Sozial- und Bildungsmanagement

Gesucht: Das beste Internat Deutschlands

Gesucht: Das beste Internat Deutschlands
geschrieben von Ulrich Lange

Wer überlegt, sein Kind in die Obhut eines Internats zu geben, möchte bei der Auswahl nichts falsch machen. Deshalb wird – beispielsweise in Ratgeberportalen – häufig die Frage nach dem oder den „besten“ Internat(en) in Deutschland gestellt. Doch hilft die Orientierung an solchen Superlativen tatsächlich, das Beste fürs Kind zu tun?

Die Werbung eines Düsseldorfer Internatsmaklers lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: "Für Ihr Wertvollstes nur das Beste" lautet das Motto seiner Veranstaltung in einem örtlichen Luxushotel, auf der Ratsuchende und ihre Kinder sich über die Vorzüge von 28 Internatsschulen des In- und Auslands informieren sollen.

Man kommt halt in vielen dieser Schulen in eine fast märchenhaft anmutende Situation hinein", erfährt Panorama-Reporterin Anja Reschke, gebeugt über einen opulenten Hochglanzprospekt. Das sei "schon zum Teil wirklich eine Harry-Potter-Situation mit alten Schlössern und dementsprechendem Inventar", erklärt der Internatsvermittler beflissen, was aber die Schüler gar nicht so wahrnehmen. Das sei mehr was für die Eltern.

Neben der offensichtlich geringen Rationalität elterlicher Entscheidungsgründe wird eines klar: Hier ist der Preis der Maßstab für die Qualität. Die teuersten Internate werden als "die besten" präsentiert. Und die Kundschaft freut sich über eine derart simple Entscheidungshilfe. Aber stimmt die Gleichung: "Je höher der Preis desto besser die Pädagogik"? Dies kann an nachfolgendem Beispiel leicht überprüft werden.

Salem – beste Schule Deutschlands?

Würde man in Deutschland eine Umfrage machen, welche Schule die beste Deutschlands sei" heißt es in dem Positionspapier "Reformpädagogische Schulkonzepte – Motoren einer liberalen Erneuerung unserer Schulen" der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung aus dem Jahr 2005, "würde Schloss Salem mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf einem der vorderen Plätze zu finden sein, hat es doch gemeinhin den Nimbus, die deutsche Eliteschule zu sein.

Der Name Salem steht für die Produktgattung Eliteinternat wie der Name "Tempo" für Papiertaschentücher oder "Maggi" für Suppenwürze. Dies wurde "Deutschlands bekanntestem Internat" (World’s Luxury Guide) erst im November 2012 durch die Verleihung des "Markenpreises der Deutschen Standards" und die Aufnahme in das Kompendium "Marken des Jahrhunderts – Leuchttürme im Markenmeer" bestätigt. Kein Wunder also, dass fast reflexartig die Schule Schloss Salem genannt wird, wenn nach dem besten, bekanntesten, oder renommiertesten Institut Deutschlands gefragt wird.

Doch wer vor diesem Hintergrund erwartet, dass "das Flaggschiff der deutschen Privatschulen" (der Salemer Gesamtleiter Bernd Westermeyer in der Lippischen Regionalzeitung "Der Patriot") mit einer lückenlosen Erfolgsgeschichte aufwarten könne, reibt sich beim Durchblättern von Pressearchiven verwundert die Augen.

Denn er stößt dort auf eine endlose Folge von Krisen, Skandalen und Kalamitäten, aus der nur ein Schluss gezogen werden kann: Die "Pädago-Polis am Bodensee" (Selbstbeschreibung anlässlich der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover) war nie eine gute Schule und erst recht kein Ort der "Charakterbildung", die stets als besonderer Vorzug der Salemer Erziehung in den Vordergrund gestellt wurde.

Die Blender unter den deutschen Internaten erkennt man am besten an den Widersprüchen ihrer Selbstdarstellung. Wenn etwa der neue Schulleiter Westermeyer ankündigt, die "geistige Elite" nach Salem holen zu wollen, während gleichzeitig der Vorstand des Schulträgervereins, Robert Leicht, den Elitebegriff als störende, der Schule aufgedrückte Zuschreibung zurückweist, die potenzielle Kundschaft abschrecke, sollte man dies als Warnzeichen auffassen.

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