Ist eine Pflegezusatzversicherung in jedem Fall empfehlenswert?

Mit dem Thema Pflegezusatzversicherung sollte man sich auf jeden Fall beschäftigen. In Deutschland gibt es die gesetzliche Pflegeversicherung und ein dreistufiges Pflegesystem. Je nach Pflegestufe und der Unterscheidung zwischen ambulanter und vollstationärer Pflege werden von der Sozialversicherung verschieden hohe Beträge gezahlt.

Verbraucherschützer sowie Bank- und Versicherungsvertreter sind sich eigentlich nur in einem Punkt einig: Der Betrag ist selten ausreichend. Die tatsächlichen Kosten für die Unterbringung im Pflegeheim und Pflegestufe III belaufen sich durchschnittlich auf 2.690 € pro Monat, die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt jedoch nur 1.432 €. Der Pflegefall kann also zum Rückgriff auf Erspartes oder das Vermögen der Kinder führen.
Zwei mögliche Versicherungsvarianten
Über die "richtige" Absicherung sind sich Verkäufer und Verbraucherschüzter uneins. Prinzipiell gibt es zwei Modelle: Tagesgeldabsicherung oder Pflegekostentarife. Bei ersterem vereinbaren Sie mit dem Versicherungsunternehmen ein Pflegetagesgeld, das zum Teil auch eine Staffelung nach Pflegestufen erlaubt, das hängt jedoch vom Versicherer ab.
Die Pflegekostentarife dienen dazu, die gesetzliche Absicherung um einen festgelegten Betrag oder Prozentsatz aufzustocken. Dabei sind die Tarife entweder an den Kassensatz gebunden oder orientieren sich an den tatsächlichen Kosten.

Die gern unterschlagene dritte Variante
Bankberater und Versicherungsvertreter lassen diese Möglichkeit auch schon mal unter den Tisch fallen: Die Finanzierung der Pflege aus dem eigenen Vermögen. Gerade bei Personen, die auf das Rentenalter zugehen, kann diese Möglichkeit am sinnvollsten sein.
Über 55-jährige werden von vielen Gesellschaften nur noch mit extrem hohen Kosten oder auch gar nicht mehr versichert, die Policen sind mit Risikoausschlüssen und -aufschlägen verbunden. Diese Tarife der Pflegezusatzversicherung können über 100 € pro Monat kosten, wobei Frauen grundsätzlich noch einen höheren Satz zahlen als Männer.
Lassen Sie sich nicht in Panik versetzen Auch wenn Ihnen Horrorszenarien und Extremdiagramme präsentiert werden, überdenken Sie Ihre Möglichkeiten in Ruhe. Natürlich steigt mit der generellen Lebenserwartung auch die Wahrscheinlichkeit, Pflege zu benötigen. Bevor Sie jedoch eine Pflegezusatzversicherung abschließen, sollten Sie durchrechnen, ob Ihr angespartes Vermögen für eine kapitalgedeckte Pflegeabsicherung ausreicht. Mit mehr als 55 Jahren wird eine Zusatzversicherung eben schon sehr teuer. Sollten Sie sich doch dafür entscheiden, holen Sie mehrere Angebote ein, denn bei den Risikoausschlüssen und -aufschlägen unterscheiden sich die Versicherungsgesellschaften durchaus.

Veröffentlicht am 21. März 2007