Berufsunfähigkeitsversicherung

Berufsunfähigkeitsversicherung: Typische Fehler vermeiden!

Berufsunfähigkeitsversicherung: Typische Fehler vermeiden!
geschrieben von Andreas-Christoph Amm

Eine Berufsunfähigkeit stellt für viele Arbeitnehmer, Freiberufler und Selbständige ein enormes finanzielles Risiko dar. Auch wenn man sich heute mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung gegen die Folgen (zum Beispiel dem Einkommensverlust) schützen kann, ist der vorhandene Versicherungsschutz nur in den seltensten Fällen lückenlos und ausreichend bemessen. Welchen typischen Fehlern in der Berufsunfähigkeitsversicherung begegnet wird und worauf unbedingt geachtet werden sollte, erfahren Sie in unserem Artikel.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt nach wie vor zu den Versicherungssparten mit den meisten Leistungsprozessen. Was durch die versicherte Person als eine Art der "Leistungsverweigerung" angesehen wird, kann in der Praxis oftmals auf einen lückenhaften Versicherungsschutz oder fehlende Informationen zurück geführt werden. Grundsätzlich gilt in der Berufsunfähigkeitsversicherung: "Wer seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, muss nicht zwangsläufig berufsunfähig sein".

Die Verweisbarkeit
Eine zentrale Rolle der Leistungsprüfung in der Berufsunfähigkeitsversicherung spielt die sogenannte Verweisbarkeit. Hier entscheidet sich, ob die versicherte Person im Sinne der "Berufsdefinition" als berufsunfähig erklärt werden kann oder nicht.

Dem Grunde nach wird zwischen der abstrakten und der konkreten Verweisbarkeit unterschieden.

  • Abstrakte Verweisbarkeit: Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann und außerstande ist eine andere Tätigkeit (diese muss der bisherigen Lebensstellung entsprechen) auszuüben, zu der er aufgrund von Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist.
  • Konkrete Verweisbarkeit: Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann und außerstande ist eine andere Tätigkeit (diese muss der bisherigen Lebensstellung entsprechen) auszuüben.

Der Unterschied der beiden Prüfverfahren liegt also darin, dass die versicherte Person in der abstrakten Verweisbarkeit grundsätzlich auf andere, seiner Ausbildung und Fähigkeiten entsprechenden Tätigkeiten verwiesen werden kann.

Zur Verdeutlichung ein Fall aus der Praxis zum Thema Verweisbarkeit
Herr P. ist gelernter Schlosser und als Monteur für Sonnenschutzanlagen bei der Firma K. tätig. Als Herr P. berufsunfähig wird stellte er einen Leistungsantrag bei seinem privaten Berufsunfähigkeitsversicherer auf Rentenzahlung. Sein Antrag wurde abgelehnt mit der Begründung, dass mit seinem Fachwissen durchaus noch als Verkäufer für Sonnenschutzanlagen tätig sein könnte. Herr P. klagte gegen die Entscheidung seines Berufsunfähigkeitsversicherer und unterlag zuletzt vor dem Oberlandesgericht Koblenz.

Ein weiterer Aspekt in der Frage der Verweisbarkeit ist die Definition der bisherigen Lebensstellung, also das mit dem bisherigen Beruf verbundene Einkommen (auch weniger!) und soziale Ansehen.

Empfehlung zur Verweisbarkeit

  • Dem Versicherungsvertrag sollte ausschließlich die konkrete (auf den zuletzt ausgeübten Beruf eingeschränkte) Verweisbarkeit zugrunde liegen. 
  • Der Versicherer sollte den Begriff der Lebensstellung näher definieren und zwar insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Kürzung des bisherigen Einkommens.

Der Prognosezeitraum
Eine weitere Voraussetzung zur Gewährung von Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine ärztliche Prognose, dass die versicherte Person über einen bestimmten Zeitraum hinweg ihren Beruf nicht ausüben kann. Ältere Versicherungsbedingungen stellen hier noch auf den üblichen Prognosezeitraum von mindestens drei Jahren ab, wohingegen neuere Konzepte nur noch einen Prognosezeitraum von mindestens sechs Monaten fordern.

Empfehlung zum Prognosezeitraum

  • Prüfen Sie, ob im Versicherungsvertrag der Prognosezeitraum bereits auf sechs Monate verkürzt wurde.
  • Achten Sie darauf, dass im Falle einer positiven Leistungsprüfung die Versicherungsleistung rückwirkend ab Beginn (= das eintreten) der Berufsunfähigkeit gezahlt wird. Andernfalls entsteht beispielsweise erst nach Ablauf des Prognosezeitraums ein Anspruch auf die Versicherungsleistungen.

Die Leistungsprüfung
Manche Versicherungsverträge bieten auch während der Leistungsprüfung bzw. der späteren Leistungsphase noch unliebsame Stolpersteine. Insbesondere auf folgende Klauseln und Leistungseinschränkungen sollten Sie achten:

  • Arztanordnungsklausel: In der Versicherungswirtschaft finden sich verschiedene Auslegungen der Arztanordnungsklausel. Ursprünglich wurde der versicherten Person hierdurch auferlegt, dass er jeglichen Anordnungen des Arztes Folgeleisten musste, um eine alsbaldige Gesundung sicherzustellen (womit die Rentenzahlung eingestellt werden konnte). Eine entsprechend weitgehende Formulierung der Arztanordnungsklausel räumte dem Versicherer weiterhin ein Mitspracherecht bei der Arztwahl (insbesondere bei der Nachprüfung) ein. Tipp: Achten Sie darauf, dass die Arztanordnungsklausel ersatzlos als gestrichen gilt.
  • Beitragsstundung während der Leistungsprüfung: In erster Linie sieht die Berufsunfähigkeitsversicherung eine fortlaufende Beitragszahlung vor. Im Klartext bedeutet dies, dass bis zur bedingungsgemäßen Feststellung einer Berufsunfähigkeit die vereinbarten Versicherungsbeiträge weiter entrichtet werden müssen. Um finanzielle Engpässe zu vermeiden räumen einige Versicherungsgesellschaften ihren Versicherungsnehmern die Option der Beitragsstundung während der Leistungsprüfung ein. Gleichwohl dies eine sehr sinnvolle Leistungserweiterung ist, sollten Sie darauf achten, dass nach der Leistungsprüfung (beispielsweise im Falle einer Leistungsablehnung) die Versicherungsbeiträge nicht in einem Betrag und sofort fällig werden. Tipp: Prüfen Sie, ob in Ihrem Versicherungsvertrag für die Dauer der Leistungsprüfung die Beiträge gestundet werden können. Im Falle einer Leistungsablehnung durch den Versicherer sollte eine Rückzahlung der gestundeten Versicherungsbeiträge in bis zu 12 Monatsraten möglich sein.
  • Verweisbarkeit und Nachprüfung: Im Regelbedingungswerk der Berufsunfähigkeitsversicherung wird dem Versicherer ein Anrecht zur Nachprüfung, sprich einer erneuten Feststellung der Berufsunfähigkeit, eingeräumt. Dem Grunde nach war diese Option als Sicherheitsmechanismus für die Versichertengemeinschaft gedacht. Einige wenige Versicherungsgesellschaften erweiterten allerdings im Laufe der Zeit diese Option dahingehend, dass nun bei der Nachprüfung die Möglichkeiten der abstrakten Verweisbarkeit nutzbar waren. Die Folge dessen war, dass die vormals noch als berufsunfähig eingestufte versicherte Person im Rahmen der Nachprüfung auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden konnte und der Versicherer nun keine Leistungen mehr erbringen musste. Tipp: Vergewissern Sie sich, dass in Ihrem Versicherungsvertrag auch in der Nachprüfung die abstrakte Verweisbarkeit ausgeschlossen ist. Bestenfalls verzichtet der Berufsunfähigkeitsversicherer komplett auf die Anwendung einer Nachprüfung.

Generell gilt es zu sagen, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung zu einem sehr wichtigen Instrument der privaten Absicherung geworden ist. Nichtsdestotrotz bleibt der Nutzen des Produktes schnell auf der Strecke, wenn es nicht auf die individuellen Bedürfnisse der versicherten Person abgestimmt ist.

Sie sollten daher unbedingt bestehende Versicherungsverträge auf die oben aufgeführten "typischen Fehler" hin überprüfen und sich auch von der Aktualität der versicherten Leistungen überzeugen. Stellen Sie sich in regelmäßigen Abständen immer wieder folgende Fragen:

  • Ist die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente ausreichend bemessen?
  • Wie lange wird die Berufsunfähigkeitsrente gezahlt?
  • Stimmt der angegebene Beruf noch mit dem aktuell ausgeübten überein?

Insbesondere bei der Höhe der Berufsunfähigkeitsrente sollten Sie nicht vergessen, dass diese im Falle eines Leistungsbezuges von Arbeitslosengeld II komplett angerechnet wird.

Hält man sich nun vor Augen das im Jahr 2005 die durchschnittlich vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente bei 450,00 EUR pro Monat lag, wird deutlich, das eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht automatisch vor finanzieller Armut schützt.

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Andreas-Christoph Amm

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