Versicherung

Unisex in der privaten Krankenversicherung – ist das gerecht?

Unisex in der privaten Krankenversicherung – ist das gerecht?
geschrieben von Oliver Hanke

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zum Thema Versicherungstarife vom 01.03.2011 ließ an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Zukünftig solle bei allen Versicherungs- und Vorsorgeformen das Geschlecht des Versicherungsnehmers nicht mehr berücksichtigt werden dürfen. Aber ist Unisex in der privaten Krankenversicherung wirklich gerecht?

Stattdessen sollten Unisex Tarife, also geschlechtsneutrale Tarife, die für Männer und Frauen absolut gleich sind, eingeführt werden. Am Beispiel der privaten Krankenversicherung kann man sehr schön sehen, wie richtig und wichtig das EUGH Urteil ist, muss aber gleichzeitig erkennen, dass bei der Umsetzung der Unisex Tarife aus einer Ungerechtigkeit gleich wieder eine Neue geboren wird.

Ungleichbehandlung hat Methode

Man muss es sagen, wie es ist: Frauen wurden und werden durch die noch gültigen PKV Bisex Tarife klar benachteiligt. Denn Frauen müssen bis zu doppelt so hohe Beitragszahlungen leisten wie Männer. Sogar dann, wenn sie im selben PKV Tarif versichert sind und im Krankheitsfall dieselben Leistungen beziehen würden.

Gerechtfertigtes Eingreifen des EUGH ungerecht umgesetzt

Allerdings ist die Umsetzung der vom EUGH geforderten Unisex Tarife in der privaten Krankenversicherung leider statt versichertenfreundlich eher als äußerst "Versicherer-freundlich" zu bezeichnen. Denn statt das Beitragsniveau für weibliche Versicherte auf jenes der männlichen Versicherten abzusenken, werden die Beiträge für männliche PKV Neukunden einfach angehoben.

So kommt es, dass Männer, die nach der Einführung der Unisex Tarife am 21.12.2012 einer privaten Krankenversicherung beitreten, wesentlich höhere Beiträge als heute zu zahlen haben.

Versicherer profitieren von Unisex Tarifen, zahlen darf der Versicherte

Zudem nutzen private Krankenversicherer die von ihnen selbst erdachten Beitragserhöhungen für männliche Versicherte gezielt für ihre eigenen Geschäftsinteressen. Denn viele Verbraucher lassen sich suggerieren, dass sie durch die kurze Zeitspanne bis zur Unisex-Einführung keine Zeit mehr für einen umfassenden Vergleich der Tarife privater Krankenversicherungen haben.

Wer aber ohne eigenen PKV-Vergleich den auf den ersten Blick attraktivsten Tarif einer privaten Krankenversicherung abschließt und später feststellt, dass dieser für ihn doch nicht so gut geeignet ist, kann ihn frühestens regulär zum Dezember 2013 wieder kündigen.

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Oliver Hanke

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