Fehler bei der Auswahl von Dividendenpapieren vermeiden

Fehler bei der Auswahl von Dividendenpapieren vermeiden

Langsam spricht es sich auch bei in Gelddingen vorsichtigen und sehr auf Sicherheit bedachten deutschen Anlegern rum, dass Sparbuch, Anleihen & Co. kaum noch Zinsen bringen, der Kauf von Aktien aber regelmäßige Erträge in Form von Dividenden nach sich ziehen kann. Doch bei der Auswahl von Dividendenpapieren muss man gut aufpassen, wenn man langfristig profitieren und Fehlschläge vermeiden möchte.

Dass sich die Zinssituation in den nächsten 2-3 Jahren deutlich ändern wird, ist nicht zu erwarten. Denn die wichtigsten Notenbanken haben die Leitzinsen seit der Finanzkrise 2008 kontinuierlich gesenkt. Ziel dieser Maßnahme ist es u.a., die Wirtschaft anzukurbeln. Man hofft, dass die Unternehmen mehr investieren und Arbeitsplätze schaffen, wenn sie leichter an billiges Geld kommen.

Und solange es in Europa viele Staaten mit geringem Wirtschaftswachstum gibt, wird sich an dieser Lage wohl nicht viel ändern. Einige Experten sprechen sogar davon, dass der Zins an sich durch die Dividende abgelöst wird. Die durchschnittliche Dividendenrendite aller Aktien in Deutschland und Europa veranschlagen Fachleute inzwischen auf rund 3%.

Dividendenrendite

Doch ein einseitiges und unkritisches Schielen auf die Dividendenrendite (Dividende * 100 / Aktienkurs) kann dazu führen, dass man sich bei der Aktienauswahl vertut. Anleger sollten vor einem Investment immer prüfen, wie lange die Firma ununterbrochen Dividende zahlt. Es gilt: je länger, desto besser. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auch künftig zu Zahlungen kommen wird, sehr hoch. Viele Unternehmen, die Dividendenaristrokraten, zahlen seit 25 und mehr Jahren ohne Unterbrechung Dividenden (www.boerse.de/aktienkurse/Dividenden_Aristokraten/kursliste).

Einige Unternehmen, z.B. General-Mills oder Bank of Nova Scotia, gehören sogar seit mehr als 100 Jahren zu den ununterbrochen Zahlern. Diese Werte sollte man sich als Anleger bevorzugt ansehen und prüfen, ob sich eine Investition lohnt. Für deutsche Anleger, die gerne „Heimat verbunden“ investieren, u.U. problematisch: die meisten Aristrokraten kommen nicht aus Deutschland, sondern aus den USA oder Kanada.

Dividendenkontinuität

Dortige Unternehmen legen wesentlich mehr Wert auf
Dividendenkontinuität, da dies als deutliches Qualitätsmerkmal einer
Aktie gilt. Nicht zuletzt tragen regelmäßige Zahlungen auch zur
Verbesserung der Aktienkultur bei. In Deutschland hingegen kann es
schneller zu Kürzungen oder gar Ausfällen können.

Aber auch die aktuelle Höhe der Dividende bzw. Dividendenrendite darf nicht überbewertet werden. Es kommt nicht nur auf die derzeitige Zahlung an, sondern auch darauf, dass ein Unternehmen die Dividende bisher möglichst kontinuierlich erhöht hat und dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch künftig tun wird. Auch hier sind die meisten US-Unternehmen ihren europäischen Wettbewerbern deutlich voraus.

Der Einfluss der Währungen

Firmen wie Coca-Cola, Colgate-Palmolive, Johnson&Johnson, McDonalds oder Procter&Gamble steigern ihre Dividenden zum Teil schon seit Jahrzehnten ohne Unterbrechung (Hinweis: die Nennungen sind keine Kaufempfehlungen, sondern sollen Zusammenhänge zeigen). Durch den aktuellen Dollarkurs profitieren Aktionäre sogar doppelt, da die Steigerungen in Euro höher ausfallen als in Dollar. Aber das kann sich auf längere Sicht, wenn der Euro wieder stärker werden sollte, wieder ändern.

Durch regelmäßige Erhöhungen der Dividenden steigt auch die persönliche Dividendenrendite im Laufe der Jahre an, was zur Folge hat, dass die persönliche Dividendenrendite auf 10% und mehr steigen kann. Hat man z.B. von 10 Jahren eine Aktie zu 10 Euro erworben und eine Dividende von 0,3 Euro kassiert, betrug die Dividendenrendite 3%. Unterstellt, die Dividenden wurde jedes Jahr um 7 Cent angehoben, werden heute 1 Euro gezahlt, damit beläuft sich die persönliche Dividendenrendite, bezogen auf den Kaufkurs, auf satte 10%.

Unternehmen, die wegen einmaliger Dividenden-Sonderzahlungen attraktiv erscheinen, sollten zuerst kritisch durchleuchtet werden: Zahlt der Betrieb die „normale“ Dividende regelmäßig und schon über viele Jahre? Steigen die regulären Zahlungen kontinuierlich? Oder gibt es Schwankungen, Kürzungen, sogar Streichungen? Oder werden die Dividenden nicht aus dem Gewinn, sondern aus der Substanz gezahlt? Dann sollte man trotz der augenblicklichen Attraktivität der Dividende die Finger von diesen Papieren lassen.

Dividendenabschlag

Denn eines klappt in den meisten Fällen nicht: Die Papiere kaufen, die Dividende einstreichen und dann kurz nach dem Zahlungstermin mindestens zum Kaufpreis wieder abstoßen. Hintergrund ist, dass die Aktie am Tag nach der Dividendenzahlung i.d.R. mit "Dividendenabschlag" gehandelt wird. Und es dauert oft Wochen oder Monate, bis dieser Aufschlag aufgeholt ist. Und kommt es in dieser Zeit zu einer Korrektur an der Börse, bleibt man auf den Papieren, die man eigentlich langfristig nicht haben möchte, auch noch sitzen und erhält im nächsten Jahr noch nicht einmal das "Trostpflaster" Dividende. Es sollten also immer nur Aktien von Unternehmen gekauft werden, die man auch erwerben würde, wenn die Firmen keine Dividende zahlen.

Es spricht also viel dafür, trotz hoher Kurse in Aktien zu investieren, bevorzugt in kontinuierliche Dividendenzahler. Der Preis für die Zahlungen ist natürlich, dass es immer wieder zu mehr oder weniger starken Kursrückgängen und auch bei an sich sehr guten Aktien zu Dividendenkürzungen oder –streichungen kommen kann.

Veröffentlicht am 15. April 2015
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