Steuerrecht

Wie die Steueramnestie funktioniert

Bei Inanspruchnahme der Steueramnestie im Jahr 2004 beträgt der fällige Pauschalsteuersatz 25 % der nicht versteuerten Einnahmen. Nehmen Sie die Steueramnestie zwischen dem 1. Januar 2005 und 31. März 2005 in Anspruch, müssen Sie 35 % an den Fiskus überweisen. Dafür ist aber auch alles erledigt, wenn Sie die Steueramnestie in Anspruch nehmen.

Steueramnestie allgemein
Wenn Sie die Steueramnestie in Anspruch nehmen, brauchen Sie weder Strafe noch weitere Steuern oder die sonst üblichen Zinsen (6 % pro Jahr) zu fürchten. Denn Zinsen sind bei der bisher geltenden Selbstanzeige ein großes Hindernis, insbesondere bei lange zurückliegenden Steuerhinterziehungen.

Doch bei der Berechnung der effektiven Steuerlast ist die Pauschalsteuer nur ein Aspekt. Der Grund: Die jeweilige Bemessungsgrundlage (siehe Liste) bestimmt die tatsächliche Steuerbelastung. Die Bemessungsgrundlage richtet sich nach der Steuerart.

Die Bemessungsgrundlage der Steueramnestie im Einzelnen:

1. 60 % der Bruttoeinnahmen (einschließlich Umsatzsteuer) für die Einkommen- und Körperschaftssteuer,
2. 100 % der falsch deklarierten Werbungskosten, Betriebsausgaben, Sonderausgaben, außergewöhnlichen Leistungen,
3. 10 % der Einnahmen und Vermögensmehrungen bei der Gewerbesteuer,
4. 30 % der Bruttoeinnahmen für die Umsatzsteuer,
5. 200 % der falschen Vorsteuerbeträge für die Umsatzsteuer,
6. 20 % der steuerpflichtigen, aber nicht versteuerten Erwerbe bei der Erbschaft- und Schenkungssteuer

Ein Beispiel: Spekulationsgewinne
Ein Geldanleger nutzt die Steueramnestie für verschwiegene Spekulationsgewinne von 100.000 € aus den Jahren 1999 und 2000. Die Bemessungsgrundlage (60 %) beträgt 60.000 €, die Pauschalsteuer ( im Jahr 2004 25 %, danach 35 %) 15.000 € . Dies entspricht einer effektiven Steuerbelastung von 15 %. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer werden auf die Abgabe nicht erhoben.

Persönlicher Steuersatz
Damit wird die Steueramnestie für den Betroffenen erheblich günstiger als eine Selbstanzeige. Bei dieser hätte der Fiskus die Aktiengewinne zunächst seinem persönlichen Steuersatz unterworfen. Bei Spitzenverdienern lag dieser 1999/2000 bei immerhin 53/51% plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer. Außerdem hätte der Fiskus zusätzlich Verzugszinsen in Rechnung gestellt, immerhin mehr als 3.000 € im Jahr, also schon eine zusätzliche Zahlung von etwa 12.000 €.

Wer die Steueramnestie nutzen kann:

1. Es handelt sich um eine Steuerstraftat oder Steuerordnungswidrigkeit der Kalenderjahre 1993 bis 2002.
2. Sie benutzen für die Erklärung der hinterzogenen Einnahmen ein spezielles amtliches Formular und geben dieses zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. März 2005 bei Ihrem zuständigen Finanzamt ab.
3. Sie berechnen die pauschale Steuer selbst und überweisen diese innerhalb von 10 Tagen nach Abgabe der Erklärung auf das Konto des Finanzamts.
4. Die Steuerstraftat oder Steuerordnungswidrigkeit darf nicht nach dem 17. Oktober 2003 (dem Tag der Verabschiedung des StraBEG) begangen worden sein.
5. Die Nacherklärung muss noch möglich sein.

Letzteres ist stets dann der Fall, wenn die Steuerhinterziehung noch nicht "entdeckt" wurde oder ein Außenprüfer oder Steuerfahnder noch nicht bei Ihnen erschienen ist.

Selbstanzeige
Für die Selbstanzeige gilt der Grundsatz: Sie ist nur dann günstiger als die Steueramnestie, wenn entweder die Werbungskosten extrem hoch gewesen sind oder der Steuersatz des Anlegers sehr niedrig war.

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Burkhard Strack

Burkhard Strack ist Fachjournalist (DFJV-Mitglied) in den Ressorts Gesundheit, Finanzen und Marketing, Werbeprofi (Google AdWords Premium Partner) und Inhaber des Beraterportals experto.de.