, wenn sich die Kreditwürdigkeit anderer finanzstarker Länder verschlechtert. Dies wird dann zum Beispiel für Frankreich zutreffen, das auch mit einem "AAA" Rating eingestuft wird. Viele Finanzexperten vermuten aber, dass Staatskrisen und die Auflösung der EU eine höhere finanzielle Belastung für Deutschland hervorrufen wird als die Garantien für die Eurobonds. 

Welche Nachteile haben Eurobonds?

Die Garantie der finanzstarken Länder für krisengefährdete Staaten nimmt den Schuldenstaaten den  Druck nach Konsolidierung. Ferner befürchten EU-Experten, dass eine hohe Zinskonvergenz und eine schlechte Differenzierung der Risikoprämien eine Institutionalisierung hervorrufen kann. Damit dieses Problem vermieden wird, schlagen die Finanzministerien vor, dass EU-Staatsanleihen nur einen Teil der gesamten Staatsschulden abdecken.

Alle Schulden über der Maastricht-Quote von 60 Prozent müssen die Schuldenstaaten mit eigenen Anleihen und einem höheren Zinssatz tilgen. Hierbei besteht aber die Gefahr, dass die Zinsen ansteigen und die tilgenden Staaten wieder neue Schulden aufnehmen müssen.

Wie können Eurobonds aufgelegt werden?

EU-Staatsanleihen können nach Ansicht der Experten nur aufgelegt werden, wenn die Finanzministerien der einzelnen Staaten ihre bisherige Finanzpolitik aufgeben und neue Entscheidungsträger und Körperschaften für einen gesamteuropäischen Finanzmarkt gegründet werden. Diese Lösung ist besonders dann wichtig, wenn die Finanzierung der Schulden auf Eurobonds und Staatsanleihen aufgeteilt wird.Die neu gebildeten Gremien müssten dann entscheiden, welche und wie viele Kredite die beantragenden Staaten tatsächlich erhalten sollen.

Auch juristisch gesehen müssten neue EU-Verträge konzipiert werden, die über die Kompetenz der einzelnen Vertragspartner bestimmen. Zusätzlich muss das Bundesverfassungsgericht eine neue Gesetzgebung für eine europäische Gesamthaftung in die Wege leiten. Diese nationalen Gesetzesänderungen könnten die Auflösung der EU hervorrufen, wenn sich die einzelnen Staaten nicht einer neuen Gesetzesreform unterordnen.

Fazit:

Eurobonds sind nur bedingt eine konkrete Lösung für die Schuldenkrise in den einzelnen europäischen Ländern. Die hohen Wettbewerbsunterschiede und die unterschiedlichen Finanzmärkte müssen alle unter einem zentralen Finanzmarkt reguliert werden, was bei den derzeitigen juristischen Gesetzgebungen nicht umzusetzen ist.

Mehr zu dem Thema finden Sie in Was sind Eurobonds!

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Burkhard Strack

Burkhard Strack ist Fachjournalist (DFJV-Mitglied) in den Ressorts Gesundheit, Finanzen und Marketing, Werbeprofi (Google AdWords Premium Partner) und Inhaber des Beraterportals experto.de.