Krankenversicherung für alle Bürger? PKV-Mitgliedschaft bedroht?

Bald ein Topf für alle?

In den letzten Monaten geriet die Diskussion um die Einführung einer Bürgerversicherung wieder in den Fokus der Betrachtung. Die privaten Krankenversicherer laufen indes Sturm gegen die Reformpläne. Was bedeuten die Pläne für Sie als Privatversicherter?

Die Diskussion um die private Krankenversicherung erhielt im Zuge der vergangenen Bundestagswahl wieder Nahrung. Das zweistufige Modell der Gesundheitsversorgung in der Bundesrepublik Deutschland ist bereits 130 Jahre alt. Nun rütteln zahlreiche Reformpläne an der Tradition. Leidtragender könnte dabei die private Krankenversicherung sein. Insgesamt 43 private Krankenversicherer und neun Millionen privatkrankenversicherte Bundesbürger sind von den Reformplänen betroffen. Hinzu kommen 41.000 Angestellte der privaten Krankenversicherer sowie 266.000 Versicherungsmakler der privaten Versicherungswirtschaft.

Zweifel an PKV auch in der Union

Galt vor kurzem noch, dass lediglich die derzeitige Opposition im Bundestag die Pläne für eine Bürgerversicherung präferierte, bröckelt nun auch die Zustimmung für das zweistufige Modell innerhalb der Union. Insbesondere die Tatsache, dass zunehmend steigende Beiträge innerhalb der privaten Krankenversicherung (PKV) die Versicherten in finanziellen Notlagen treibt, gilt als Argument für die Bürgerversicherung. Hinzu kommt die Rückstellung in Höhe von 170 Milliarden Euro, die die privaten Krankenversicherungen für die Versorgung ihrer Mitglieder im Alter aufgebaut haben.

Aus Kreisen der Politik gibt es Bestrebungen, an die Rückstellungen heranzukommen, um diese für das gesamte Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland zu verwenden. Doch wie würde eine Bürgerversicherung beziehungsweise lediglich eine Versicherung für alle in der Realität aussehen? Geplant ist, dass nicht nur die bisher in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherten 73 Millionen Bürgerinnen und Bürger in der neuen Versicherung erfasst werden sollen, sondern auch die bisher privat Krankenversicherten.

Regelungen für Beamte

Zusätzlich sollen auch Beamte, die bislang durch staatliche Beihilfen in der privaten Krankenversicherung landeten, in die Einheitskasse einzahlen. Zudem ist geplant, dass Einkommensbezieher aus Kapitaleinkünften und Mieteinnahmen ebenfalls in die Bürgerversicherung einzahlen sollen. Die Privaten Krankenversicherer (PKV) wären zukünftig lediglich in der Lage Zusatzversicherungen anzubieten oder alternativ die entsprechende Einheitsversicherung.

Verband der PKV läuft Sturm gegen Reformpläne

Der Verband der Privaten Krankenversicherer läuft indes Sturm gegen derartige Pläne. So sprechen die privaten Krankenversicherer von "Gleichmacherei auf niedrigem Niveau". Unterstützung erhalten die privaten Krankenversicherer hierbei vor allem aus der Ärzteschaft. Rund ein Viertel des Praxisumsatzes der niedergelassenen Ärzte erfolgt durch Privatkrankenversicherte.

PKV-Bestandskunden können unbesorgt sein

Müssen sich nun Privatkrankenversicherte grundsätzlich Sorgen machen? Die Antwort lautet eindeutig nein. Dies liegt darin begründet, weil selbst bei einer Umsetzung der geplanten Reform zur Bürgerversicherung bisher bestehende Verträge eine Bestandsgarantie besitzen. Lediglich neue Verträge würden von der Reform betroffen sein.

Das bedeutet im Klartext, die Private Krankenversicherung würde im wahrsten Sinne des Wortes ein Auslaufmodell. Weiterhin über die PKV versichert wären in diesem Fall all jene, die nicht in die Bürgerversicherung wechseln wollen. Dies gilt zumindest für eine Übergangsfrist. Juristisch geklärt wird in diesem Zusammenhang, ob nicht sogar für Bestandsverträge ein lebenslanges Recht auf die Private Krankenversicherung besteht.

Veröffentlicht am 5. Juli 2013