3 Voraussetzungen für den Mindestlohn im Praktikum

Die Aufgaben in einem Praktikum sind vielfältig.

Dank des Mindestlohns erhalten nun auch viele Praktikanten eine gute Bezahlung für ihr Praktikum. 8,50 € die Stunde werden allerdings nur unter gewissen Umständen bezahlt, 3 Voraussetzungen müssen für den Mindestlohn erfüllt werden. Lesen Sie mehr dazu in diesem Artikel!

Schlecht bezahltes Kaffee kochen, kopieren und Botengänge erledigen – dieses Bild haben viele noch immer von Praktika. Je nach Branche und Art des Praktikums ist nicht auszuschließen, dass es diese Fälle immer noch gibt, zumindest durch die Einführung des Mindestlohns ist für eine Gruppe von Praktikanten aber die schlechte Bezahlung weggefallen.

Um auch als Praktikant 8,50 € pro Stunde zu erhalten und somit bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden rund 1.400 € im Monat zu verdienen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden.

Von diesen 3 Kriterien hängt es ab, ob der Mindestlohn bezahlt wird:

1. Das Alter des Praktikanten beträgt mindestens 18 Jahre. Der Mindestlohn wird nur an Erwachsene ausgezahlt. Minderjährige erhalten ihn nur, wenn sie bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Minderjährige ein Praktikum einer Ausbildung vorziehen. Zwar ist dies finanziell kurzfristig attraktiver, langfristig stehen die Chancen am Arbeitsmarkt aber mit einer Ausbildung besser.

2. Das Praktikum muss länger als drei Monate dauern, nur dann wird der Mindestlohn bezahlt. Praktikanten tragen noch nicht ab dem ersten Tag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bei, sondern müssen erst eingearbeitet werden, was das Unternehmen Zeit und somit auch Geld kostet.

3. Das Praktikum ist kein Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiums oder der Schulzeit, sondern ein freiwilliges Praktikum. Sollte aber das Pflichtpraktikum, also das studiums- und ausbildungsbegleitende Praktikum, länger als drei Monate dauern, da dies im Curriculum so vorgesehen wird, dann erhält der Praktikant ab dem ersten Tag den Mindestlohn. War das Praktikum ursprünglich auf drei Monate ausgelegt und ohne Vergütung geplant, greift der Mindestlohn auch rückwirkend für diese Zeit, wenn das Praktikum verlängert wird. Bei einem freiwilligen Praktikum, das drei Monate oder kürzer dauert, ist eine Bezahlung mit Mindestlohn nicht verpflichtend. 

Ausnahmeregelungen sind möglich

Sobald es sich um ein Pflichtpraktikum – vorgeschrieben durch die Hochschule, Schule oder Ausbildungseinrichtung – handelt, besteht kein Anspruch auf eine Vergütung mit Mindestlohn. Für Praktika im Rahmen einer Berufsausbildungsvorbereitung gilt dasselbe.

Für manche Personengruppen, Branchen oder Regionen gibt es gewisse Ausnahmeregelungen was den Mindestlohn angeht. So erhalten beispielsweise Langzeitarbeitslose, die ein freiwilliges Praktikum beginnen, nicht direkt den Mindestlohn, sondern erst nach sechs Monaten.

Eine niedrigere Vergütung als der Mindestlohn ist in einem freiwilligen Praktikum ab drei Monaten nicht zulässig

Grundsätzlich sind aber keinen Ausnahmen möglich und Arbeitgeber sind verpflichtet, unter den genannten Umständen ihren Praktikanten den Mindestlohn zu bezahlen. Sich mit einer geringeren Vergütung zufrieden zu geben beziehungsweise diese anzubieten, ist nicht zulässig.

Wer im Vorstellungsgespräch unsicher ist, wie es mit der Vergütung des Praktikums aussieht, der kann ruhig nachfragen. In jedem Fall sollte der Arbeitsvertrag gründlich durchgelesen werden, bevor er unterschrieben wird. Dort ist ebenfalls alles zum Thema Vergütung festgehalten.

Durch den Mindestlohn wird das Einstellen von Praktikanten besonders für kleinere Unternehmen schwieriger

Das Ziel eines Praktikums sollte nicht das Geldverdienen sein. Es geht in erster Linie um das Sammeln von Berufserfahrungen in der Praxis, um das Knüpfen von Kontakten, die für einen späteren Job schon interessant sein können und um die Orientierung für die spätere Berufswahl. Da es aber für Praktikanten oft schwierig ist neben dem Praktikum noch zu arbeiten (um Geld zu verdienen) und da sie in der Regel ihren Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens leisten, ist es daher nur fair, dass sie auch angemessen bezahlt werden.

Für viele mittelständische und kleine Unternehmen wird es dadurch jedoch schwieriger Praktikanten einzustellen, da nicht jeder sich diese Bezahlung leisten kann. Es ist davon auszugehen, dass viele Stellen auf drei Monate begrenzt werden, um keinen Mindestlohn zahlen zu müssen.

Mehr zum Thema Praktikum lesen Sie in diesem Artikel!

Veröffentlicht am 30. August 2016
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