Erbrecht

Erbengemeinschaft – 10 Dinge, die Sie als Miterbe wissen sollten

Erbengemeinschaft – 10 Dinge, die Sie als Miterbe wissen sollten

Streit um das Erbe ist fast so sicher wie der Erbfall selbst. Besonders konfliktträchtig ist die Erbengemeinschaft. Das liegt sowohl an den familiären Konstellationen und Befindlichkeiten der Betroffenen als auch an der Komplexität des rechtlichen Rahmens für die Miterbengemeinschaft.

Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Punkte, die ein Miterbe kennen sollte:

  1. Erbquoten: Gibt es mehr als einen Erben, entsteht eine Erbengemeinschaft. Jeder Erbe hält eine Quote am Nachlass. Während die Quoten bei der gesetzlichen Erbfolge meist leicht zu ermitteln sind, kommt es bei der Erbfolge durch Testament häufiger zu Problemen. Diese treten vor allem auf, wenn durch falsche Begriffsverwendung im Testament erst einmal ermittelt werden muss wer Erbe bzw. Vermächtnisnehmer geworden ist und welche Erbquoten aus welchen Zuwendungen folgen.
  2. Erbschein: Im Falle der Miterbengemeinschaft kann auf Antrag beim Nachlassgericht ein gemeinschaftlicher Erbschein erteilt werden. Dafür reicht es aus, dass einer der Miterben beim Nachlassgericht aktiv wird und angibt, dass auch die übrigen Erben die Erbschaft angenommen haben.
  3. Verkauf von Nachlassgegenständen: Veräußerungen von Immobilien oder sonstigen Vermögenswerten aus der Erbschaft können nur von allen Miterben gemeinsam getätigt werden. Das liegt am Wesen der Erbengemeinschaft als Gesamthandsgemeinschaft: Alles gehört allen gemeinsam. Blockiert auch nur einer der Erben einen Verkauf – egal wie klein seine Erbquote ist – ist die Erbengemeinschaft handlungsunfähig.
  4. Verwaltung des Nachlassvermögens: Für Verwaltungsmaßnahmen wie zum Beispiel die Beauftragung eines Handwerkers für die Nachlassimmobilie reicht zwar die einfache Stimmmehrheit in der Erbengemeinschaft aus. Auch hier kommt es aber, je nach Konstellation, häufig zu Blockaden. Miterben können zwar theoretisch darauf verklagt werden, bestimmte Beschlüsse mitzutragen. In der Realität ist dies jedoch häufig nur schwer praktikabel.
  5. Auskünfte unter Miterben: Ein immer wieder auftauchendes Problem ist das Informations-Ungleichgewicht unter den Miterben. Während einige Miterben genau über den Nachlass Bescheid wissen, weil Sie beispielsweise stets guten Kontakt zum Erblasser pflegten, sind andere vergleichsweise ahnungslos bezüglich der Zusammensetzung der Erbschaft. Es gibt jedoch keinen allgemeinen Auskunftsanspruch unter Miterben, so dass sich jeder grundsätzlich selbst die ihm wichtigen Informationen beschaffen muss. Nur in ganz bestimmten im Gesetz geregelten Ausnahmen kann man sich an einen anderen Miterben wenden.
  6. Haftung in der Erbengemeinschaft: Erben haften für die gemeinschaftlichen Nachlassverbindlichkeiten als Gesamtschuldner. Hatte der Erblasser Schulden bei einem Gläubiger, kann dieser daher auch von einem einzelnen Miterben die Begleichung der gesamten Schuld einfordern. Innerhalb der Erbengemeinschaft gibt es zwar Regressansprüche; diese sind aber nicht immer realisierbar. Bezüglich der Möglichkeit des Erben seine Haftung zu beschränken, gibt es bei der Erbengemeinschaft eigene Spielregeln, die vor allem danach unterscheiden, ob der Nachlass bereits geteilt wurde.
  7. Teilungsanordnung: Ein umsichtiger Erblasser vermeidet entweder die Erbengemeinschaft oder gibt im Testament den Miterben zumindest eine Teilungsanordnung mit auf den Weg. Darin kann er einzelnen Erben bestimmte Nachlassgegenstände zuweisen oder in anderer Weise den Plan für die Auseinandersetzung oder auch Verwaltung der Erbschaft vorgeben. Alternativ können Gegenstände auch durch ein Vorausvermächtnis den Erben zugeordnet werden.
  8. Auseinandersetzung durch Einigung: Fehlt eine Teilungsanordnung müssen sich die Erben über die Verteilung des Nachlasses verständigen. Naturgemäß fallen die Ansichten auseinander, welchen Wert die einzelnen Nachlassgegenstände haben und welcher der Erben einen „Anspruch“ auf welche Immobilien oder sonstige Gegenstände hat. Das Ringen um eine einvernehmliche Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft kostet daher viel Zeit und Nerven.
  9. Zwangsauseinandersetzung und Teilungsversteigerung: Erfolgt keine Einigung, können einzelne Erben versuchen, eine zwangsweise Auseinandersetzung zu betreiben. Dafür muss unter anderem erst einmal der gesamte Nachlass versilbert werden. Für Immobilien steht dafür die Teilungsversteigerung zur Verfügung, die jeder Miterbe grundsätzlich jederzeit einleiten kann. Am Ende landen dann aber meist doch wieder alle am Verhandlungstisch, weil sie sehen, dass eine Einigung letztlich alternativlos ist.
  10. Verkauf des Erbteils oder Abschichtung: Wer seinen Exit aus der Erbengemeinschaft vollziehen möchte bevor der gesamte Nachlass aufgerieben ist, kann auch versuchen seinen Erbteil zu verkaufen. Die Miterben haben dabei ein Vorkaufsrecht, sind aber in der Praxis häufig ohnehin die einzigen Kaufinteressenten. Alternativ zum Verkauf ist auch eine sogenannte Abschichtung denkbar, bei der einer der Miterben formlos gegen Zahlung einer Abfindung oder Übertragung von Nachlasswerten aus der Erbengemeinschaft ausscheidet.

Bildnachweis: rupbilder / Adobe Stock

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Über Ihren Experten

Rechtsanwalt Ralph Butenberg

Rechtsanwalt Ralph Butenberg

Fachanwalt für Erbrecht
Fachanwalt für Steuerrecht

Herr Rechtsanwalt Ralph Butenberg leitet in der Rechtsanwaltskanzlei ROSE & PARTNER LLP am Standort Hamburg das Dezernat Erbrecht. Als erfahrener Fachanwalt im Erb- und Steuerrecht berät und vertritt er sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen in allen Fragen zur Nachfolge. Zu seinen Mandanten gehören unter anderem Unternehmer, Erben, Pflichtteilsberechtigte und Testamentsvollstrecker.

Hier gelangen Sie zu seiner Kanzlei-Website: https://www.rosepartner.de