Japanisch

Lernen Sie das japanische Schriftsystem: Kanji

Lernen Sie das japanische Schriftsystem: Kanji
geschrieben von Naomi Wieland

Schriftzeichen werden in Deutschland zunehmend beliebter. Man findet sie als Tattoos oder auf Schmuck und Dekoartikel. Doch wieviel wissen wir eigentlich über sie? Erfahren Sie hier interessante Hintergründe und lernen Sie das japanische Schriftsystem Kanji.

Die Schriftzeichen, in Japan als Kanji 漢字 bezeichnet, wurden von China über Korea nach Japan übernommen, da es für die japanische Sprache keine eigene Schrift gab. Es waren jedoch Anpassungen nötig, denn Japanisch unterscheidet sich gundlegend von Chinesisch, einerseits aufgrund der Grammatik und andererseits in der Aussprache, da im Gegensatz zur chinesischen Sprache die japanische keine Tonsprache ist und daher aus deutlich weniger Silben besteht.

Anpassungen in der Aussprache von Schriftzeichen

Vor dem 5. Jahrhundert existierte die japanische Sprache nur als gesprochene Sprache. Im Folgenden lernten die Gelehrten Chinesisch, um schriftlich untereinander kommunizieren zu können. Dabei unterlief die Aussprache der chinesischen Zeichen einer Anpassung an die japanische Sprache.

Es wurden neue Kombinationen von Schriftzeichen geschaffen, um Worte, welche es im Japanischen aber nicht im Chinesischen gab, niederschreiben zu können. Dies betraf vor allem Begriffe zur Fischerei, da diese in Japan eine wesentlich größere Rolle spielt als in China. Zu den bereits bestehenden japanischen Wörtern bildeten sich also viele Synonyme mit chinesischem Ursprung und japanischer Aussprache.

Die dabei verwendete, an das Chinesische angelehnte Aussprache der Schriftzeichen nennt man on-yomi 音読み. Ein Beispiel hierfür ist das Wort "Auto", welches auf japanisch jidôsha 自動車 und auf chinesisch jīdòngchē 機動車 genannt wird. Diese Lesung wird heutzutage meist bei aus mehreren Kanji zusammengesetzten Wörtern angewendet.

Um jedoch auch die rein japanischen Wörter niederschreiben zu können, bediente man sich folgender Technik: Es wurden für ein rein japanisches Wort ein Kanji ausgewählt, welches in der Bedeutung diesem möglichst nahe kommt und die chinesische Aussprache durch das japanische Wort ersetzt. Diese Alternative rein japanischer Lesung wird als kun-yomi 訓読み bezeichnet.

Um das Beispiel von vorhin aufzugreifen, ist das Wort kuruma 車 ein Synonym für jidôsha 自動車 und bedeutet das "Auto". Aufgrund der deutlichen sprachlichen Unterschiede vom Chinesischen zum Japanischen war es jedoch auch oft nötig, dem selben Kanji mehr als eine kun-Lesung zuzuordnen. Beispielsweise lässt sich das Schriftzeichen für "lieben/mögen" unter anderem als kono[mu] 好[む] oder als su[ki] 好[き] lesen. Diese kun-Lesung wird heutzutage oft verwendet, wenn ein Schriftzeichen alleine ein Wort bildet oder es mit den japanischen Silbenschriften Hiragana und Katakana kombiniert wird.

Kanji: Lassen Sie sich nicht verwirren!

Diese unterschiedlichen Lesungen führen bei Übersetzungen immer wieder zu Verwirrungen, was sich gut an dem Beispiel für den Berg namens Fuji zeigt. Die chinesische on-Lesung für Berg lautet san und die japanische kun-Lesung yama. Spricht man im Allgemeinen über Berge, ist die japanische kun-Lesung zu verwenden, da das Kanji alleine steht. Wird jedoch der Name eines Berges mit dem Zeichen für Berg kombiniert, in diesem Fall der "Berg Fuji", wird die chinesische on-Lesung san verwendet. Die korrekte Bezeichnung lautet also Fuji-san 富士山.

Anpassungen von Kanji aufgrund der Grammatik

Eine reine Anpassung der Aussprache chinesischer Schriftzeichen genügt jedoch nicht, um das komplette Spektrum der japanischen Sprache ausdrücken zu können. Der Grund hierfür ist die unterschiedliche Grammatik. Beispielsweise lassen sich Verb-Endungen oder häufig nötige Partikel nicht durch Kanji darstellen.

Eine Lösung für dieses Problem waren die sich ab dem 9. Jahrhundert entwickelnden Silbenschriften Hiragana und Katakana, deren Zeichen nur Laute beschreiben, jedoch jegliche Bedeutung verloren haben. Durch Kombination von Kanji als Wortstamm, Hiragana für grammatikalisch bedingte Wortendungen und Katakana für nicht aus dem japanischen Sprachraum stammende Wörter entstand das heute immer noch übliche japanische Schriftbild.

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Naomi Wieland

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