Arbeitsrecht

Kein automatischer Entschädigungsanspruch, wenn Sie ältere Bewerber nicht zu Vorstellungsgesprächen einladen

Kein automatischer Entschädigungsanspruch, wenn Sie ältere Bewerber nicht zu Vorstellungsgesprächen einladen
Heiko Klages
geschrieben von Heiko Klages

Behandeln Sie Bewerber ungerecht im Einstellungsverfahren, kann es zu einer Klage kommen. Was der Kläger dafür aber beweisen muss, erfahren Sie hier.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gewährt u. a. eine Entschädigung, wenn Bewerber wegen ihres Alters im Einstellungsverfahren benachteiligt werden.

Etwas mehr als den bloßen Hinweis, er sei wegen seines Alters nicht zu dem Vorstellungsgespräch eingeladen worden, muss ein Bewerber allerdings schon bringen, wenn er eine Entschädigung gerichtlich durchsetzen will (LAG Saarland, Urteil vom 11.01.2017 – Az. 2 Sa 6/16).

Ein 1958 geborener Arbeitnehmer hatte sich um eine Beschäftigung in einem Servicecenter beworben. Dieses hatte 16 Arbeitnehmer. Allerdings wurde sein Bewerbungsschreiben nicht berücksichtigt. Zu einem Vorstellungsgespräch wurde er nicht eingeladen.

Ein Grund für die Nichtberücksichtigung seiner Bewerbung wurde dem Kläger nicht genannt.

Rund 5.800 € Entschädigung gefordert

Erst als er eine Entschädigung wegen Verstoßes gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Höhe von drei Monatsverdiensten, insgesamt rund 5.800 €, verlangte, teilte ihm der Arbeitgeber mit, dass die Absage nicht wegen des Alters des Klägers erfolgt sei.

Der abgelehnte Bewerber forderte die Entschädigung, da er für die ausgeschriebene Stelle geeignet gewesen sei. Schließlich verfügte er über eine erhebliche Berufserfahrung, unter anderem im Bereich der Kunden-Telekommunikation.

Er ging davon aus, dass für die Entscheidung des Arbeitgebers das geringere Lebensalter der Mitbewerber maßgeblich gewesen sei.

Der Arbeitgeber sah dies selbstverständlich ganz anders. Unter anderem konnte er im Prozess belegen, dass er auch ältere Mitarbeiter in der Vergangenheit eingestellt hatte. Er betonte auch, dass die Bewerbung des Klägers sehr spät eingegangen sei.

Sie traf erst einen Monat nach der ursprünglichen Ausschreibung der Stelle ein. Zu diesem Zeitpunkt hätten allerdings bereits die ersten Vorstellungsgespräche stattgefunden.

Abgelehnte Bewerber muss rechtswidrige Diskriminierung genauer begründen

Die Ausführungen des abgelehnten Bewerbers reichten dem Landesarbeitsgericht nicht, um ihm eine Entschädigung zuzusprechen.

Mangels eines detailliert vorgetragenen und dann auch bewiesenen Ansatzpunktes, für die vom Kläger behauptete Benachteiligung durch Nichtberücksichtigung seiner Bewerbung wegen seines Lebensalters, stand ihm keine Entschädigung zu.

Zum einen konnte er nicht nachweisen, dass er die von dem Arbeitgeber konkret geforderten Kompetenzen aufwies. Dass der Arbeitgeber ihn deshalb nicht zu dem Vorstellungsgespräch eingeladen hatte, war für das Gericht nachvollziehbar.

Von den neun zu den Vorstellungsgesprächen eingeladenen Mitarbeitern waren drei, die mindestens 49 Jahre alt waren.

Zum anderen konnte der Arbeitgeber beweisen, dass er in der Vergangenheit auch durchaus Mitarbeiter im Alter des Klägers eingestellt hatte.

Fazit:

Solange Sie ein klares Anforderungsprofil haben, dürfen Sie einem älteren Bewerber, der dieses Anforderungsprofil nicht erfüllt, beruhigt im Auswahlverfahren nicht weiter berücksichtigen. Sie brauchen ihn auch nicht zu einem Vorstellungsgespräch einladen.

Vermeiden sollten Sie allerdings jeden Hinweis darauf, dass eine Bewerbung wegen des Alters eines Bewerbers nicht berücksichtigt wird.

Bildnachweis: auremar / Adobe Stock

Über Ihren Experten

Heiko Klages

Heiko Klages

Heiko Klages ist selbstständiger Rechtsanwalt in Hamburg. Vorher war er zunächst Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei und mehrere Jahre Geschäftsführer eines Arbeitgeberverbandes. Dabei gehörten sowohl die Rechtsberatung der Mitglieder als auch Tarifverhandlungen zu seinen Aufgaben. Er veröffentlicht regelmäßig für verschiedene Verlage Fachbeiträge zu juristischen Themen.