Warum Rechtsschutzversicherungen Prozesse gegen Banken erschweren

Eigentlich sind Rechtsschutzversicherungen eine gute Sache. Erhalten Sie eine Deckungszusage, wälzen Sie das Kostenrisiko ab und brauchen nicht in Vorkasse zu treten. Angesichts der sich häufenden Schadenersatzklagen kommt es jedoch zu Problemen.

Wie ich von Anwälten höre, bekommen geschädigte Anleger immer seltener Deckungsschutzzusagen. Anfragen werden in die Länge gezogen. Anleger müssen den Versicherungen selbst mit Klage drohen. Manchmal muss Deckungsschutz sogar gerichtlich eingeklagt werden. Was aber wenige tun. Denn: Schon aus Kostengründen riskiert es kaum jemand, auch noch die eigene Versicherung zu verklagen.

Den Versicherungen fällt es deshalb leicht, Prozesse mit hohen Schadenersatzbeträgen abzublocken. Wer einen Deckungsantrag stellt, muss mit hinhaltenden Rückfragen rechnen. Diese Korrespondenz dauert an. Irgendwann kommt die bedauerliche Ablehnung. Es bleibt der Weg zum Versicherungs-Ombudsmann. Droht der Schadenersatzanspruch aber zu verjähren, hilft auch kein zeitraubendes Schiedsverfahren.

Als Sonderproblem kann sich ergeben, dass auch Banken bei Versicherungen Haftpflichtschutz haben. Und zwar beim selben Versicherungskonzern, bei dem der Anspruchsgegner rechtsschutzversichert ist. Angeblich sind beide Sparten strikt getrennt. Interessenkonflikte scheinen mir trotzdem möglich. Deshalb:

Wer rechtsschutzversichert ist, sollte für Schadenersatzklagen frühzeitig Deckungsschutz beantragen. Bei Verweigerung bleibt dann mehr Zeit, einen Anwalt zwecks Interessenwahrnehmung einzuschalten. Dieser kann auch Aufsichtsbeschwerde einlegen, wenn er den Verdacht unerlaubter Rücksichtnahme hat. Nämlich dann, wenn Schädiger und Geschädigter beim selben Konzern versichert sind.

Veröffentlicht am 12. Juli 2008