Gefährliche Versicherungslücken: Auf diese Klauseln sollten IT-Experten in der IT-Haftpflicht achten

Gefährliche Versicherungslücken: Auf diese Klauseln sollten IT-Experten in der IT-Haftpflicht achten

Wer als freiberuflicher Experte eine IT-Haftpflichtversicherung abschließt, will damit möglichst alle Risiken absichern, die sich aus seiner Tätigkeit ergeben. Auch Auftraggeber – vor allem im Projektbereich – verlangen von ihren Dienstleistern immer häufiger eine Berufshaftpflicht, die im Schadenfall für die Kosten einspringt. Soviel zur Theorie – in der Praxis ist das jedoch gar nicht so einfach: Viele IT-Versicherer halten sich in den Bedingungen ihrer Konzepte Ausschlüsse offen, die für gefährliche Versicherungslücken bei der IT-Haftpflicht sorgen können.

Diese können im Schadenfall zum teuren Bumerang für Freiberufler und Auftraggeber werden. Dabei lassen sich solche Fallstricke mit ein wenig Grundwissen schon vor Abschluss der IT-Haftpflicht vermeiden. Ralph Günther, Vermögensschadenexperte des Versicherungsportals exali.de wirft einen Blick in das Kleingedruckte und erklärt, bei welchen Klauseln bzw. Ausschlüssen in der IT-Haftpflicht Freiberufler hellhörig werden sollten.

Versicherungslücke IT-Haftpflicht: Katalogdeckung statt offene Deckung

So vielfältig die Tätigkeiten von freiberuflichen Experten aus IT und Telekommunikation, so vielfältig sind auch ihre Risiken. Die Definition der versicherten Tätigkeiten und Dienstleistungen in den Bedingungen der IT-Haftpflicht sollte deshalb offen gehalten sein – auch "offene Deckung" genannt.

Doch Vorsicht: Einige IT-Versicherer setzen die versicherten Tätigkeiten und Risiken explizit und einzeln in den Bedingungen fest, wie in einem Katalog. Für die Praxis ist solch eine abschließende Katalogdeckung (auch Named Perils Deckung genannt) wenig sinnvoll: Neue Tätigkeitsbereiche sind so unter Umständen nicht oder nur eingeschränkt mitversichert, was gerade bei projektabhängigen Arbeiten für gefährliche Lücken sorgen kann. 

Gefährliche Versicherungslücke: Keine "echte" weltweite Deckung

Business 2.0: Weil sich im Web die Reichweite der erbrachten Dienstleistungen nicht mehr lokal begrenzen lässt, steigt die Gefahr im Schadenfall auch von ausländischen Gerichten in Haftung genommen zu werden.

Versicherungsschutz mit weltweitem Geltungsbereich ist deshalb für viele IT-Freiberufler und Dienstleister wichtig. Genau hier liegt der Teufel bei vielen IT-Versicherern im Detail: Sie bieten auf den ersten Blick zwar weltweiten Versicherungsschutz für Vermögensschäden, schränken den Geltungsbereich im zweiten Schritt durch Ausschlüsse jedoch wieder ein. Beispielweise durch den Ausschluss von Schäden durch Rechtsverletzungen (z. B. Urheberrechtsverletzungen) in Common Law Ländern wie USA, Kanada oder Großbritannien.

Versicherungslücke: Rechtsverletzungen oft nur eingeschränkt versichert

Apropos Rechtsverletzungen: Manche IT-Versicherer schließen in ihren Bedingungen nicht nur Rechtsverletzungen in den USA und Kanada aus, sondern generell auch Urheberrechtsverletzungen und gewerbliche Schutzrechte. Einige IT-Berufshaftpflichtversicherer machen den Versicherungsschutz sogar von einer vorherigen rechtlichen Prüfung abhängig. Damit ist der IT-Freiberufler in der Pflicht: Er muss eine Überprüfung seiner Dienstleistung durch Experten im Vorab nachweisen können – sonst kann Versicherungsschutz versagt werden.

Vorsicht auch vor diesem "Hintertürchen": Einige IT-Versicherer zahlen im Fall von Rechtsverletzungen (z. B. Urheber-, Marken-, Namens- und Lizenzrechtsverletzungen) nur dann, wenn seitens des IT-Freiberuflers nicht grob fahrlässig gehandelt wurde.

Experimentier- bzw. Erprobungsklausel sowie Stand-der-Technik-Klausel

Hellhörig sollten IT-Experten auch bei so genannten "Experimentier-bzw. Erprobungsklauseln" sowie "Stand-der-Technik-Klauseln" werden. Auch diese können zu gefährlichen Versicherungslücken in Ihrer IT-Haftpflicht werden. Mit diesen Klauseln will der Versicherer den Schutz ausschließen, wenn Soft- oder Hardware nicht ausreichend erprobt und getestet wurde oder die erbrachte Dienstleistung nicht dem Stand der Technik entspricht.

Eine gefährliche Versicherungslücke: Ausreichende Erprobung kann objektiv schwer beurteilt werden. Nachbesserungen in Form von Upgrades und Service-Packs sind eher die Regel, als die Ausnahme. Der IT-Versicherer könnte den Versicherungsschutz im Schadenfall jedoch verweigern.

Vorumsätze nicht automatisch mitversichert

Ein Blick ins Kleingedruckte lohnt sich für Sie auch beim Thema Vorumsatzdeckung: Auch IT-Tätigkeiten und Projekte sollten Schutz genießen, die vor Beginn der IT-Haftpflichtversicherung liegen. Das Problem: Viele IT-Versicherer bieten keine oder nur eine zeitlich eingeschränkte Vorumsatzdeckung an. Oder sie zahlen im Schadenfall nur dann, wenn der IT-Experte schriftlich nachweisen kann, dass ihm kein Mangel vor Abschluss der Versicherung bekannt war.

Achten Sie in den Bedingungen deshalb darauf, ob Ihr IT-Versicherer die sogenannte Schadensereignistheorie anwendet. Dann zählt, wann der Schaden eintritt – und nicht, wann er verursacht wurde. Schutz besteht allgemein für Leistungen, die vor Abschluss der IT-Haftpflicht erbracht wurden. 

Gefährliche Versicherungslücke: Keine vertragliche Haftung abgedeckt

Haftungsverschärfung: In IT-Projektverträgen – vor allem in Verträgen mit internationalen Projektvermittlern oder Auftraggebern – finden sich häufig vertragliche Regelungen, die über die gesetzliche Haftung hinausgehen. Beispiele dafür sind Haftungsfreistellungen gegenüber dem Projektvermittler oder Auftraggeber im Zusammenhang mit der erbrachten Leistung.

Eine IT-Haftpflichtversicherung, die lediglich die gesetzliche Haftung abdeckt, bietet für diese Risiken keinen Versicherungsschutz. Vorsicht also vor Klauseln, die Ansprüche aufgrund vertraglicher Haftung ausschließen.

Leistungsverzögerungen ausgeschlossen

Deadlines sind in der Praxis von IT-Experten an der Tagesordnung. Eine Berufshaftpflicht sollte deshalb auch Schutz bieten, wenn ein Projekt durch Verschulden des Dienstleisters nicht zum vereinbarten Termin fertig wird.

Auch hierbei ist in puncto Klauseln allerdings Vorsicht geboten: Manche IT-Versicherer schließen Schadensersatzansprüche wegen Leistungsverzögerungen (= Überschreitung von Deadlines) vom Versicherungsschutz aus oder schränken Leistungen deutlich ein.

Versicherungslücke: Kein Schutz bei Verstößen gegen Geheimhaltungsklauseln

Geheimhaltung ist in vielen IT-Projekten ein sensibles und wichtiges Thema. Häufig werden in Projektverträgen deshalb spezielle Geheimhaltungs- und Vertraulichkeitsklauseln festgelegt. Bei Verletzung dieser vertraglichen Nebenpflichten kann der IT-Experte in Haftung genommen werden.

Vorsicht also, wenn die IT-Haftpflicht Ansprüche wegen der Verletzung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen und Geheimhaltungsvereinbarungen ausschließt.

Know-how im Bereich IT & Telekommunikation: Vorteil Spezialversicherer

Auch wenn es einige Fallstricke gibt, bleibt dennoch festzuhalten: Mittlerweile wird sehr guter Versicherungsschutz für die IT- und TK-Branche angeboten. Ein Blick in das Kleingedruckte der Bedingungen einer IT-Haftpflicht kann IT-Experten und Dienstleister jedoch im Schadenfall vor so manch böser Überraschung bewahren. Dabei ist natürlich, wie so oft, auch die Wahl des "richtigen" Anbieters ausschlaggebend.

Verständlicherweise orientieren sich freiberufliche und selbständige IT-Experten bei der Auswahl der Versicherungsgesellschaft gerne an Anbietern, die sie auch von ihren Verträgen im privaten Bereich kennen. Das kann jedoch nach hinten losgehen – denn die Absicherung von IT- und Telekommunikationsrisiken ist ein Spezialbereich, dem "Generalisten" schwer gerecht werden können. Breit aufgestellte Komposit-Versicherer weisen häufig nicht das Know-how von Spezialversicherern auf, die sich auf eine bestimmte Branchen fokussiert haben. 

Für die Praxis gilt deshalb für Sie: Nicht von Angeboten weniger bekannter Versicherer abschrecken lassen. International aufgestellte Spezialversicherer mit Erfahrungen und der nötigen Reputation lassen sich nach kurzer Recherche im Netz herausfinden.

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Veröffentlicht am 13. Februar 2014
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