Worauf Sie beim Verkauf einer Lebensversicherung achten müssen

Sind Lebensversicherungen in Zeiten der Euro-Krise noch sicher?

Die Renditen der Lebensversicherungen werden immer schlechter und gleichen kaum noch die Inflation aus. Daher überlegen sich immer mehr Versicherungsnehmer den Verkauf ihrer Lebensversicherung. Doch in meiner anwaltlichen Praxis erlebe ich immer wieder, dass dabei einige Mandanten Schiffbruch erleiden. Lesen Sie hier, worauf Sie beim Verkauf achten müssen.

Erwägen Sie einen Verkauf Ihrer Lebensversicherung

Ich selbst würde als Rechtsanwalt, der sich auf Anlegerberatung und Bankrecht spezialisiert hat, nie eine Lebensversicherung kaufen. Aus meiner Sicht ist eine Lebensversicherung schon allein wegen der sehr hohen Provisionen, welche vom investierten Kapital abgezogen werden, unattraktiv.  Dies umso mehr, da Anfang 2012 der Garantiezins für neue Verträge von 2,25 Prozent auf nur noch 1,75 Prozent gesenkt wurde. Angesichts einer real viel höheren Inflation in Euroland und einer schwelenden Währungskrise rate ich daher meinen Mandanten immer häufiger dazu, einen Ausstieg aus ihrer Lebensversicherung zu erwägen. 


Prüfen Sie die möglichen Vorteile eines Verkaufs Ihrer Police sorgfältig

Am Markt tummeln sich zahlreiche Anbieter, welche Lebensversicherungen aufkaufen und interessante Möglichkeiten offerieren: Sie können die Police gegen einen einmaligen Barbetrag verkaufen oder sich dafür entscheiden, dass Ihnen der Ankaufspreis in Raten ausgezahlt wird. In letzterem Falle sollte die Verzinsung des dann darlehensweise überlassenen Ankaufspreises einkalkuliert werden. Natürlich müssen Sie bei einem sofortigen Verkauf der Police Preisabschläge hinnehmen. Wägen Sie daher ab, ob der Verkauf im Vergleich zu einer vorzeitigen Kündigung für Sie attraktiver ist. 

Lassen Sie sich Ihre Optionen vom Vermittler genau erklären

Ein Anbieter, mit welchem einer meiner Mandanten nun Probleme hat, bot folgendes Modell für den Ankauf der Lebensversicherung an: Der Ankaufspreis sollte dem Aufkäufer kreditiert werden. Dieser versprach, mit den so lukrierten Geldern in preisgünstige Immobilien zu investieren, die vor allem bei Versteigerungen billigst erworben und saniert werden sollten. Seit Monaten hört mein Mandant nichts mehr von diesem Anbieter, obwohl ihm monatliche Zahlungen von 160 Euro versprochen worden waren. Sie sollten sich daher den Aufkäufer sorgfältigst aussuchen und dessen Seriosität vorher prüfen.

Auf diese Punkte sollten Sie beim Verkauf besonders achten

  • Wenn Sie die verkaufte Lebensversicherung nur in Raten und nicht in einem einmaligen Kapitalbetrag ausgezahlt erhalten, dann besteht für Sie ein erhöhtes Risiko, dass der Aufkäufer während der Laufzeit des Vertrages insolvent werden könnte.
  • Achten Sie daher darauf, dass für den Fall einer Insolvenz eine Absicherung erfolgt, z. B. durch Immobilien, in welche der Aufkäufer investiert oder durch eine Insolvenzversicherung. Bei einem Investment in Immobilien sollten Sie auch prüfen, in welche Objekte investiert wird und ob diese liquide am Markt verkauft werden können.
  • Wichtig: Betreibt der Aufkäufer ein Bankgeschäft, was beim Aufkauf von Lebensversicherungen gegen Kreditierung der Fall sein kann, dann braucht dieser Anbieter in der Regel auch eine Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
  • Lassen Sie sich die Geschäftszahlen und Bilanzen des Aufkäufers Ihrer Lebensversicherung vorlegen, vor allem dann, wenn Sie den Kaufpreis kreditieren sollen, also nur Ratenzahlung erhalten.

Machen Sie Ihre Ansprüche geltend

Leider geraten inzwischen viele Verkäufer ihrer Lebensversicherung an unseriöse Aufkäufer und erleiden Schiffbruch. Plötzlich bleiben die vereinbarten Ratenzahlungen aus oder man kann mit dem Aufkäufer gar nicht mehr kommunizieren. Wenn Zahlungen ausbleiben, dann sollten Sie sich anwaltlichen Rat einholen. Auch ein Regress beim Vermittler / Makler ist zu prüfen, falls diesem schon bei der Beratung bekannt sein musste, dass der Aufkäufer in finanziellen Schwierigkeiten war.

Stand: 21.04.2012

Veröffentlicht am 4. Mai 2012
Autor
Josef Lederer